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Zehn Jahre Loveparade-Katastrophe Duisburg: Eine Stadt trauert

Loveparade-Gedenken in Duisburg : Eine Stadt trauert

Eine Katastrophe trifft die andere: Das Coronavirus hinterlässt auch bei der Loveparade-Gedenkfeier zum zehnten Jahrestag Spuren. Insgesamt waren nur 100 Gäste zugelassen – darunter Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Familienminister Joachim Stamp.

Die Bilder von der Rampe werden die, die damals dabei waren, sicherlich niemals vergessen. Es ist der 24. Juli 2010. Hunderttausende zumeist junge Technofans aus ganz Deutschland treffen sich in Duisburg. Es wird gefeiert und getanzt, Musik gehört, getrunken oder einfach nur gequatscht. Etliche Duisburger haben ihre Garagen zu privaten Diskotheken umfunktioniert. Duisburg ist eine Stadt im Freudentaumel. Bis zum Nachmittag dieses eigentlich so schönen Sommertages. 21 junge Menschen sterben an der Zugangsrampe zum Festivalgelände. Mehr als 600 werden verletzt. Die Stadt versinkt im Chaos und mit ihr das Leben von mindestens 21 Familien.

Am Freitagabend, auf den Tag genau zehn Jahre später, fand nun die Gedenkfeier zum zehnten Jahrestag der Katastrophe statt. Zugelassen waren nur 100 Gäste. Zuvor hatte es zwischen 16.45 und 17 Uhr ein stilles Gedenken für die Hinterbliebenen an der Gedenkstätte gegeben. Wegen der coronabedingten Einreiseschwierigkeiten konnten nicht alle Angehörigen zum Jahrestag kommen. Deshalb hatte es bereits am Donnerstagabend einen Livestream der Trauerfeier in der Salvatorkirche gegeben, zu dem nur die Angehörigen Zugang hatten.

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Für die musikalische Untermalung des offiziellen Teils sorgte Duisburgs Musiksternchen Marie Wegener, bekannt aus der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Sie präsentierte vier gefühlvolle Songs. Das Unglück sei die „größte Katastrophe in der Nachkriegsgeschichte der Stadt Duisburg“, sagte Oberbürgermeister Sören Link in seiner Rede am Mahnmal vor dem Karl-Lehr-Tunnel.

„Die Loveparade-Katastrophe hat das Leben vieler Menschen für immer verändert.“ Auch mit einem Abstand von zehn Jahren bleibe das Geschehene unbegreiflich.

Was den Ausgang des Loveparadeprozesses angeht, äußerte sich der Oberbürgermeister verständnisvoll. Enttäuschung sei nachvollziehbar. „Ich kann nachempfinden, dass es sich jetzt für manchen so anfühlen mag, als gäbe es nun kein Entrinnen aus dem erlittenen Trauma“, sagte Link.

 Am Donnertagabend hatte es wieder die „Nacht der 1000 Lichter“ gegeben. Sie soll an die Opfer erinnern.
Am Donnertagabend hatte es wieder die „Nacht der 1000 Lichter“ gegeben. Sie soll an die Opfer erinnern. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Auch der Vorsitzende der Stiftung Duisburg 24.7.2010, Pfarrer Jürgen Thiesbonenkamp, verwies in seinem Beitrag darauf, dass viele Angehörige wegen der Einstellung des Prozesses Zweifel am deutschen Rechtssystem bekommen hätten. Auf der anderen Seite habe das Verfahren vieles ans Licht gebracht, „was helfen wird, bei Großveranstaltungen anders zu planen und sie sicherer zu machen.“

Bereits am Donnerstag hatte NRW-Ministerpäsident Armin Laschet (CDU) seine Betroffenheit zum Ausdruck gebracht. „Die schrecklichen Ereignisse bei der Loveparade vor zehn Jahren haben das ganze Land erschüttert und in Trauer versetzt“, erklärte er laut einer Mitteilung zum Jahrestag. „Ein Tag, an dem junge Menschen fröhlich gemeinsam feiern wollten, endete in einer furchtbaren Katastrophe, in einem Albtraum, aus dem viele Menschen nicht befreit werden konnten – manche bis heute nicht.“ Am Jahrestag sei man in Gedanken und Gebeten bei den Opfern und fühle mit den Angehörigen, die in Duisburg geliebte Menschen verloren hätten.