Duisburg: Zuversicht und Tränen

Duisburg : Zuversicht und Tränen

Im Abteizentrum in Hamborn ließ Bischof Dr. Overbeck seine Entscheidung zur Zukunft der Kirchen im einstigen Dekanat Hamborn bekanntgeben. Vor der Türe hofften und beteten derweil Mitglieder der Gemeinden.

Hildegard Napierala hat 21 Jahre lang als Pfarrsekretärin in St. Barbara gearbeitet. Die 73-Jährige gehörte zu den bald 100 Katholiken, die am Samstag im Hamborner Abteizentrum vor der Türe angespannt darauf warteten, welche Entscheidung dahinter gerade den Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen bekanntgegeben wird. Für Hildegard Napierala ging es um ihre geistliche Heimat, um ihre Pfarrkirche, um ihre vertraute Gemeinde. Als sich nach gut einer Stunde die Türen öffneten und sie erfuhr, dass St. Barbara geschlossen wird, konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.

Dabei ist Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck unter dem Eindruck der Proteste im Duisburger Norden von seinen ursprünglichen Überlegungen weitgehend abgewichen, so dass Angelika Hoffmann, Sprecherin der Initiative, recht zufrieden feststellte: "Der Bischof hat viele unserer Forderungen erfüllt." Dazu zählt, dass St. Peter in Marxloh bleibt und sozialpastorales Zentrum wird; und dass St. Norbert vorerst nicht geschlossen wird; vor allem aber, dass alle Kindergärten an den betroffenen Standorten erhalten bleiben.

Rudolf Metken, wie sein Vater und Bruder vor ihm KAB-Vorsitzender in St. Norbert, hatte mit den "Barbararianern" um den Erhalt deren Kirche gekämpft und war am Samstag entsprechend traurig, dass der Bischof in diesem Punkt nicht nachgegeben hat. Doch als sich die erste Enttäuschung bei ihm gelegt hatte, begann er bereits zu überlegen, wie es in St. Norbert nun weitergehen kann. Denn die gerade erst aufwendig renovierte Kirche bleibt nach 2015 nur dann geöffnet, wenn die Betriebs- und Unterhaltungskosten finanziert werden können. Dafür Sorge tragen muss der Kirchenvorstand der neuen Pfarre St. Johann, zu der St. Norbert künftig gehört.

Im einstigen Dekanat Hamborn gehören die heute noch knapp 26 000 Katholiken künftig alle zur Pfarre St. Johann mit den Filialkirchen St. Josef und St. Franziskus. Daneben stehen ihnen folgende Kirchen nach 2015 offen: St. Peter, St. Hildegard, Herz-Jesu Neumühl, St. Norbert und St. Johann. St. Konrad wird bereits in wenigen Monaten geschlossen, in St. Barbara sollen spätestens 2015 die Lichter ausgehen.

Der Bischof wünscht, dass bis Januar kommenden Jahres die Zusammenführung der heute zwei Pfarren zu der einen Pfarrei St. Johann auf den Weg gebracht wird. Dazu sollen Koordinierungsausschüsse der Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte gebildet werden. Er wird "in Kürze" einen neuen Pfarrer benennen, dem er die Leitung der heute noch zwei Pfarreien überträgt und der die Zusammenführung begleiten soll.

"Kleines Sandkorn Hoffnung..." hatten die Katholiken aus St. Barbara zusammen mit denn anderen vor der Türe im Gemeindezentrum gesungen. Auch wenn der Bischof ihre Kirche spätestens in drei Jahren schließen will, sie wollen die Hoffnung nicht aufgeben, dass es vielleicht doch noch anders kommt. Auf weitere Aktionen will die Initiative daher auch nur "zunächst" verzichten. Mehr auf Seite B 3

(RP)
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