Wera-Gemeinde in Duisburg-Großenbaum weist Sektenvorwürfe zurück

Austritte bestätigt : Wera-Gemeinde in Großenbaum weist Sektenvorwürfe zurück

Am Tag nach der Ankündigung der evangelischen Auferstehungsgemeinde, ihre Mitgliedschaft in der evangelischen Allianz Duisburg ruhen zu lassen, bis die Sekten-Vorwürfe gegen die Wera-Gemeinde geklärt sind, äußert sich auf erneute Anfrage auch die Gemeinde selber.

Zum Gespräch im Wera-Forum erscheinen gleich drei Mitglieder der Familie Epp: Pastor Alexander Epp sowie zwei seiner Söhne, Walter und Paul Epp. Dem Vorwurf, bei der Wera-Gemeinde handele es um eine Sekte, widersprechen sie. Druck, Überwachung, Kontrolle? Gebe es nicht. Exkommunizierung? In Einzelfällen. Aber der Reihe nach:Ist die Wera-Gemeinde eine Sekte? „Um sowas zu sagen, muss man es biblisch beweisen“, sagt Pastor Alexander Epp. „Eine Sekte ist gegen die Bibel, gegen die Schrift.“ Sein Sohn Walter weist darauf hin, wie umstritten der Begriff Sekte ist: „Alle verstehen darunter etwas anderes, aber alle etwa Negatives.“ Er argumentiert: „Nach der Definition einer Sekte wäre ein Sportverein, die katholische Kirche, der Job eine Sekte: Wenn man nicht hingeht, kriegt man Ärger.“ Paul Epp ergänzt: „Für uns bedeutet Sekte: Man kann nicht einfach so rein, man kann erst recht nicht raus. Bei uns kann jeder kommen und gehen, wie er will.“ Warum gibt es dann immer wieder Gerüchte um die Wera-Gemeinde? Für die Führungsfamilie um Pastor Alexander Epp ist die Sache klar: „Wir sind anders. Wir sind Russlanddeutsche. Wir kommen mit dem Hintergrund Verfolgung, KGB, mit radikaler Hingabe für unseren Glauben und für Jesus.“ Auch im Glauben seien sie anders: „Wir haben diese charismatische Richtung: Wir sind ein bisschen lauter, wir singen andere Lieder, wir sind ein bisschen freier.“Enger sind sie, was das Gemeindeleben betrifft. Pflicht ist die Teilnahme am wöchentlichen Hauskreis, ebenso am Sonntagsgottesdienst. Dazu einmal im Monat das Abendmahl. Wer nicht kommt, müsse keine Konsequenzen fürchten.

„Was sollen wir denn machen?“, fragt Paul Epp. „Wir können ja gar nichts machen.“ Was kommt, ist die Frage: „Wo warst Du?“ Das bestätigt Paul Epp, sagt aber: „Das wird im Verein auch gefragt. Wer nicht zum Fußballtraining kommt, ist auch nicht beim Spiel dabei.“ Also ja: Ausschlüsse aus der Gemeinde gebe es, selten. Kontaktverbot zu ehemaligen Mitgliedern? Nein. „Wir können keinem etwas verbieten.“ Höchstens gebe es Empfehlungen, um schlechte Einflüsse von den verbleibenden Gemeindemitgliedern fernzuhalten.

Sonst: alles freiwillig, betonen sie, auch der ehrenamtliche Einsatz, mit dem zum Beispiel der aktuelle Anbau entsteht. Zum Beweis springt Pastor Epp auf, holt ein paar Männer von der Baustelle herein. Sie alle haben im Grunde dieselbe Geschichte zu erzählen: Ihr Leben war schlecht, sie waren gefangen im Gefängnis oder in der Depression. Dann kamen sie in die Wera-Gemeinde, fühlten sich dort aufgehoben. Nun wollen sie etwas zurückgeben. Alexander Epp sagt es so: „Das ist keine Gehirnwäsche. Das ist das Wirken des Heiligen Geistes und von Gott.“

Laut Pastor Alexander Epp sind aktuell 440 Menschen Mitglied in der Großenbaumer Wera-Gemeinde. Austritte aus der Gemeinde bestätigt er: In diesem Jahr seien es bisher 39 gewesen. Das habe vor allem mit der Trennung von der Dortmunder Tochtergemeinde zu tun. Infolge dessen habe auch die hiesige Gemeinde Mitglieder verloren.

Weitere Standorte gibt es in Castrop-Rauxel, Wuppertal und Heilbronn.

(moc)
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