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Duisburg: "Wir sitzen in einem Boot"

Duisburg : "Wir sitzen in einem Boot"

Stadtdechant Bernhard Lücking über die Proteste von Katholiken im Duisburger Norden, den Kommunikationsprozess mit dem Bistum und den interreligiösen Dialog und Ökumene in der Stadt.

Bernhard Lücking (64) ist seit dem 1. Januar 2007 Duisburger Stadtdechant. Zugleich ist er Pfarrer der Innnenstadt-Pfarrei Liebfrauen. Mit Pfarrer Lücking sprach RP-Redakteur Peter Klucken.

Im Duisburger Norden protestieren Katholiken gegen die Pläne von Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck, die vorsehen, vier Kirchen zu schließen. Wie beurteilen Sie diese Protestbewegung?

Lücking Ich verstehen jeden Protest, wenn Gemeindemitglieder gegen die Schließung ihrer Kirche sind. Das ist ein Zeichen, dass sie sich mit ihrer Kirche identifizieren und dort ihre Heimat gefunden haben. Das ist in meinen Augen sehr wichtig. Andererseits werden wir alle Kirchen nicht mehr halten können. Das hat mehrere Gründe: So ist die Katholikenzahl in den vergangenen Jahren gesunken, nicht nur wegen Kirchenaustritten, sondern auch aus demografischen Gründen.

Auch ist die Unterhaltung der Kirchen eine große finanzielle Belastung, sowohl bei der Unterhaltung als auch bei der Instandsetzung. Darüber hinaus gibt es immer weniger pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es besteht nicht nur ein Priestermangel, es gibt auch immer weniger Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten. Nicht zuletzt sinkt die Zahl der Kirchenbesucher.

Manche engagierte Christen sagen, dass Kirchenschließungen dazu führen, dass sich noch mehr Gläubige von der Kirche abwenden...

Lücking Das ist in der Tat ein Teufelskreis. Menschen verlieren ihre kirchliche Heimat und wenden sich von ihr ab. Die Kirchen werden leerer, und weitere Schließungen wahrscheinlicher.

Schon jetzt hat das Bistum Essen viele Kirchen zu "weiteren Kirchen" erklärt, für die keine Kirchensteuergelder mehr bereitgestellt werden. Sehen Sie außer den Kirchen im Duisburger Norden, um die zurzeit gerungen wird, noch andere Kirchen im Duisburger Stadtgebiet gefährdet?

Lücking Ich kann nicht ausschließen, dass in Duisburg weitere Kirchen geschlossen werden. Aber im Augenblick gibt es keine konkreten Pläne dazu.

Im Duisburger Norden scheint die Kommunikation zwischen Bistum und den Pfarreien nicht gut funktioniert zu haben. Die Gläubigen fühlen sich offenbar von den "verbindlichen Vorschlägen" ihres Bischofs überrollt. Wie sollte man mit den schwierigen Entscheidungen, die getroffen werden müssen, umgehen?

Lücking Prinzipiell finde ich die Lösung, dass in Hamborn nur eine Pfarrei bestehen soll, richtig. Ich glaube, dass diese Entscheidung von vielen auch verstanden wird. Entscheidend ist aber, dass den Pfarrmitgliedern genau erklärt wird, warum welche Kirchen geschlossen werden und andere bestehen bleiben. Es muss möglichst schnell ein Konzept erarbeitet werden, wie der Teil Hamborn, der dann keine Kirche mehr hat, auch weiterhin pastoral angemessen versorgt werden kann.

Im Duisburger Norden leben in einigen Bezirken mehr Muslime als Christen. Zugleich wird immer wieder das "Wunder von Marxloh" zitiert, weil dort eine Moschee ohne Proteste von Seiten der Christen errichtet worden ist. Wie sehen Sie den christlich-muslimischen Dialog in Duisburg?

Lücking Es ist mir ein großes Anliegen, dass gerade im Duisburger Norden das gute nachbarschaftliche Verhältnis zwischen Christen und Muslimen weitergeführt wird. Es ist mir wichtig, dass der vorbildliche christlich-muslimische Dialog nicht einfach abbricht. Deshalb sollte die katholische Kirche auch dort räumlich weiterhin präsent sein.

Angesichts der aktuellen Katholiken-Proteste geraten Fragen nach der Ökumene und dem christlich-jüdischen Dialog leicht aus dem Blickfeld. Wie beurteilen Sie das Verhältnis der beiden Kirchen in Duisburg untereinander?

Lücking Als ich auf der jüngsten Kreissynode der evangelischen Kirche in Duisburg in meinem Grußwort auf die augenblicklichen Sorgen und Nöte hinweis, habe ich dort viel Verständnis und Solidarität erfahren. Das macht deutlich, dass wir hier in Duisburg als Kirchen geschwisterlich zusammenstehen und als Christen in einem Boot sitzen. Für diese Verbundenheit und Unterstützung auch im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft christlichen Kirchen (ACK) bin ich sehr dankbar und fühle mich mitgetragen.

Wie steht es in Duisburg um den christlich-jüdischen Dialog?

Lücking Auch die jüdische Gemeinde hat ja im Augenblick Sorgen um den Weiterbestand ihrer Synagoge am Innenhafen und kann deshalb auch unsere Probleme verstehen. Auch hier bleiben wir im Gespräch. Es wäre schade, wenn die räumliche Nähe zwischen Jüdischem Gemeindezentrum und katholischem Stadthaus verloren ginge. Ich denke aber, dass das freundschaftliche Verhältnis in keinem Fall beeinträchtigt wird.

(RP)