Duisburg „...wenn die Polen schmelzen“

Duisburg · "Früher war zwar nicht alles besser, aber heute ist alles schlechter." Da waren sich am Freitagabend im Theater am Marientor Herbert Knebel und die Mitglieder seines Affentheaters einig. Der ehemalige Bergbauarbeiter Knebel, der seit Jahren von dem aus Duisburg stammenden Komiker Uwe Lyko verkörpert wird, ist Frührentner und ein typischer Verlierer des Strukturwandels. Er und seine Mannen sehnen sich nach der "guten alten Zeit", in der noch gegessen wurde, was auf den Tisch kam und in der Zigaretten "noch keinen Krebs verursachten" sondern "leicht und bekömmlich" waren.

Herbert Knebel sorgte in Duisburg für Bewegung in den Lachmuskeln.

Herbert Knebel sorgte in Duisburg für Bewegung in den Lachmuskeln.

Foto: www.herbertknebel.de

Mit ihrem Programm "Nix wie weg", sorgte die seit 1988 existierende Gruppe für ein wahres Gagfeuerwerk. Herbert Knebel präsentierte sich in seiner gewohnten Art und genauso wie ihn seine Fans lieben: schlecht gelaunt, immer nörgelnd und stets etwas besserwisserisch. Er philosophierte über etliche Themen, von denen er eigentlich keine Ahnung hat — was er sich natürlich nie eingestehen würde. So befürchtete er, dass er sich einen neuen Fliesenleger suchen muss, wenn bald "durch den Klimawandel die Polen schmelzen" und zeigte sich überzeugt davon, dass das "Epizentrum" einer aus Asien stammenden Grippeepidemie in Wahrheit im Wartezimmer seines Hausarztes liegt, den er aufgesucht hat, um sich "gründlich vorbeugen zu lassen". "Boh glaubse…". So begann er wie gewohnt jeden seiner Monologe, in denen er auf äußerst amüsante Weise versuchte, Zusammenhänge zwischen der Weltpolitik und den Geschehnissen in seinem Umfeld herzustellen. Für seine Freunde aus der Siedlung hatte Knebel immer einen guten Rat. So empfahl er beispielsweise seinem Freund Ozzy, der seinen Führerschein verloren hat, weiterhin "fleißig Punkte in Flensburg zu sammeln und dann die Prämien zu kassieren".

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Showprogramms waren die musikalischen Einlagen der fünf Komiker. Neben den skurrilen Texten, die die Gruppe zu bekannten Melodien sang, sorgten auch die nicht sehr zeitgemäß anmutenden Tanzeinlagen von Knebels "Rentnerband" für lautes Lachen im Publikum. Viele seiner Anekdoten drehten sich um den Wunsch, vor der befürchteten "Endzeit" ein neues Leben anzufangen. Während einer von Knebels Kumpel in einem Abenteuerurlaub den Regenwald, den "Günther Jauch mit seinen Bierkästen mühsam aufgebaut hat", kennen lernen möchte, träumt er selbst von einem schönen Urlaub mit einer "Tina Colada im Arm". Herbert Knebel und sein "Affentheater" präsentierten sich in absoluter Höchstform und bescherten den Gästen einen äußerst unterhaltsamen und amüsanten Abend, für den sie mit kräftigem Applaus belohnt wurden.

(RP)
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