Duisburg: Zehn gefällte Bäume kehren als Kunst zurück

Duisburg : Zehn gefällte Bäume kehren als Kunst zurück

90 Bäume wurden wegen der Umgestaltung des Kantparks gefällt.

Mit einem "weinenden Auge" hat die Geschäftsführerein der cubus-Kunsthalle, Dr. Claudia Schaefer, in den vergangenen Tagen die Fällung von 90 Bäumen im Kantpark miterlebt. Die Rodungsaktion gehört zur Neugestaltung des Innenstadtparks, der lichter und strukturierter werden soll (die RP berichtete). Die entasteten Bäume, meist Linde, Ahorn, Platane und Kastanie, wurden zum Uhlenhorst transportiert, wo das Duisburger Amt für Umwelt und Grün eine Lagerstätte besitzt. Dort werden sie gestapelt und vermutlich nach und nach als Brennholz verkauft. - Diese Geschichte fand Claudia Schaefer zu traurig. Zusammen mit dem Duisburger Künstler Roger Löcherbach entwickelte sie die Idee, einen Teil der gefällten Bäume in Kunstwerke zu verwandeln. Bei Volker Heimann, dem Leiter des Amtes für Umwelt und Grün, fand sie mit diesem Vorschlag offene Ohren. Auch im Lehmbruck-Museum, das wie die cubus-Kunsthalle ein Anlieger des Kant-Parks ist, stieß die Idee auf viel Zustimmung. Roger Löcherbach fragte bei Künstlerkollegen, die auch ansonsten mit Naturmaterialien arbeiten, an, ob sie sich an der ungewöhnlichen Kunstaktion beteiligen möchten. Als erster sagte Chinmayo zu, der wiederum andere Kollegen ansprach. So kam eine Gruppe von zehn Künstlern zustande, die daran mitwirken, dass zehn der rund 90 gefällten Bäume als Kunstwerke in den Kant-Park zurückkehren. Die Künstler trafen sich zunächst am Uhlenhorst, wo sich jeder seinen Baum auswählen konnte. Streit um Bäume habe es nicht gegeben, berichtete gestern Roger Löcherbach, der mit der Kettensäge eine Platane bearbeitete. Aus dem Stamm soll bis Samstag eine "romantische Parkszene" werden: eine sitzende Figur, über deren Kopf der Vollmond scheint. "Wahrscheinlich werde ich die Kugel, die den Mond symbolisiert, am Schluss goldfarben anstreichen", verriet Löcherbach.

Andere Künstler wählen eher abstrakte Motive. Wo die zu Kunstwerken umgewandelten Baumstämme dauerhaft stehen werden, muss noch festgelegt werden. Das ein oder andere Werk wird vermutlich im Innenhof der cubus-Kunsthalle aufgestellt, vielleicht findet sich auch im Innenhof des Lehmbruck-Museums ein Platz. Fest steht, dass die ganze Kunstaktion von einer Ausstellung begleitet werden soll, die vom 21. Juli bis zum 3. September von der cubus-Kunsthalle veranstaltet wird. Der Künstler Alexander Voß hat sich bereit erklärt, die Baumausstellung mit einem Katalog zu dokumentieren. Die Bürgerstiftung Duisburg unterstützt die Kunstaktion mit 500 Euro.

Foto: Peter Klucken

Die Künstler arbeiten bislang auf eigenes Risiko. Sie können nur hoffen, dass jemand ihre Werke ankauft oder eine finanzielle Kunstpatenschaft übernimmt. Interessenten oder Sponsoren können sich an Dr. Claudia Schaefer wenden (schaefer@cubus-kunsthalle.de). Ein Abschluss der wöchentlichen Kunstaktion soll ein von der Bürgerstiftung geförderter Tucholsky-Abend sein, der am Samstag, 18. März, 18 Uhr, in der cubus-Kunsthalle stattfindet. Dabei wird Dr. Ian King, Vorsitzender der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft, einen Vortrag halten mit dem Thema "Kurt Tucholsky und andere Geflüchtete damals und heute". Unter der Leitung von Katrin Bock wird der Vokalpraktische Kurs der Erich-Fried-Gesamtschule, Herne, Chansons und Gedichte vortragen.

Angela Hiß (Bild oben) bearbeitet einen liegenden Stamm, Roger Löcherbach (rechts) einen stehenden. Links: Das Stamm-Lager. Foto: crei/ pk

Der Eintritt ist frei, Spenden werden gerne gesehen.

(pk)