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Rees: 1949 kamen die Reeser Glocken zurück

Rees : 1949 kamen die Reeser Glocken zurück

Jeder kennt ihren Klang, doch nur die wenigsten haben sie jemals zu Gesicht bekommen: die Glocken der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Heinz Belting hat ihre Geschichte gründlich erforscht und aufgeschrieben.

Das 40-seitige Heft über die Geschichte der Glocken, die Maria, Michael, Pius, Irmgardis, Cyriakus und Georg gewidmet sind, ist in der Bücherecke oder bei Optik und Akustik Belting in der Dellstraße zum Preis von acht Euro erhältlich. Darin geht der Autor auf die 5000-jährige Geschichte der Glocken im Allgemeinen ein und insbesondere auf die Reeser Glocken, aber auch auf die Reeser Kirchenpatrone. Zu Weihnachten druckt die Rheinische Post zwei von vielen informativen Passagen aus Beltings reich illustrierter Veröffentlichung ab": Die Marienglocke

Die größte Glocke des Reeser Geläuts ist die Marienglocke mit der Ordnungsnummer 1. Sie hat einen Durchmesser von 1,70 Meter und wiegt 2060 Kilogramm. Da sie für den Transport zu schwer gewesen wäre, wurde sie im Jahr 1789 direkt neben der Kirche gegossen. Dafür errichteten der Glockengießer Christian Wilhelm Voigt und sein Sohn Christian Diederich Voigt in einer Grube eine Glockenform aus Ziegeln und Lehm. Im Kriegsjahr 1941 wurde die Marienglocke mit fünf anderen Reeser Glocken beschlagnahmt und nach Hamburg geschafft. Dort sollten sie eingeschmolzen und zu Kanonen verarbeitet werden. Auf sogenannten "Glockenfriedhöfen" wurden die aus ganz Deutschland herbeigeschafften Glocken gestapelt und in vier Kategorien unterteilt: 1) Sofort vernichten! 2) Einstweilen zurückstellen! 3) Weiterhin zurückstellen! 4) Erhalten! In die vierte Kategorie fiel auch die historische Marienglocke aus Rees. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm ein "Ausschuss für die Rückführung der Glocken" seine Arbeit auf. So kehrten 1949 auch die Reeser Glocken wieder an den Niederrhein zurück. Aufgrund ihres hohen Alters wird die Marienglocke als "Denkmalglocke" bezeichnet. Sie wird nur an hohen Feiertagen wie Ostern, Pfingsten, Weihnachten und Neujahr geläutet. Als Einzelglocke soll sie nur in einem einzige Fall zu hören sein: wenn der Papst gestorben ist. Die Läuteordnung

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Wann und wie welche Glocken in Rees zu hören sind, ist in der Läuteordnung festgelegt. Vor allen Werktagmessen wird die Glocke mit der Ordnungsnummer 4 (St. Irmgardis) für drei Minuten geläutet. An Sonntagen und vor der Samstagsmesse erklingen neben der Glocke 4 auch die Glocken 3 (St. Pius) und 2 (St. Michael). Stirbt ein Mitglied der Pfarrgemeinde, wird die Glocke 2 um elf Uhr für fünf Minuten geläutet. Diese Totenglocke läutet auch für drei Minuten vor einem Beerdigungsgottesdienst und begleitet die Beerdigung zehn Minuten lang nach der Messe. An hohen Festtagen wie Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Fronleichnam gibt es ein Festgeläute mit allen Glocken. Das geschieht auch in der Neujahrsnacht und nach hohen Festmessen.

Andere Anlässe für Glockengeläut sind alle Andachten (mit Glocke 4), die Rückkehr der Fußpilger aus Kevelaer und die Rückkehr der Reeser Kinder aus den Ferienlagern. In der Karwoche wird am Gründonnerstagabend während der Messe zum "Gloria" noch einmal festlich geläutet. Danach schweigen alle Glocken bis zur Auferstehungsmesse zu Ostern, wenn erneut das "Gloria" gespielt wird. In früheren Zeiten wurden die Glocken auch zur Warnung vor Katastrophen geläutet, etwa bei einem Brand in der Stadt oder beim Auftauen des zugefrorenen Rheins. Inzwischen haben Sirenen und moderne Telekommunikation diese Aufgaben übernommen - und der Rhein friert eh nicht mehr zu.

(RP)