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Emmerich: 9000-Euro-Haus: Ein Horror für Eigentümer

Emmerich : 9000-Euro-Haus: Ein Horror für Eigentümer

Das Haus zum Ramschpreis an der B8 sorgt derzeit für helle Aufregung. Der Grund ist einfach: In Emmerich und Rees trifft vielleicht jeden Hauseigentümer in Bahnnähe ein ähnliches Schicksal.

Oder doch nicht? Rainer Elsmann, einer der Makler in Emmerich mit sehr großem Bestand, sagte am Freitag dazu: "Das ist schon ein extremer Fall. Die B8 direkt vor der Tür und hinterm Garten die Bahn - das ist schwierig."

Aber so extrem ist es auch wieder nicht. "Zwischen Elten und Praest liegen die Häuser alle eng an der Bahn. In der Laar in Hüthum oder die Bodelschwinghstraße in Elten sind ähnliche Beispiele."

Was also ist zu tun, wenn man ein Haus besitzt, das direkt an der Bahn liegt? Elsmann sagt: "Im Moment habe ich nicht viele Häuser in so einer Lage als Auftrag. Die Leute haben gemerkt, dass es wenig Sinn macht, jetzt noch schnell zu verkaufen, ehe das dritte Gleis kommt. Die Käufer wissen über das Problem Bescheid."

Hauseigentümer warten deshalb im Moment ab, bis irgendwann der Lärmschutz steht. Wenn doch ein Haus auf den Markt kommt, handelt es sich zumeist um einen Trennungsfall.

Oder die Eigentümer wollen einfach verkaufen, weil jetzt das Geld benötigt wird. Dann gehen auch schon einmal Grundstücke zu einem Preis weg, der gerade einmal in der Höhe der Erschließungskosten liegt. Vielleicht mit zwei oder drei Euro mehr auf den Quadratmeter.

In Emmerich sind es einige hundert Häuser, die von den Betuwe-Plänen der Bahn betroffen sind. In Rees ist es ähnlich. Gebäude verlieren extrem an Wert.

Bürgermeister Christoph Gerwers dazu: "Es gibt keine Entschädigung der Bahn für die Hauseigentümer. Das ist ein echter Verlust für viele Leute", sagt er.

Natürlich werde es weniger Lärm geben, wenn die Lärmschutzwände da seien. "Aber da gibt es Häuser, die ganz nah an den Gleisen liegen. Die Lärmschutzwand ist vier Meter hoch, wenn sie noch auf dem Damm steht, sind es fünf Meter. Da kriegen einige Leute keine Sonne mehr ab. Abgesehen von den Erschütterungen. Die kommen noch hinzu. Es ist ganz klar: Häuser und Grundstücke an der Betuwe verlieren an Wert."

Und was ist, wenn die Hauseigentümer nicht verkaufen, sondern die Immobilie vermieten?

Wer sich mit dem Gedanken trägt, sollte vielleicht einen Steuerberater aufsuchen. Denn wenn die Miete für ein Objekt an der Bahn nicht so viel abwirft, wie beispielsweise noch Belastungen dagegen stehen, wie zum Beispiel ein Darlehen, kann sich das trotzdem rechnen. Verluste durch Vermietungen können auf das zu versteuernde Einkommen angerechnet werden. Auch hier gilt: Jeder Fall ist anders. Und ein Gang zum Fachmann ist sinnvoll.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das 9000-Euro-Haus von Emmerich

(hagemann)