Wohnungsaufsichtsgesetz in Duisburg: Hart an der Grenze zum Elend

Wohnungsaufsichtsgesetz wird vorbereitet : Schock-Zustände in Duisburg - Hart an der Grenze zum Elend

Das Land bereitet derzeit ein neues Wohnungsaufsichtsgesetz vor. Tritt es in Kraft, dürften in Duisburg eine ganze Reihe von Hauseigentümern ihre Wohnungen nicht mehr vermieten.

Es ist nicht nur die bundesweit als Problemhaus bekannt gewordene Immobilie in Bergheim, bei der ein eklatantes Missverhältnis zwischen Wohnwert und überzogenen Mietforderungen zu existieren scheint und das mit Hilfe des Wohnungsaufsichtsgesetzes korrigiert werden könnte. Es gibt in Duisburg ganze Straßenzüge, wo es ähnlich oder gar noch schlimmer zugeht.

Wer beispielsweise Meiderich-Berg von früher kennt, wo zwar nie reiche Leute den Ton angaben, aber trotz zahlreicher armer Menschen immer noch eine Form von Ordnung herrschte, der ist schockiert. Hauseingänge, hinter denen sich der Abfall stapelt, Haustüren, die eingetreten sind, verhangene Fenster und ungeputzte Scheiben, Treppenhäuser, deren Betreten lebensgefährlich zu sein scheint — und dazwischen immer wieder Kinder, die ähnlich elend aussehen wie die Umgebung.

Aber immerhin bleibt es ihnen erspart, im Müll zu spielen. Denn den gibt es dort auf der Straße so gut wie nicht. Stattdessen kurven etliche Müllwagen der Wirtschaftsbetriebe durch das Viertel, deren Besatzungen aufräumen. Wie viele Immobilien bei einem Wohnungsaufsichtsgesetz so wie geplant künftig nicht mehr vermietet werden dürften? Entlang einiger Straßen mindestens jedes dritte.

Tristesse pur: Wer hier lebt, steht sicher nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Derartige Straßen gibt es in mehreren Duisburger Stadtvierteln. Foto: Christoph Reichwein (REI)

In Teilen von Hochfeld liegt die Quote sicherlich höher. Zwischen Marientor und Pauluskirche ist in den Vierteln westlich der Wanheimer Straße das Elend selbst bei bestem Willen nicht zu übersehen. Die einzelnen Häuser, in die Eigentümer deutlich erkennbar viel Geld investiert haben, wirken wie Fremdkörper. Die anderen, die heruntergekommenen und schlecht oder gar nicht renovierten Altbauten, könnten ohne Problem für die klischeehaften Schimanski-Filme herhalten. Aber vermutlich würden die Filmleute hier nicht drehen wollen, weil ihnen so viele geparkte Autos mit ausländischen Kennzeichen vor die Linse kämen, dass jeder Zuschauer denken würde, der Film sei in Südosteuropa gedreht worden.

Ein alltägliches Bild von der Charlottenstraße: Müllberge und auf dem Balkon aufgehängte Wäsche bestimmen die Szene. Foto: Christoph Reichwein (REI)

Ziel des Wohnungsaufsichtsgesetzes wird es sein, so die Duisburger SPD-Landtagsabgeordnete Sarah Philipp, Wohnraum zu erhalten und einen Schutz der Nachbarschaft zu gewährleisten. Bei dem Gesetz handele es sich explizit um eines gegen Vermieter, und zwar gegen die, "die — wie in einigen Stadtteilen Duisburgs — zwar viel Geld einnehmen, aber nichts investieren wollen". Sie werden ihr "fragwürdiges Geschäftsmodell künftig korrigieren müssen", ist Philipp sicher.

Wer wohnt hier? Die Aufschriften auf den Briefkästen dürften wohl nicht viel mehr als ein Anhaltspunkt sein. Foto: Christoph Reichwein

Im Fall von Hochfeld dürften diejenigen, die künftig die Einhaltung der Regeln kontrollieren müssen, eine Menge Arbeit bekommen. Wenn sie am Marientor von der Autobahn abbiegen, müssen sie nicht einmal weit fahren, um aktiv zu werden.

Dort, an der Charlottenstraße, steht unübersehbar das Gegenstück zum Bergheimer Problemhaus. Beide Gebäude gehören angeblich ein und demselben Vermieter.

(RP)
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