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Duisburg: Zwischen Optimismus und Frustration

Duisburg : Zwischen Optimismus und Frustration

RP-Mitarbeiter Tim Harpers hat den Wahlsonntag in einem Wahllokal in Duissern verbracht. Dabei kam er sowohl mit Wahlhelfern als auch mit Wählern ins Gespräch. Auf dem Rückweg traf er auf der Königstraße auf mehr oder weniger überzeugte Nicht-Wähler.

Die Wahl im Stimmbezirk 2011 wird in einem Klassenraum an der Tonstraße abgehalten. Vor einer Schiefertafel, auf der noch Rechenübungen vom Schulfreitag zu lesen sind, sitzen die Wahlhelfer Sven Michler, Rainer Kalisch und Meike Kuschnik auf viel zu kleinen Stühlen. Die Laune der drei Freiwilligen ist trotzdem bestens. Gebetsmühlenartig und in aller Ruhe erklären sie den nach und nach eintrudelnden Wählern, dass sie heute mit Europa-, Kommunal- und Integrationsratswahl mehrere Kreuzchen machen müssen.

Obwohl es so wichtig ist, ist das Engagement der Wahlhelfer alles andere als selbstverständlich. Meike Kuschnik betrachtet ihre Mitarbeit im Wahllokal aber als Ehrensache: "Ich mache das hier schon seit Jahren", sagt sie. "Es reizt mich einfach, an diesem politischen Prozess aktiv teilnehmen zu können. Außerdem komme ich hier aus der Ecke. Man trifft sehr viele Bekannte und führt nette Gespräche. Ich bin gerne Wahlhelferin."

Ähnlich geht es Sven Michler, der an diesem Tag dafür zuständig ist, die Wahlbenachrichtigungen entgegenzunehmen: "Ich finde politische Teilhabe ungemein wichtig", meint er. "Mit meiner Mitarbeit kann ich ein klein wenig zum demokratischen Prozess beitragen und das befriedigt mich." Dass er als städtischer Mitarbeiter für seinen Wahleinsatz einen Tag frei bekomme, sei natürlich auch nicht zu verachten, sagt er lächelnd.

  • Foto: Andreas Endermann
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Vor allem ältere Wähler sind sehr dankbar für die Hilfestellung durch die Wahlhelfer. "Ich bin froh, dass wir in Deutschland leben", sagt etwa Wählerin Greta Freidelmann beim Verlassen des Wahllokals in Duissern und fügt hinzu: "Es ist wichtig, dass wir Wahlhelfer haben, die uns helfen und die darauf achten, dass bei uns alles mit rechten Dingen zugeht."

Für die meisten Bürger, die den kleinen Raum betreten, ist Wählen Bürgerpflicht. "Wer nicht wählt, der unterstützt die radikalen Parteien", findet zum Beispiel Helmut Garassek. "Unser Staat lebt davon, dass Menschen zur Abstimmung gehen. Wie sollen unsere Politiker eine Politik legitimieren, wenn nur 30 Prozent aller Berechtigten überhaupt zur Wahl gehen? Da stimmen doch die Relationen nicht mehr." Für jemanden, der seiner Bürgerpflicht nicht nachkomme, habe er kein Verständnis.

Jannis Treukel ist so ein Jemand. "Ich gehe aus Prinzip nicht hin", meint der 24-Jährige, der am Vormittag am Lifesaver-Brunnen in der Innenstadt die Sonne genießt. Der Grund sei ein ganz einfacher. Es gebe in der politischen Landschaft aktuell keine Partei, die sich um seine Belange kümmere. "Soll ich ernsthaft jemanden wählen, der mir und meiner Generation finanzielle Bürden auflastet, um die Renten derer zu bezahlen, die jetzt in Pension gehen? Generationenvertrag? Das ich nicht lache. Was ist das für ein System, in das ich viel mehr einzahlen muss, als ich hinterher rausbekomme. Das ist kein System, das ist einfach unfair."

Auf der Königstraße zeigen sich vor allem die jüngeren Menschen politikverdrossen, andere Nicht-Wähler haben einfachere Gründe. Mehrfach heißt es, man habe einfach keine Lust oder man interessiere sich nicht für Politik. Gisela Freudenreich sagt am Vormittag bei der Stimmabgabe, dass sie das bedenklich finde. "Wenn ich das höre, dann wird mir ganz übel", sagt sie. "Die Parteien müssen zusehen, dass sie die Menschen wieder einfangen. Wenn das so weitergeht, interessiert sich in 20 Jahren niemand mehr für seine Umwelt." Und das sei der ideale Nährboden für radikale Gruppen. "Ich persönlich will nicht erleben, dass Pro NRW in unseren Stadtrat einzieht", sagt sie mit Bestimmtheit.

(tim)