Duisburg: Zum Geburtstag gibt's eine Chronik

Duisburg : Zum Geburtstag gibt's eine Chronik

Der Verein für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Duisburg wird 50 Jahre alt. Das ist ein Grund zum Feiern, aber auch, um auf sich aufmerksam zu machen.

Die Geburtstagsfeier wird in bescheidenem Rahmen ausfallen, mit selbst gebackenen Kuchen, Würstchen vom Grill und kühlen Getränken. "Das können wir gut und das passt zu uns", sagt Anette Käbe, Geschäftsführerin des Vereins für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Duisburg. Der Verein wird in diesem Jahr 50 Jahre alt, ein Anlass, sich verstärkt ins Licht der Öffentlichkeit zu stellen und mit einer Chronik noch einmal zurückzublicken.

Die Chronik wird im Rahmen einer Geschichtswerkstatt mit Vereinsmitgliedern erstellt. Ganz so einfach ist das nicht, weil vieles aus der Anfangszeit mühsam zusammengetragen werden muss.

In den vergangenen 50 Jahren hat der VKM einiges auf die Beine gestellt. Dazu gehört der Bau des Tageshauses an der Neuenhofstraße in Wanheim. Das behindertengerecht ausgebaute Haus bietet Platz für eine Reihe von Aktivitäten, auch für Nicht-Mitglieder. Außerdem hat der Verein das Angebot des therapeutischen Reitens ausgeweitet. Neben Therapiepferd Luis sind inzwischen drei Shetland-Ponys hinzugekommen. Und auch ein neuer Standort: Nun wird nicht mehr allein auf dem Sonnenhof in Wittlaer geritten, sondern auch in Rumeln.

Das therapeutische Reiten ist das Zugpferd des Vereins, denn, "Menschen zu erreichen, ist für uns die größte Herausforderung", sagt Anette Käbe. 150 Familien hat der Verein als Mitglieder, doch gemeinsame Aktivitäten auf die Beine zu stellen, ist oft schwierig. Allerdings ein Ereignis im Jahr lässt sich kaum einer entgehen. Das ist das große Entenrennen im Innenhafen. Wenn die gelben Quietscheentchen zu Wasser gelassen werden, ist es immer ein großes Spektakel. Und so soll es auch im Jubiläumsjahr wieder werden. Auch die Nachbarschaft rund um das Tageshaus in Wanheim hat den Verein inzwischen entdeckt. Zum diesjährigen Kickerturnier kamen so viele Besucher wie noch nie. Zum Osterfeuer schauen ebenfalls immer mehr Nachbarn vorbei. Für die Mitglieder bietet der VKM beispielsweise darüber hinaus den Geschwistertreff an. Dort können sich die Mädchen und Jungen treffen und ungestört über die Familie sprechen.

Vieles, was sich der Verein zu Beginn seines Bestehens erkämpfen musste, ist inzwischen selbstverständlich, doch eben längst noch nicht alles. So versucht der Verein derzeit eine Stadtranderholung für Kinder mit Behinderung auf die Beine zu stellen. "Die Ferien sind sechs Wochen lang. So lange haben die Eltern aber keinen Urlaub", sagt Anette Käbe. Und bei der städtischen Stadtranderholung kommen die Kinder aufgrund ihrer Beeinträchtigung nicht unter, denn das würde Einzelbetreuung bedeuten. Also sucht Anette Käbe noch nach Sponsoren, denn ein solches Angebot ist teuer und längst nicht alle Eltern könnten dies aus eigener Tasche bezahlen. Leider sei die Lobby für ihren Verein nicht so groß, bedauert Käbe.

Anette Käbe wünscht sich zudem von den Mitgliedern einen offeneren Umgang mit ihrer Situation. Ihr größter Wunsch aber wird wohl eher nicht in Erfüllung gehen, nämlich "dass wir überflüssig werden."

(RP)
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