Duisburg: "Wie gut die schauspielern können!"

Duisburg: "Wie gut die schauspielern können!"

Bei der Premiere der Donizetti-Oper "Maria Stuarda", deren Libretto auf Schillers "Maria Stuart" beruht, waren auch die RP-Opernscouts dabei. Die zeigten sich unmittelbar nach der Aufführung begeistert, mit kleinen Einschränkungen.

Im Interview mit dem Dramaturgen der Rheinoper, Bernhard F. Loges, sagt Regisseur Guy Joosten einen Satz, dem wohl auch die RP-Opernscouts unmittelbar nach der Aufführung der Donizetti-Oper "Maria Stuarda" zustimmen können. Joosten: "Es ist immer gut, wenn eine Oper ein Theaterstück zur Grundlage hat. Dadurch gibt es meistens eine tiefere Dramaturgie, überflüssige 'Ecken' aus der Geschichte sind schon gestrichen, und man geht nicht so sehr auf die Suche nach Effekten."

Kerstin Hein-Flügel, die zum ersten Mal in der Scout-Runde dabei war, zeigte sich unmittelbar nach dem Schlussapplaus begeistert von der "Maria-Stuarda"-Inszenierung, die im Duisburger Stadttheater am Freitag Premiere hatte. Besonders gefiel ihr, dass die Oper, deren Libretto auf dem 1800 uraufgeführten historischen Drama "Maria Stuart" beruht, erstaunlich modern wirkt. Der Konflikt zwischen Elisabeth und Maria, das verzwickte und durchaus nicht eindeutige Spiel von Macht und Ohnmacht fanden alle Scouts faszinierend. Kerstin Hein-Flügel lobte dabei nicht nur die sängerischen Leistungen des Ensembles: "Wie gut die schauspielern können!", meinte sie spontan.

Dem positiven Urteil schloss sich auch Heike Stehr vorbehaltlos an. Sie lobte besonders die Bühnengestaltung. Diese Mischung aus Gefängniszellen-Architektur und großzügigem Saal fand sie faszinierend. Es blieb immer in der Schwebe, wer hier eingesperrt und wer ausgesperrt war. In der Scout-Runde wurde auch über die historische Maria Stuart gesprochen, die zwar 18 Jahre lang Gefangene ihrer Cousine Elisabeth I. war, die aber ungeachtet ihrer Bewachung über einen Hofstaat mit 50 Bediensteten verfügte. Im Mittelpunkt der Scout-Diskussion stand natürlich das "Duell" von Maria Stuart und Elisabeth I., das von Olesya Golovneva (Maria) und Mary Elizabeth Williams (Elisabeth) gestaltet wurde. Allseits gelobt wurde die sängerische Leistung der beiden. Interessant fanden die Scouts, dass dem Publikum eine einseitige Parteinahme für Maria nicht erlaubt wurde. Die beiden Konkurrentinnen hätten beide Licht- und Schattenseiten gehabt. "Die beiden Rollen sind ausgeglichen", sagte Opernscout Stephanie Küthe. Genau das mache den Reiz des Stoffes bis heute aus.

Die Männer in dem Stück müssten sich mit ihren Funktionsrollen begnügen. Der eine (Cecil) sei Todesbote, der andere (Leicester) ein verliebter, aber vergeblicher Freiheitskämpfer, der dritte (Talbot) der abgeklärte Tröster. Gleichwohl hätten die drei Sänger Gianluca Terranova, Laimonas Pautienius und Giovanni Furlanetto ihre jeweiligen Parts hervorragend bewältigt. Und das trotz krankheitsbedingter reduzierter Probezeit.

  • Duisburg : Eine deutsch-italienische Oper

Alle Scouts waren sich einig, dass es richtig ist, die Donizetti-Oper, deren Uraufführung 1835 unter keinem guten Stern stand und die für 120 (!) Jahre aus den Spielplänen verschwunden war, neu zu interpretieren. Die Musik sei, so hieß es, ungemein facettenreich, Verzweiflung, Wut, Rache, Freude und Optimismus seien grandios gestaltet worden.

Ein großes Lob fand auch der Chor, der Volkes Stimme kraftvoll bewies. Nicht gefallen hatte Stephanie Küthe der Regieeinfall, einen modernen Getränkeautomaten auf die Bühne zu stellen, aus dem Dutzende Bierflaschen genommen wurden. Das sei vielleicht "cool" gemeint, wirke aber im Gesamtzusammenhang der ansonsten stimmigen Inszenierung deplatziert.

Rezension der RP-Kritikerin auf der Seite Feuilleton.

(pk)