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Zoo Duisburg: Tierrechtsorganisation Peta fordert Ende der Delfinhaltung

Offener Brief an die Ratsmitglieder : Peta fordert Ende der Delfinhaltung im Duisburger Zoo

In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Sören Link und die Ratsmitglieder hat sich die Tierrechtsorganisation Peta für ein Ende der Haltung von Delfinen, Menschenaffen und Elefanten im Duisburger Zoo ausgesprochen. Die Aktivisten fordern eine Ablehnung des Zoo-Masterplans.

Der Masterplan sieht, wie berichtet, Investitionen von rund 76 Millionen Euro in den nächsten 25 Jahren vor, soll den Zoo attraktiver machen und die Lebensbedingungen für die Tiere durch modernere und größere Anlagen verbessern. Die Tierrechtsorganisation Peta sieht das anders: „Wir bitten Sie, sich gegen den Masterplan Zoo Duisburg, der in der kommenden Ratssitzung erörtert werden soll, auszusprechen“, heißt es in dem Brief an die Ratsmitglieder.

Insbesondere Delfinarien und die Haltung von Menschenaffen seien heutzutage ein „Auslaufmodell“. Dies zeige sich in tendenziell sinkenden Besucherzahlen, Umsatzeinbußen und zunehmender Kritik in der Bevölkerung: Mehreren repräsentativen Umfragen zufolge befürworte die Mehrheit der Befragten ein Ende der Haltung von Menschenaffen und Delfinen. „Eine Zustimmung zum Masterplan würde daher die gesellschaftliche Entwicklung ignorieren“, heißt es in dem Brief weiter.

So hätten sich die Grünen gegen ein Ende der Delfin-Haltung in Zoos ausgesprochen. Sollte es 2021 zu einer Regierungsbeteiligung der Grünen und der Umsetzung dieses Versprechens kommen, wären Millionen Steuergelder verschwendet in Sanierungsmaßnahmen für eine Tierhaltung, die ohnehin nicht zukunftsfähig sei, so die Tierschützer. Besonders das Festhalten an der Haltung von Delfinen, Menschenaffen und auch der Elefanten in Duisburg würde deshalb im Sinne des Tier- und Artenschutzes eine Fehlentscheidung bedeuten.

 Peta kritisiert auch die Haltung von Menschenaffen.
Peta kritisiert auch die Haltung von Menschenaffen. Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)

Menschenaffen, Elefanten und Delfine würden daher in Gefangenschaft oftmals verhaltensauffällig. Ausschlaggebend sei hierbei die Gefangenschaftssituation an sich, und nicht die konkreten Haltungsbedingungen.

Der Zoo hatte schon in der Vergangenheit immer wieder auf sein Engagement für den Artenschutz, auf wissenschaftliche Begleitung und stetige Verbesserungen für die Lebensbedingungen der Tiere verwiesen. „Wir werden wieder einer der führenden Zoos in Deutschland in den Bereichen Besucherattraktivität, Artenschutz und Tierhaltung“, heißt es im Masterplan. Dort wird aber auch nicht die Kritik an der Delfinhaltung verschwiegen, die man bei der zukünftigen Entwicklung berücksichtigen müsse. Die Delfinanlage am Kaiserberg soll aber modernisiert werden. Geplant ist unter anderem die Sanierung der Filtertechnik, der Neuaufbau der Beckenbeschichtung sowie der Tribüne, die Reparatur des Schiebedaches und eine optische Neugestaltung.

Am Nachmittag nahm der Zoo dann auch zu den Vorwürfen von Peta Stellung. „Das Wohlergehen der Tiere im Duisburger Zoo steht für alle Mitarbeiter immer an oberster Stelle. Die Tierpfleger zu allererst, aber auch alle anderen Mitarbeiter tun alles dafür, eine tiergerechte Haltung sicherzustellen“, teilte der Zoo mit. Kein Tier werde „zu irgendeinem Zeitpunkt zu irgendeinem Verhalten gezwungen“. Der Zoo halte sich an allerhöchste Standards und übererfülle diese in vielen Fällen.

„Gerade und vor allem unsere Delfinhaltung steht hierbei häufig unter besonderem Interesse. Der Zoo Duisburg ist sich seiner besonderen Verantwortung bewusst und kommuniziert alle Zusammenhänge und Vorgänge seiner Delfinhaltung überaus transparent, sogar mit einer eigenen Internetseite. Die Delfine im Duisburger Zoo sind eine über Jahre gewachsene homogene Gruppe. Die Tiere stehen unter fortwährender tierärztlicher Beobachtung und auch weltweit führende Wissenschaftler haben die gute Gesundheit unserer Delfine und deren gutes Sozialverhalten bestätigt“, heißt es in der Stellungnahme.

Genau wie die Delfine stünden auch die Menschenaffen und Elefanten unter ständiger, fachkundiger tierärztlicher Beobachtung. Fazit des Zoos: „Unseren Tieren geht es gut und sie sind bestens versorgt.“

Zoos hätten sich auch und mit großem Engagement dem Artenschutz verschrieben. Ohne den unermüdlichen Einsatz vieler zoologischer Gärten, darunter auch der Zoo Duisburg, wäre die Artenvielfalt auf der Welt noch deutlich gefährdeter, als sie es ohnehin schon ist. Durch viel und gezielte Arbeit sei es gelungen, Tierarten durch Nachzucht zu erhalten und auch in vielen Fällen Tiere wieder in der Wildbahn anzusiedeln. Hierfür gebe es zahlreiche wissenschaftlich belegbare Erkenntnisse. Darüber hinaus würden durch wissenschaftliche Projekte in Zoos wichtige Erkenntnisse, die auch dem Artenschutz in der Wildbahn dienen, gesammelt.

„Nicht zuletzt trägt der Zoo Duisburg durch seine Ausrichtung als Bildungseinrichtung entscheidend dazu bei, vielen zehntausend Kindern aus Duisburg und der Region ein Gefühl dafür zu geben, welche Bedeutung die Artenvielfalt auf der Erde hat. Dies geschieht auch im Rahmen von Kooperationen mit lokalen Schulen über den Zooschulunterricht. Darüber hinaus werden über verschiedene Informationsangebote alle Besucher des Zoo Duisburg zum Thema Artenschutz sensibilisiert“, teilte der Zoo mit.

(mtm)