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40 Jahre Frauenselbsthilfe nach Krebs in Emmerich

Geburtstag : 40 Jahre Frauenselbsthilfe nach Krebs

Zum runden Geburtstag sucht die Gruppe Mit-Näherinnen, die bei der Erstellung von Umhängetaschen helfen.

Wer die Diagnose „Brustkrebs“ bekommt, für den bricht erstmal eine Welt zusammen. „In Deutschland werden diese Patientinnen medizinisch bestens versorgt“, erklärt Elfriede Kroh, Leiterin der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ - Gruppe Emmerich am Rhein. „Doch mit ihren Ängsten und Sorgen bleiben sie oft allein.“ Um diese persönlichen Sorgen aufzufangen, hat sich vor 40 Jahren diese Selbsthilfegruppe gegründet.

Und sie helfen sich gegenseitig nicht nur emotional, sondern auch praktisch. Ein Beispiel ist die Drain-Tasche, eine farbenfrohe Umhängetasche. Die frisch operierte Brustkrebspatientin im Brustzentrum des St. Antonius-Hospitals in Kleve erhält als aktive Wundversorgung meist zwei Redon-Flaschen zum Auffangen der Wundflüssigkeit. Damit sie sich frei bewegen kann, hat eine Gruppe nähbegeisterter Frauen diese Umhängetaschen gefertigt, die sie an Brustkrebspatientinnen verschenken. Die Taschen haben einen langen Trageriemen, der quer über die Schulter gehängt werden kann, so dass die Hände frei bleiben. „Zwischen 150 und 180 dieser Taschen verschenken wir pro Jahr“, erzählt Elfriede Kroh, die aus eigener Erfahrung weiß, wie wichtig diese kleinen Hilfen sind. Weshalb sie 2011, als sie die Leitung der Selbsthilfegruppe übernahm, diese Nähgruppe mit initiierte.

Frieda Stolk war die erste, die sich zum Nähen meldete, sie schneidet die Taschen auch zu. Sechs bis sieben weitere Frauen kamen hinzu. An zwei Nachmittagen im Jahr wird gemeinsam genäht, unterstützt von Susanne Corten, die die Nähkurse im Haus der Familie leitet. Dort dürfen die fleißigen Frauen auch die Nähmaschinen benutzen. Die meisten fertigen die Drain-Taschen ebenfalls zuhause. Jetzt sucht die Gruppe weitere Mit-Näherinnen. Dazu braucht man keine Profi-Schneiderin zu sein. „Es sind nur gerade Nähte, das ist ganz einfach“, sagt Elfriede Kroh. Die bunten Stoffe bekommt die Nähgruppe meist geschenkt. „Wir wollen diese Aktion gerne weiter führen. Es soll eine Aktion von Herzen sein und in den schweren Stunden Freude bereiten.“

Die Frauenselbstgruppe nach Krebs bietet schon während der Krankenhauszeit im Brustzentrum Kleve einen Gesprächskreis „Aktiver Frauen“ nach Brustkrebs an. Dieser findet an jedem dritten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im St. Antonius-Hospital Kleve statt. Eingeladen sind alle Frauen, die von der Krankheit betroffen sind oder waren. „Diese Erkrankung ist eine emotionale Belastung für die ganze Familie und auch für den Freundeskreis. In dieser Situation können wir die Frauen auffangen und begleiten“, sagt Elfriede Kroh. Hier gibt es auch praktische Hilfen, beispielsweise Informationen zu bevorstehenden Untersuchungen, Therapien und zum Umgang mit Nebenwirkungen. Gemeinsam mit Schwester Antonia vom Brustzentrum Kleve leitet Kroh den Gesprächskreis.

Viele der erkrankten Frauen entscheiden sich danach für die Frauenkrebshilfe nach Krebs. Die Emmericher Gruppe trifft sich in der Evangelischen Familienbildungsstätte Hansastraße an jedem ersten Mittwoch im Monat. Rund 25 Frauen zwischen Mitte 40 und Mitte 80 gehören der Gruppe an. „Hier geht es in erster Linie um den Austausch. Am wichtigsten ist es aber, zu zeigen, dass man auch mit einer Krebserkrankung Lebenslust und Lebensfreude empfinden kann.“