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Zirkus-Urgestein Bernhard Paul zu Gast beim Landhaustreff

Zirkus-Urgestein : Vorhang auf beim Landhaustreff mit Bernhard Paul

Bernhard Paul, Mitbegründer des Circus Roncalli, war zu Gast beim Landhaustreff im Hotel Milser.

Nein, das Interview mit Bernhard Paul musste nicht mit Untertiteln versehen werden, wie Moderator Manfred Breuckmann beim Landhaustreff im Huckinger Hotel Milser scherzhaft andeutete. Der Österreicher, dessen Namen untrennbar mit dem bis heute erfolgreichen „Circus Roncalli“ verbunden ist, war trotz seiner unverkennbar „weanerischen“ Sprachfärbung gut zu verstehen.

Das war auch wichtig, denn das Zirkus-Urgestein hatte am Montagabend jede Menge bei der mittlerweile 41. Ausgabe des Talks zu erzählen. Gute Tradition ist, dass der unterhaltsame Treff von einem feinen Dreigang-Menü begleitet wird. Zwischen der Madeira-Ochsenschwanzsuppe und dem Kalbsfilet an Morchelschaum hieß es dann „Manege frei“. Diese Zeit nutzte Bernhard Paul auf höchstamüsante Weise, um als „Storyteller“ (so lautet auch der Titel des aktuellen Roncalli- Programms) von seinen persönlichen Erfahrungen zu berichten. „Manni“ Breuckmann hatte als Moderator leichtes Spiel, Bernard Paul braucht man offensichtlich nicht besonders zu animieren.

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Der Ex-WDR-Mann fragte den Zirkus-Patron, wie man als Wiener in einer Stadt wie Köln klarkommt. Roncalli ist seit der Neugründung gegen Ende der 1970er-Jahre in der Kölner Südstadt beheimatet. Paul gab zu, dass der Umzug von Wien für ihn schon eine Art „Kultur-Schock“ war: „Architektonisch hat mich Köln nicht gerade umgehauen“.

Das hinderte ihn allerdings nicht daran, von dort aus - nach dem ersten Scheitern in Wien – einen erfolgreichen Neustart zu wagen. Die Schwierigkeiten, die nach der ersten Gründung im Jahr 1975 für den Zirkus existenzbedrohende Ausmaße annahmen, sind eng mit dem Namen André Heller verbunden. Breuckmann formulierte es wienerisch-drastisch: „Des war an Oasch.“ Pauls Bestätigung folgte prompt: „Oan großer sogar.“

1975 hatte Bernhard Paul gemeinsam mit Heller den „Circus Roncalli“ in Wien gegründet. Doch kurz darauf kam es zu Streitigkeiten, Heller verließ das gemeinsame Unternehmen und nahm gleich eine große Zahl der Artisten mit. Paul blieb auf einem Berg von Schulden sitzen und versuchte, den übriggebliebenen Restzirkus vor der Versteigerung zu retten („Ich hab die Zirkuswagen in Wien versteckt“).

Dass es 1978 zur Neugründung in Köln kam, hat Bernhard Paul zum großen Teil dem Schweizer Kabarettisten Emil Steinberger zu verdanken, der ihn nicht nur mit einem Darlehen unterstützte, sondern auch sonst tatkräftig zur Seite stand.

Den österreichischen Zirkusdirektor zog es immer wieder selbst in die Manege, unvergessen ist seine Rolle als „Clown Zippo“, mit der er nicht nur die kleinen Zirkusbesucher begeisterte. Bis heute steht „Roncalli“ für eine ganz besondere Art von Zirkus, im Mittelpunkt stehen poetische und akrobatische Nummern, Tiernummern sind mittlerweile ganz aus dem Programm gestrichen. Damit sei er aber nicht vor den Tierschützern eingeknickt, antwortete Paul auf Breuckmanns Nachfrage und stellte mit Nachdruck klar: „Im Zirkus werden keine Tiere gequält.“ Vielmehr seien die Bedingungen in den Großstädten und die Reisestrapazen für die Tiere unzumutbar, deswegen habe man auch bei der Programmzusammenstellung darauf Rücksicht genommen.

Mit seiner poesiebetonten Ausrichtung hat „Roncalli“ schnell Maßstäbe gesetzt. Dass man „mit Kamelen, die nur in der Manege im Kreis laufen“ keine Leute mehr ins Zelt bekommt, mussten irgendwann auch die anderen Mitbewerber feststellen. Bernhard Paul muss heute noch schmunzeln, wenn er an ein Plakat des Zirkus Sarasani denkt: „Die waren irgendwann mit dem Satz überklebt: Ab sofort mit Poesie.“

Zum Abschluss des wieder einmal rundum unterhaltsamen Landhaus-Treffs begeisterte Holger Ries mit seiner Interpretation weltbekannter Rock- und Soulsongs das Publikum. Das fiel beim Ray Charles - Titel „Geogia“ und Leonard Cohens Super-Ohrwurm „Hallelujah“ nun auch wirklich nicht schwer.