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Duisburg: Wie man wertvolles Archivgut richtig schützt und rekonstruiert

Duisburg : Wie man wertvolles Archivgut richtig schützt und rekonstruiert

Vor gut sechs Jahren stürzte das Historische Archiv der Stadt Köln ein, verursacht möglicherweise durch den U-Bahn-Bau. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben, auch umliegende Gebäude wurden beschädigt.

Der Schock sitzt bis heute tief, vor allem in der Archivwelt, denn in einem Archiv lagern nur Unikate, also unwiederbringliche Kulturgüter, und das Kölner Stadtarchiv gilt als das größte kommunale Archiv nördlich der Alpen. Es enthält zum Beispiel die Nachlässe von Jacques Offenbach und von Heinrich Böll. Im Landesarchiv NRW am Duisburger Innenhafen läuft noch bis zum kommenden Freitag, 21. August, die Ausstellung "Papier ist nicht geduldig" über Schäden an Archivgut und ihre Ursachen, konservatorische Anforderungen und das Notfallmanagement in Archiven. Es geht dabei nicht nur um Papier, sondern auch um Pergament, Siegel und Fotos. Dazu passten jetzt perfekt die Vorträge der beiden Restauratoren, die den Wiederaufbau des Kölner Stadtarchivs leiten.

Nadine Thiel, Sachgebietsleiterin Bestandserhaltung am Historischen Archiv der Stadt Köln, referierte über "Masse und Klasse! Die Bearbeitung des vom Einsturz betroffenen Archivgutes des Historischen Archivs der Stadt Köln". Die Katastrophe hatte insofern ihr Gutes, als aus der erstmaligen Aufgabe, ein komplettes Archiv zu rekonstruieren, auch viele Erkenntnisse erwuchsen.

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Nach zweieinhalb Jahren war alles aus dem Schutt geborgen und konnte auf Asylarchive verteilt werden. Neue Methoden mussten entwickelt werden, zum Beispiel um den Betonstaub zu entfernen, der Buchseiten das Wasser entzieht und das Papier alkalisch, also seifig macht. Nasse Bergungseinheiten wurden unter Vakuum gefriergetrocknet, wie man es aus der Lebensmittelindustrie kennt, etwa von Tütensuppen.

Die gute Nachricht: Nur vier Prozent des Archivgutes können nie wieder benutzt werden, 46 Prozent nach einer Digitalisierung und die Hälfte ist so wenig geschädigt, dass sie normal benutzt werden kann. Für die auf eine Milliarde Euro geschätzten Kosten geht die Stadt Köln derzeit in Vorleistung, für das Archivgut löste sie eine Kunstversicherung über 60 Millionen Euro auf. Die Stadt hofft, das Geld vom Verursacher zurück zu bekommen, der Prozess wird vorbereitet.

Allgemeines ergänzte dazu Matthias Frankenstein, Leiter Restaurierung am Landesarchiv NRW, über "Die konservatorische Langzeitsicherung von Archivbeständen". Er verblüffte die Zuhörer unter anderem damit, dass Restauratoren altes Papier manchmal kontrolliert wässern....

(hod)