Ausflugsziel : „Wetterfester Kern“ beim Büchermarkt

Die Resonanz auf den 18. Reeser Büchermarkt entlang der Rheinpromenade litt unter dem vollkommen verrregneten Sonntagvormittag. Erst später kamen die Freunde der Literatur, um auf Schnäppchenjagd zu gehen.

 Kaum ein Büchermarkt in NRW ist so schön gelegen wie die jährliche Freiluftveranstaltung auf der Reeser Rheinpromenade. Doch zugleich ist kein anderer Büchermarkt so sehr auf gutes Wetter angewiesen. Diesmal hatten die Händler und Käufer kein Glück. Von der Aufbauphase der Stände bis zum späten Mittag regnete es ohne Unterlass, ab 13 Uhr war es vorerst trocken, sodass sich doch noch mehrere Bücherfreunde auf den Weg machten – bis der Nieselregen erneut einsetze.

„Der Regen ist der Tod des Buches“, sagte Johannes Beenen, als er mit zweistündiger Verspätung die Bücherkisten aus seinem Wagen räumte. Der Reeser gehörte zu den Händlern, die bewusst das Ende der Regenzeit abgewartet und erst dann ihren Stand bestückt hatten, als die Wetter-Apps auf dem Smartphone einen stark bewölkten, aber halbwegs regenfreien Himmel voraussagten.

„Herr Dierkes hat uns für den Nachmittag besseres Wetter versprochen“, lachte der Buchhändler Hans-Werner Hehl. Gemeint war der Organisator des Reeser Büchermarkts und zugleich Leiter der Reeser Stadtbücherei. Angesichts des trüben Wetters war Dierkes dankbar für jeden der 40 angemeldeten Händler, der sich in den frühen Morgenstunden überhaupt auf den Weg nach Rees gemacht hatte. Zwischen der Bronzeskulptur des lesenden Mannes und dem Rheinpark Hotel reihten sich zwar viele Marktstände, die mit Folien aller Art gegen Regen und Wind geschützt waren, doch zwischen dem Rheinpark Hotel und dem Rheincafé Rösen klaffte so manche Bildungslücke.

Hans-Werner Hehl aus Amsterdam hatte sich nicht abschrecken lassen: „Meine Frau und ich kommen als Händler schon nach Rees, seit der Büchermarkt vor gut 18 Jahren Premiere hatte.“ In den 70er Jahren lernten sie sich bei Demos gegen den Schnellen Brüter in Kalkar und gegen das Fischsterben kennen, gründeten in den Niederlanden das Antiquariat „Das Narrenschiff“ und nehmen bis heute mit ihren Kunst- und Geschichtsbüchern am Reeser Büchermarkt teil, um den Blick auf den Rhein genießen zu können.

Auch Dieter Roos gehörte zu den ersten Händlern, die am regnerischen Morgen ihren Stand bestückten. „Jedes Buch drei Euro, wegen Regen!“, rief er den ersten Kunden zu. Der Reeser freute sich über den „harten, wetterfesten Kern“ von Bücherfreunden. „Viele kommen sogar ohne Schirm, suchen ganz bestimmte Bücher und kommen nicht nur zum Sehen, sondern kaufen 100-prozentig“, lobte Roos seine Stammkundschaft, die er schon von vielen Büchermärkten kennt. In den vergangenen Jahren hat er alle Wetterextreme auf der Rheinpromenade miterlebt: „Einmal drohte der Sturm alle Stände in den Rhein zu wehen, da konnten wir beim besten Willen nicht aufbauen. Ein anderes Mal war es so heiß und sonnig, dass es auch schon wieder schlecht fürs Geschäft war.“

Zufallsbesucher blieben am Sonntag aus, weil auch die Fähre Rääße Pönte und das Fahrgastschiff Germania kaum Passagiere hatten. Wo sich sonst viele tausend Besucher auf dem Büchermarkt tummeln, blieb es diesmal übersichtlich.

Zu den Käufern gehörte der Reeser Heinz Belting, der das Angebot seit Jahren nutzt, um seine Sammlung von Ansichtskarten und Heimatliteratur zu erweitern. „Ich habe heute einige Heimatkalender für den Kreis Kleve und den alten Kreis Rees gefunden und damit letzte Lücken schließen können“, freute sich Belting. Derzeit hat er es auf die humoristischen Texte des Reesers Hugo Entrup in den Heimatkalendern abgesehen. „Ich bereite einen Vortrag für den Reeser Geschichtsverein vor“, erklärte Belting. Diesen hält er am Mittwoch 13. November, um 19 Uhr. Dann aber garantiert trocken, im Kolpinghaus.

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