Duisburg: Zwischen All und Alltag

Duisburg: Zwischen All und Alltag

Der ehemalige Wissenschaftsastronaut Prof. Ernst Messerschmid eröffnete die neue Reihe der Mercator-Matinéen. Seine Botschaft: Die Raumfahrt ist nützlich für uns.

Einmal in ein Raumschiff steigen und die Erde aus dem Weltall betrachten: Prof. Ernst Messerschmid hat es gemacht. Aber nicht nur davon erzählte er den rund 150 Besuchern der ersten Mercator Matinee des Jahres - sieben weitere werden folgen - im Kultur- und Stadthistorischen Museum. Die funkelnde Decke des Vortragssaals bot den passenden Rahmen für eine Reise "Vom All in den Alltag: Raumfahrt zu neuen Horizonten".

Warum sich die Menschheit immer noch dieses teure Vergnügen gönnt? Ernst Messerschmid hat die Antworten: Nicht aus reinem Spaß, sondern weil im Weltraum unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit Dinge möglich sind, die auf der Erde nicht möglich sind. Und dadurch gibt es Antworten auf Fragen und Lösungen für Probleme. "Die Auswirkung von Experimenten im All ist eine verbesserte Technik auf der Erde", bringt er es auf den Punkt.

Astronaut Ernst Messerschmid nimm seine Zuhörer mit an Bord des Space-Shuttles "Challenger", mit dem es 1985 zur D1-Spacelab-Mission ging - für eine Woche. Nach heutigen Gesichtspunkten eine kurze Zeit im All. Doch dass es heute möglich ist, länger in der Schwerelosigkeit zu bleiben, liegt an den vielen Experimenten und Messungen, die die Wissenschaftler während der kurzen Aufenthalten durchführten. So wurde Knochenschwund bei den Astronauten festgestellt. Auf der Erde entwickelte man eine vibrierende Platte, auf die man sich stellt. Dieses Training verlangsamt den Prozess. Heute werden sie als Therapiegeräte für Patienten eingesetzt. Ebenfalls im All entwickelt: Eine Technik, die bei der Herstellung von Motoren aus Aluminium Lufteinschlüsse verhindert. Bei der Erforschung der Bauteile unseres Körpers half der Ausflug ins All ebenfalls: Unter Bedingungen der Schwerelosigkeit wachsen Enzyme und Proteine 10.000mal größer als auf der Erde und lassen ihre Struktur erkennen. Weitere Experimente sorgten dafür, dass heute Verbrennungsmotoren einen höheren Wirkungsgrad haben.

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Jeder, der schon einmal beim Augenarzt war, kennt die Messung des Augeninnendrucks. Dass der aber unabhängig von steigendem Blutdruck ist, so Messerschmid, habe man erst durch die Weltraumaufenthalte erfahren. "Man hatte die Befürchtung, dass bei den Astronauten durch den höheren Blutdruck auch der Augeninnendruck steigen würde, was aber nicht geschah, denn der Körper reguliert es selbst."

Wie es sich anfühlt, innerhalb vonacht Minuten in eine Umlaufbahn geschossen zu werden, erläuterte der Physik-Professor anschaulich: "Der Start ist ein kräftiger Tritt in den Hintern, der acht Minuten lang nicht aufhört." Einmal im All ist es die Geschwindigkeit, die in diesen acht Minuten erreicht werden muss: lockere 28.000 Kilometer pro Stunde müssen es schon sein, um durch die Wirkung von Zentrifugalkraft und Erdanziehung in eine stabile Flugbahn zu kommen und dadurch Schwerelosigkeit zu erreichen. "Ohne diese Geschwindigkeit würde jeder Astronaut auf die Erde zurückfallen." Der mit Anekdoten aus seinem Astronautenleben gespickte kurzweilige Vortrag ("Einige Experimente, die wir an uns durchführten, würden auf der Erde vom Tierschutz verboten - aber wir konnten auch immer ,Nein' sagen.") gab auch Ausblicke auf die Zukunft: So werde das "Internet der Dinge" wesentlich von der Raumfahrt beeinflusst und ohne sie nicht möglich sein. Und nur die Messungen aus dem Weltall, so der Wissenschaftler, geben uns auf der Erde Aufschluss über die Auswirkung Klimaveränderungen, denn 95 Prozent aller notwendigen Daten werden aus dem Weltall geliefert.

(awin)