Duisburg: Zahl unbegleiteter Flüchtlinge sinkt

Duisburg : Zahl unbegleiteter Flüchtlinge sinkt

Das Jugendamt muss deutlich weniger Jugendliche betreuen. Aktuell sind es 307 Minderjährige. Viele, die ab 2015 kamen, sind mittlerweile erwachsen.

Ein krasses Missverhältnis zwischen Fallzahlen und Mitarbeitern in der Jugendhilfe, das eine wissenschaftliche Studie von Hochschule Koblenz und Deutscher Kinderhilfe auch in Ruhrgebietsstädten festgestellt hatte, besteht in Duisburg nicht. "Trotz kontinuierlich steigender Kosten für die Hilfen zur Erziehung wurde der Mehrbedarf jedoch bei der personellen Ausstattung berücksichtigt", teilt das Jugendamt auf Anfrage mit. Mit 37 Hilfeplanfällen pro Mitarbeiter liege man nah am empfohlenen Verhältnis von 1:35. Zu einer Entspannung der Lage trage auch die sinkende Zahl von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bei - ab Herbst 2015 kamen besonders viele Jugendliche allein nach Duisburg. Zumeist sind es Jungen sind es wie Ehsan, Muhammed oder Souleymane, oft allein auf eine lange Reise mit einem ungewissen Ausgang geschickt von ihren Familien aus den Kriegs- und Krisengebieten in Syrien, Irak und Afghanistan, aus Eritrea und dem westafrikanischen Guinea. Andere machten sich mit Angehörigen auf den Weg, wurden aber unterwegs von ihnen getrennt und schafften es allein bis nach Deutschland. Nicht selten mit einem Rucksack voller traumatischer Erlebnisse.

"Sie mussten in Obhut genommen werden. Ihren Schutz sicherzustellen, das ist die Aufgabe der Jugendhilfe", sagt Hinrich Köpcke. Der kommissarische Leiter des Jugendamtes erinnert an den Zustrom, der seine Behörde vor eine große Herausforderung stellte: "An einigen Tagen kamen bis zu 30 unbegleitete Jugendliche bei uns an." Bis zu 375 Jungen und Mädchen musste Duisburg unterbringen - sie wurden nach dem sogenannten "Königssteiner Schlüssel" auf die Städte verteilt.

Die Betreuung organisierte die Verwaltung über die Einrichtung einer eigenen Fachgruppe im Walsumer Bezirksrathaus, in der Arbeitsgemeinschaft mit den freien Trägern der Jugendhilfe wurden Wohngruppen und andere Angebote zur Unterbringung organisiert. "Das hat hier toll funktioniert", lobt Hinrich Köpcke. Im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) entstanden 21 neue Stellen. Die Mitarbeiter helfen, das Leben der Jugendlichen zu organisieren: helfen bei Registrierung und Asylantrag, vermitteln den Schulbesuch und fungieren für die große Mehrheit der Minderjährigen auch als Vormund.

Für die sinkenden Zahlen gibt es zwei wesentliche Gründe: Zum einen die Schließung der Balkanroute. Schon von April bis Dezember 2016 gab es nur noch 126 Neuaufnahmen, in 2017 sank die Zahl auf 88, seit Jahresbeginn kamen bisher 35 unbegleitete Jugendliche nach Duisburg. Von jenen, die 2015/16 im Alter zwischen 16 und 18 kamen, sind viele mittlerweile erwachsen - der zweite Grund für den sinkenden Aufwand der Jugendhilfe. "Sie sind damit unserer Zuständigkeit entwachsen", erklärt Sandra Altenhoff, die Leiterin der Außenstelle. Aktuell betreut die Außenstelle des Jugendamtes noch 301 Minderjährige.

Das Jobcenter und andere Dienste unterstützen den weiteren Weg in Ausbildung, in ein eigenständiges Leben. "Die große Mehrheit möchte in Deutschland bleiben", so Altenhoff. "Die Zusammenführung mit Eltern oder Verwandten gelingt nur selten - das sind weniger als zehn Prozent der Fälle."

(RP)