Zoo Duisburg: Gorillas feiern Geburtstagsparty mit Gemüse

Zoo Duisburg : Gorillas feiern Geburtstagsparty mit Gemüse

Zur Feier des Tages hat Geburtskind Finley der Menschenaffen-Familie Muffins und eine Rohkost-Torte mitgebracht. Nach gut einer halben Stunde ist die Fete aber schon vorbei.

„Wenn der Dicke sich draufsetzt, kriegen die anderen aber nichts mehr davon ab“, befürchtet Finley, während er mit Hilfe seines Vaters Jan Woudboer aus Möhren, Sellerie, Gurken und Tomaten auf der Außenanlage des Gorilla-Geheges im Zoo Duisburg eine Art Rohkost-Torte auftürmt. „Deshalb haben wir ja Geschenke in den Pappkartons versteckt“, beruhigt Jan Woudboer seinen Sohn. „Sonst setzt der Dicke sich sofort auf den Kuchen und dann ist die Party schnell zu Ende.“

Der Dicke heißt Mapema und ist Chef im Ring bei der Duisburger Gorilla-Familie. Doch heute steht mal nicht der muskelbepackte 200 Kilo schwere Silberrücken im Mittelpunkt, sondern Momo (37) und Muenda (3). Das älteste Weibchen der Gruppe und der freche Nachwuchs von Mapemas Lieblingsgefährtin Safiri, sind beide an einem 3. Juni geboren, ebenso wie Finley, der gestern acht Jahre alt wurde. Eine willkommene Gelegenheit für den quirligen Blondschopf, seinen Gorilla-Freundinnen eine Party auszurichten.

Der Junge ist den Tieren, denen er hier ein frugales Mahl bereitet, bestens vertraut. „Als Fin eine Woche auf der Welt war, hab ich ihn stolz den Gorillas gezeigt, so wie sie mir ihren Nachwuchs immer präsentieren“, erzählt Jan Woudboer. Das habe sein Verhältnis zu den Menschenaffen sofort verbessert. „Meine Frau kennen die auch. Für die bin ich ein Mann mit eigener Familie, und für Mapema daher kein Konkurrent. Die Affen können mich anfassen und ich sie. Ohne Probleme.“ Zudem habe er als Vater auch eine Menge von den Affen gelernt, betont Woudboer: „Gorillamütter tragen ihre Babys gut neun Monate ständig mit sich rum. Es hinzulegen wie wir und dann wegzugehen, das macht ein Affe nicht. Also haben wir Fin lange im einem Tragetuch stets bei uns gehabt.“

Mit der Gelassenheit ist es aber nicht weit her, als die Tiere auf die Freianlage können – zu verlockend sind die geheimnisvollen Kartons und der Duft des frischen Gemüses. Der eine oder andere Partygast fällt von dem üblichen gemächlichen Schreitgang sofort in eine Art Gorilla-Galopp. Hauptsache: schneller sein als die anderen. Vor allem die Jüngsten haben die Nase vorn. Mit affenartiger Geschwindigkeit schnappt sich Muenda zwei Muffins und zieht sich in eine Astgabel zurück. „Die hat es faustdick hinter den Ohren“, amüsiert sich Jan Woudboer. „Die lässt sich auch vom Papa nix sagen oder wegschubsen.“ „Aber Mapema ist doch der Streitschlichter in der Familie“, wirft Fin ein.

Kaum ausgesprochen hockt sich der Silberrücken gebieterisch auf den Gemüsekuchen. Wer jetzt noch was abhaben will, muss ihn überlisten. Doch die meisten haben sich längst ihren Anteil oder ein Paket geschnappt und rupfen es auseinander.

„Happy Birthday“ will Fin nicht für Muenda und Momo singen, viel lieber beobachtet er mit wachsender Begeisterung, dass jeder Gorilla, der sich einen Muffin geschnappt hat, genüsslich dessen Inhalt aus den Papierförmchen knabbert, statt diese gleich mit zu verschlingen. „Guck mal, wie die die Muffins essen“, ruft er mehrmals seinem Vater zu. Der wiederum interpretiert das Affenverhalten amüsiert in seinem Sinne: „Da wird sich meine Frau aber freuen, dass ihr Essen so geschätzt wird.“

Nach gut einer halben Stunde sind die Pakete ausgepackt, die Muffins verschlungen und die Gemüse-Torte ist weitgehend in Mapemas Bauch verschwunden. Satt und zufrieden trollen sich alle in irgendeine Ecken und verdauen. „Bei Gorillas wird eben anders gefeiert“, meint Jan Woudboer und wirft einen Blick auf die Hinterlassenschaften wie Papierfetzen und verstreutes Stroh.

(U.S.)
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