Duisburg: Zurück zu den Wurzeln

Duisburg: Zurück zu den Wurzeln

Unter dem Titel "Radical Roots" hat das Kaiser Antonino Dance Ensemble einen Beitrag zu Akzenten entwickelt. Die Aufführungen sind am Samstag und Sonntag im Museum DKM. Es geht um die Ursprünge von Konflikten.

Den Körper als Ausdrucksmittel für Kunst einsetzen, um Themen und Inhalte zu kommunizieren: Dieser Kerngedanke ist seit Jahren das künstlerische Leitbild des Kaiser Antonino Dance Ensembles. Insofern erschließen sich die Titel seiner Arbeiten zuweilen erst auf den zweiten Blick. Denn was haben "Ankündigung" mit "Umbrüchen" (2017), "Land Akupunktur" mit "Heimat" (2015) oder "Non Place" mit "Geld oder Leben" (2014) zu tun? So nämlich nannte das Ensemble seine Tanzbeiträge zu den Duisburger Akzenten der vergangenen Jahre.

"Unser Thema ist das Thema hinter dem Thema", sagen Avi Kaiser und Sergio Antonino als führende Köpfe und namensgebende Kompanie-Choreografen und Ensemble-Tänzer. "Unsere Performances", ergänzt Antonino, "entwickeln sich wie Bilder: Der nackte Raum ist wie ein weißes Blatt, während die Zeichenstifte vergleichbar unserer Körper sind. Malen und tanzen verhalten sich vom Prozess her also recht gleich." Und Kaiser fügt als weitere Analogie hinzu: "Tanzen ist wie Schreiben mit dem Körper. In beiden Fällen verbinden sich Kunst, hier in Form von Tanz, mit Kommunikation, hier in Form von Körpersprache."

Auch der Titel ihrer jüngsten Tanztheater-Produktion, die am kommenden Samstag und Sonntag im Museum DKM zu sehen ist, lässt mit "Radical Roots" keinen unmittelbaren Bezug auf das diesjährige Thema der 39. Duisburger Akzente "Nie wieder Krieg?" erkennen. "Es ist die Rückbesinnung auf den Ursprung von Konfliktsituationen, nämlich die archaische Konstellation von 'Angesicht zu Angesicht' oder 'sich Auge in Auge gegenüberstehen'", erläutert Kaiser den thematischen Ansatz ihrer neuen Choreografie, "sozusagen 'Back to the Roots' - zurück zu den Wurzeln."

Vor Jahren hätten nämlich er und sein Partner Antonino den preisgekrönten Film "Das weiße Band" (2009) von Michael Haneke gesehen. Besonders eine Szene darin habe sich in ihre Köpfe eingebrannt: Zwei Männer stehen sich Auge in Auge, Zahn um Zahn gegenüber und stellen sich zeitgleich dieselbe Frage: Wer schießt zuerst? "Ist der Impuls, einen anderen Menschen zu töten, um das eigene Leben zu retten, gelerntes Verhalten? Ist im Kampf oder im Krieg das, was Soldaten dazu bringt zu töten, der Überlebensinstinkt oder verbirgt sich dahinter eine Ideologie? Und was macht das alles mit dem menschlichen Körper?"

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Diesen Fragen geht das fünfköpfige Tanz-Ensemble (Sergio Antonino, Miriam Engel, Viola Gasparotti, Avi Kaiser, Lidia Luciani), das Musiker-Trio (Tomer Avraham, Florian Walter, Emily Wittbrodt) und der Sound-Designer (Wolfram Lakaszus) in "Radical Roots" nach. Die Tanzperformance ist eine Produktion des "Kaiser Antonino Dance Ensembles / The Roof - TanzRaum" in Kooperation mit der "Civica Scuola di Teatro Paolo Grassi" in Mailand, koproduziert von den 39. Duisburger Akzenten und mitfinanziert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Die Premiere ist am Samstag, 10. März um 19 Uhr und die Wiederholungsaufführung tags darauf am Sonntag, 11. März um 12 Uhr jeweils im Museum DKM, Güntherstraße 13-15, 47051 Duisburg. Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt fünf Euro.

Vorverkaufskarten und Kartenreservierungen sind möglich unter Telefon 0203/93555470 oder E-Mail mail@museum-dkm.de" beziehungsweise info@kaiser-antonino.com .

(RP)