Wera-Gemeinde in Duisburg: Landespfarrer kritisiert sektenartige Struktur

Konflikt um Duisburger Wera-Gemeinde hält an : Landespfarrer Andrew Schäfer kritisiert sektenartige Strukturen

Wer aus der freien Wera-Gemeinde austritt, riskiert den Bruch mit Familie und Freunden, sagt der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland Andrew Schäfer. Für die Ex-Mitglieder sei das eine große Belastung und dies erschwere es, den sektenartigen Strukturen der Gemeinde den Rücken zu kehren.

Schäfer verwies darauf, dass der Gemeindeleiter des Wera-Forums Besuchs- und Kontaktverbote für Gemeindemitglieder mit Ausgetretenen und Ausgeschlossenen verhängt habe. „Wer geht, hat das Risiko, seine Familie oder seinen Partner zu verlieren.“ Die russlanddeutschen Gemeindeglieder seien stark von ihrer Kultur geprägt und hätten eine große Verbundenheit untereinander. Die rund 30 Aussteiger, die sich an den evangelischen Ortspfarrer gewandt haben, sprächen immer noch von „ihrer Gemeinde“, sagte Schäfer. „Ihr Glaube ist ihnen wichtig.“ Eine Chance für die Wera-Gemeinde sehe er aber nur mit einer anderen Leitung.

Der Landespfarrer kritisierte die sektenartigen Strukturen der Gemeinde und warf dem Gemeindeleiter „geistlichen Missbrauch“ vor. Ehemalige Wera-Mitglieder hatten berichtet, der Pastor verlange unbedingten Gehorsam und habe mit Familienangehörigen und Leitungsmitgliedern ein System der Angst und der Überwachung aufgebaut. In seelsorgerlichen Beziehungen zu Gemeindemitgliedern habe ein Pastor eine besondere Autorität und daher auch eine besondere Verantwortung, mit dem ihm entgegengebrachten Vertrauen umzugehen, betonte Schäfer. „Das bietet Manipulationspotenzial.“ Bei der Wera-Gemeinde vermisse er eine Kontrollinstanz wie die Mitgliederversammlung bei Vereinen oder das Presbyterium bei evangelischen Gemeinden.

Träger des Duisburger Wera-Forums ist der Verein Evangeliumskirche „Glaubensgeneration“. Neben der Duisburger Gemeinde gibt es Tochtergemeinden in Castrop-Rauxel, Wuppertal und Heilbronn. Ehemalige Gemeindemitglieder hatten sich im Dezember an einen evangelischen Pfarrer in Duisburg gewandt.

(epd/jeku)