Duisburg: Zum zweiten Mal: Hollywood am Rhein

Duisburg: Zum zweiten Mal: Hollywood am Rhein

Mit ihrem jüngsten Erlebniskonzert "Klappe, die Zweite - Filmmusik ab!" begeisterten die Duisburger Philharmoniker unter der temperamentvollen Leitung des Filmmusik-Fachmanns Rasmus Baumann im Theater.

Zehn Minuten, nachdem das Filmmusik-Konzert eigentlich hätte beginnen sollen, trat die pfiffige Moderatorin Stephanie Riemenschneider auf und improvisierte eine Ansprache aus Filmtiteln: "Sie sehen vor sich die Hauptdarstellerin von ,Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs'. Es ist ,The night before... Halloween', alle ,Taxi Driver' sind besetzt und uns fehlen noch ein paar dringend benötigte Protagonisten. Wir wechseln jetzt mal kurz das Genre zu ,Warten auf Godot'!" Es begann dann nach weiteren zehn Minuten — und dauerte schließlich zweieinhalb Stunden.

Am Ende war der Jubel gewaltig, denn mit "Klappe, die Zweite - Filmmusik ab!" brachten die Duisburger Philharmoniker in ihrem jüngsten Erlebniskonzert im Theater zum zweiten Mal nach gut einem Jahr (die RP berichtete) das klingende Hollywood an den Rhein. Diesmal stand im Mittelpunkt der inzwischen 81-jährige Alt- und Großmeister John Williams. Mit "Star Wars" hatte er die sinfonische Filmmusik wiederbelebt, die futuristische Handlung durch den romantischen Schein des Bekannten vermenschlicht. Zu hören war unter anderem auch das angenehm schlichte Violin-Thema aus "Schindler's Liste", mit dem Konzertmeister des Abends, Tonio Schibel. John Williams soll zu Regisseur Steven Spielberg gesagt haben, für "Schindlers Liste" brauche dieser einen viel besseren Komponisten als er selbst es sei, und dieser soll geantwortet haben: "Ich weiß - aber die sind alle tot." Umso bemerkenswerter, wie kitsch- und klischeefrei er die heikle Aufgabe löste. Diese Qualität erreichten nicht alle Partituren des Konzerts.

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Schön der zarte "Forrest Gump" von Alan Silvestri und das jazzrockige Haupt-Thema aus "Mission: Impossible" von Lalo Shifrin. Das Konzert hatte ein bewährtes Team. vor allem natürlich die inzwischen Filmmusik erfahrenen Duisburger Philharmoniker, die alle ihre Energien hineingaben. Angetrieben von der ebenso genau durchdachten wie temperamentvollen Leitung des Filmmusik-Fachmanns Rasmus Baumann, der auch mal im Takt hüpfte und zur Zugabe "Blues Brothers" auch diesmal wieder ein rasantes Solo an der Hammondorgel hinlegte.

Weitere Glanzlichter setzte wieder der junge Schauspieler Mark Weigel. Ob als Off-Erzähler aus "Batman", ob als Harry Potter im Lesesessel oder als sympathisch zurückgebliebener Forrest Gump, immer verwandelte er sich mit wenigen Mitteln komplett in die jeweilige Figur. Der Höhepunkt war, wie er als schleimiger Gollum (aus "Herr der Ringe") auf dem Boden zwischen Orchestermusikern nach vorne kroch.

(hod)
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