Duisburg: Zu wenig Barrierefreiheit in der Stadt

Duisburg: Zu wenig Barrierefreiheit in der Stadt

Die öffentliche Hand kann noch mehr tun, um die Lebensqualität in den Kommunen zu verbessern, sagen die Vertreter des Sozialverbandes VDK. Ein großes Problem bleibt der materielle Ausgleich für pflegende Angehörige.

Der VDK sei eine Art Kreuzung zwischen Robin Hood und Echolot, sagte gestern Robert Walter, Geschäftsführer des Kreisverbandes Niederrhein des Sozialverbandes. Wie der legendäre Held setze sich der VDK für die Schwachen und Bedürftigen ein, und wie ein Echolot horche er in die gesellschaftlichen Verhältnisse, in der die Menschen heute leben. "Zu uns kommen die meisten nicht, weil sie Vereinsgeselligkeit suchen, sondern weil sie sich in einer Notlage befinden", hieß es gestern bei der Jahrespressekonferenz des VDK-Kreisverbandes, der für Duisburg sowie die Kreise Kleve und Wesel zuständig ist.

Nach wie vor verzeichnet der VDK einen Mitgliederboom. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Mitgliederzahl nochmals um 5,25 Prozent auf derzeit 25.997. Vor acht Jahren waren es noch 15.600. Immer mehr Menschen suchten Hilfe und Beratung, wobei es vier Hauptthemen gebe: Erwerbsminderung, Schwerbehinderung, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten sowie Pflegeversicherung.

In Bezug zur Pflegeversicherung zeigten sich neben Robert Walter auch Horst Vöge, VDK-Landesvorsitzender, und Raimund Bohsmann, Stellvertretender Kreisvorsitzender, versöhnlich. In diesem Bereich habe es durch neue Gesetze und Regelungen deutliche Verbesserungen gegeben. Ein Problem bleibe indes der materielle Ausgleich für pflegende Angehörige. Zwar werde allgemein anerkannt, dass der Pflegenotstand in Deutschland ohne diese Angehörigen noch größer als jetzt sei, zugleich fehlten aber immer noch Entlastungsangebote und finanzieller Ausgleich. "Wer über längere Zeit Angehörige pflegt und deshalb seinen Beruf nicht mehr voll ausübt, kann kaum genug Rentenpunkte sammeln; es droht fast zwangsläufig Altersarmut", hieß es gestern.

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Ein Augenmerk legt der VDK auch auf die Langzeitarbeitslosen, deren Zahl trotz Wirtschaftswachstum viel zu groß sei. Unter den Langzeitarbeitslosen falle besonders die Gruppe der Schwerbehinderten auf. Viele von ihnen bekämen, so die Recherchen des VDK, trotz guter Qualifikation keine Arbeitsstelle. Betroffen seien rund 4000 Menschen aus dieser Gruppe, 2000 in Duisburg und 2000 in den Kreisen Kleve und Wesel zusammen. Der VDK setzt sich für mehr Perspektiven auch für langzeitarbeitslose Schwerbehinderte ein.

Ein Ärgernis bleibt für den VDK die mangelnde Barrierefreiheit in den Kommunen. Immerhin setzt der VDK auch positive Zeichen, in dem er öffentliche Gebäude auszeichnet, wenn diese durch ihre Barrierefreiheit positiv auffallen. Fast hätte das Duisburger Stadtfenster eine solche Auszeichnung bekommen, wenn die Behindertentoilette nicht, im Gegensatz zu den anderen Toiletten, abgeschlossen wäre und man den Schlüssel erst bei der Rezeption habe anfordern müssen, berichtete Raimund Bohsmann. Die Erklärung, man halte die Toilette wegen möglicher Junkies geschlossen, lässt Bohsmann nicht gelten. Möglich sei, auf den Behindertentoiletten das gleiche Kunstlicht einzuschalten, wie auch an anderen Orten üblich, um die Benutzung einer Heroin-Spritze zu verhindern (man kann bei einem solchen Licht die Venen und Arterien nicht erkennen).

Als vorbildlich bezeichnete Raimund Bohsmann den Begleitservice der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG). Fahrgäste, die schlecht sehen oder schlecht zu Fuß sind, werden kostenlos von einer vertrauenswürdigen Person der DVG begleitet. Schade sei nur, dass dieser Service zu wenig bekannt sei. Zu erreichen ist der Service von montags bis freitags von 7.30 bis 19 Uhr unter Tel. 0203/ 6044585 (einen Tag vor der Fahrt anrufen).

(pk)
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