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Interview: Ulrich Käser: "Wir sind auf dem richtigen Weg"

Interview: Ulrich Käser : "Wir sind auf dem richtigen Weg"

Der Chef der Duisburger Arbeitsagentur über aktuelle Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Positives gibt es bei der Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) zu vermelden: Erstmals in diesem Jahr ist die Zahl unter die 3000er Marke gesunken.

Herr Käser, wie ist es um den Duisburger Arbeitsmarkt bestellt?

Ulrich Käser Derzeit sieht es ganz gut aus. Die saisonübliche gute Kräftenachfrage und der Beginn vieler Berufsausbildungen haben im September wieder für einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosenzahlen gesorgt: Die Zahl der Arbeitslosen ist um 737 auf 31 447 gesunken. Das ist ein Minus von 0,3 Prozentpunkten, die Quote liegt jetzt bei 12,8 Prozent.

Das ist eine gute Entwicklung. Auch im Vergleich zum Vorjahr?

Käser Da hatten wir etwas weniger Arbeitslose als jetzt. Im September 2013 waren 31 114 Menschen arbeitslos gemeldet, also 333 weniger als jetzt. Damals lag die Quote bei 12,7 Prozent, also 0,1 Prozentpunkte unter dem aktuellen Wert. Der Unterschied ist also nicht sehr groß.

Sie sehen die Entwicklung also generell positiv?

Käser Ja. Sehr erfreulich ist vor allem der deutliche Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit. Die im September beginnenden Berufsausbildungen haben die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen unter 25 Jahren erstmalig in diesem Jahr unter die 3000er-Marke sinken lassen: Mit 2934 Personen waren im September 272 oder 8,5 Prozent weniger junge Leute von Jugendarbeitslosigkeit betroffen als noch im August 2014 (3206). Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegen die aktuellen Zahlen um 147 oder 4,8 Prozent unter dem September 2013 (3081). Mit den im Oktober beginnenden Studiengängen wird sich diese erfreuliche Entwicklung weiter fortsetzen. Dies zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mit unserer aktiven Arbeitsmarktpolitik haben wir hier sicherlich auch einen Beitrag geleistet. Die Jugendarbeitslosigkeit ist schließlich eines unserer beiden Schwerpunktthemen.

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Was ist das andere?

Käser Die Langzeitarbeitslosigkeit. Und auch die ist im September weiter gesunken: Wir haben 79 Langzeitarbeitslose weniger als im August, derzeit sind es 14 382 Personen. Aber: Der aktuelle Wert liegt immer noch 3,8 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Vor einem Jahr gab es "nur" 13 959 Langzeitarbeitslose.

Und wie sieht es bei den älteren Arbeitslosen aus?

Käser Bei den über 50 Jahre alten Arbeitslosen sank die Arbeitslosigkeit im September gegenüber dem August um 190 Personen oder 2,1 Prozent auf jetzt 8656. Allerdings waren im September 2013 in dieser Altersgruppe noch 328 Personen (3,9 Prozent) weniger arbeitslos gemeldet. Die Zahl der arbeitslosen Personen über 55 Jahre sank im September ebenfalls im Vergleich zum Vormonat: von 5046 auf nunmehr 4911 (- 2,7 Prozent). Aber auch hier sah es 2013 noch besser aus: Hier waren im September 4601 Personen arbeitslos gemeldet, also 310 Personen (6,7 Prozent) weniger als jetzt. Insgesamt kann man sagen: Die aktuelle Entwicklung bei den älteren Arbeitslosen ist erfreulich. Dennoch ist dies ein großer Bereich, in dem wir weiter aktiv sein müssen, um besser zu werden.

Wie sieht es aus, wenn man die Entwicklung getrennt nach den beiden Rechtskreisen betrachtet - also Menschen, die Arbeitslosengeld I beziehen, und Menschen, die von Hartz IV leben?

Käser In beiden Bereichen verzeichnen wir Rückgänge der Arbeitslosigkeit. Im September haben 5782 Duisburger Arbeitslosengeld I bezogen. Das sind 292 oder 4,8 Prozent weniger als noch im August (6074). Vor einen Jahr, im September 2013, haben noch 6116 Menschen Arbeitslosengeld I bezogen, also 334 beziehungsweise 5,5 Prozent mehr als jetzt. In der Grundsicherung (Hartz IV) hat sich die Arbeitslosenquote im September gegenüber dem Vormonat ebenfalls verringert. 25 665 Menschen waren im September in der Grundsicherung arbeitslos gemeldet, 445 oder 1,7 Prozent weniger als im August. Eine positive Entwicklung also im Monatsvergleich, nur hier leider nicht im Jahresvergleich: Denn im September 2014 bezogen immer noch 667 oder 2,7 Prozent mehr Menschen Hartz V als im Vorjahresmonat.

Es wird derzeit immer wieder gewarnt, dass sich die diversen Konfliktherde auf der Welt auf die Wirtschaft und damit auch den Arbeitsmarkt auswirken könnten. Sind da schon Auswirkungen erkennbar?

Käser Noch erkennen wir nur wenige Auswirkungen der zahlreichen Konfliktherde auf die Kräftenachfrage. Die gesamtwirtschaftliche Großwetterlage ist eher im Abwärtstrend, ja, das hat sich aber auf dem Duisburger Markt noch nicht bemerkbar gemacht. Die aktuellen Schwankungen bewegen sich im üblichen Rahmen. In die gleiche Richtung weist auch die Betrachtung der Arbeitsaufnahmen. Die Abgänge in eine Erwerbstätigkeit liegen aktuell sowohl über dem Vormonat wie auch über dem Vorjahresmonat. Die kommenden Monate werden hier mehr Klarheit bringen.

SANDRA KAISER FÜHRTE DAS GESPRÄCH MIT ULRICH KÄSER.

(RP)