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Duisburg: "Wischmob" für die Kunst

Duisburg : "Wischmob" für die Kunst

Unterstützer des Lehmbruck Museums hatten für das Wochenende zu einer ungewöhnlichen Aktion aufgerufen. Sie wollten mit Gleichgesinnten die Skulpturen im Kantpark reinigen.

Eine dichte Regenwand zieht Samstagmittag über den Kantpark. Elke Lohmann ist sichtlich verwirrt. "Sind das Knacki's?" fragt die 64-Jährige, die sich ursprünglich auf den Weg in die Stadt gemacht hat, um sich eine neue Bluse zu kaufen.

Der Grund für ihre Irritation: Unzählige emsige Helfer in neongelben Warnwesten wuseln über die Grünfläche im Kantpark. Über all dem liegt das eintönige Summen von Hochdruckreinigern, das Schaben von mit Nachdruck geschwungenen Besen und das dezente Kratzen von Schabern, mit denen die unbekannten Helfer sich den Skulpturen im Kantpark widmen.

Bei näherer Betrachtung wird jedoch schnell klar, "Knacki's" sehen anders aus. Die Arbeitsgruppe ist vergleichsweise homogen. Sowohl junge, als auch etwas ältere Menschen, Männer und Frauen, haben sich an diesem Samstag in schwere Regenmäntel gekleidet, um der Verschmutzung der Kunst im Kantpark entgegenzutreten. Verantwortlich dafür, dass den ehrenamtlichen Helfern jetzt dicke Regentropfen von der Brille kullern, ist eine Facebook Initiative, die zu einem "Wischmob" vor das Lehmbruck Museum aufgerufen hatte.

Absprache mit dem Museum

Die in Anlehnung an die in der Internetgemeinde beliebten "Flashmobs", durchgeführte Aktion, hat es zum Ziel, möglichst viele Duisburger dafür zu begeistern, die verschmutzen Kunstobjekte im Park rund um das Lehmbruck Museum zu reinigen.

Eine der Organisatorinnen dieser Aktion ist Miriam Kasten. Die junge Frau und einige andere sind zu der Ansicht gelangt, dass man etwas für das Museum tun müsse. Auslöser war die kurzzeitige Schließung des Hauses im März wegen unsicherer Geländer und maroder Deckenverkleidung. "Daraufhin haben wir uns mit Vertretern des Museums zusammengesetzt und überlegt, was wir tun können", erklärt Kasten. " Die Figuren im Park haben ja auch wirklich Pflege nötig."

Florian Blaschke, der Pressesprecher des Lehmbruck Museums, ist den Helfern sehr dankbar. Er weiß aber auch, dass sich eine solche Aktion nicht regelmäßig wiederholen lässt. "Prävention ist hier das Stichwort", meint Blaschke. "Wir haben überlegt, in Zukunft Patenschaften für die Skulpturen anzubieten, so dass regelmäßig jemand nach ihnen sieht. Eine zweite Möglichkeit wäre es, den gesamten Kantpark einzuzäunen. Der Zaun müsste dann aber natürlich auch von einem Künstler gestaltet werden."

Als Elke Lohmann erfährt, was da im Park eigentlich passiert, ist sie zufrieden. Sie lässt von ihrem ursprünglichen Vorhaben ab. "Die Bluse rennt mir nicht weg", meint sie. "Hier gibt es wichtige Arbeit zu tun."

(RP)