Weniger Gläubige in Duisburg: Sechs Kirchen droht das Aus

Weniger Gläubige in Duisburg: Sechs Kirchen droht das Aus

Das Konzept für die Zukunft der katholischen Kirchen im Duisburger Süden steht.

Die Katholische Kirche im Bistum Essen muss sparen. Das hat auch damit zu tun, dass die Gemeinden weiter schrumpfen. In Duisburg könnten dem Sparzwang nun mehrere Gemeinden zum Opfer fallen.

Das gilt auch für die Pfarrgemeinde St. Judas Thaddäus mit seinen sechs Kirchengemeinden, wie Pfarrer Roland Winkelmann, seit einigen Wochen Duisburgs neuer Stadtdechant, am Samstag erläuterte. Bis zum Jahr 2030 sollen die Kosten in den Pfarreien um die Hälfte gesenkt werden.

St. Stephanus in Ungelsheim gehört ebenfalls zu den Gotteshäusern, die nach dem aktuellen Planungskonzept geschlossen werden sollen. Foto: RP-Archivfotos (2) Andreas Probst

Zahl der Gläubigen ist gesunken

Die demografische Entwicklung macht vor der St. Judas Thaddäus- Pfarrgemeinde nicht halt. Die Zahl der Katholiken ist erheblich zurückgegangen, die Zahl der Gottesdienstbesucher noch viel stärker. 1980 gab es hier noch rund 38.000 Menschen katholischen Glaubens, die Prognose für das Jahr 2030 geht nur noch von 22.000 aus.

Bianca Seeger, die sich aktiv an dem Entwicklungsprozess beteiligt hat, erläuterte mit dem Konzept der "Pfarrei ohne Grenzen" einen wesentlichen Zukunfts-Baustein. "Wir müssen weg vom reinen Gemeindedenken", machte die Huckingerin deutlich. In Zukunft soll es keine einzelnen Kirchengemeinden mehr geben, sondern eine große Gemeinde für alle. Dennoch soll kirchliche Arbeit vor Ort weiter möglich sein: "Wir wollen unsere Arbeit in den Ortsteilen neu organisieren und dort Aktivitäten entwickeln". Projektbezogene Arbeit - auch in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen - soll stärker in den Fokus rücken. Ehrenamtliche Arbeit soll gefördert, junge Menschen für die Kirche begeistert werden. Dazu ist man bereit, neue Wege zu gehen.

Experimentelle Kirche

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In dem Zusammenhang soll der Begriff "Experimentelle Kirche" mit Leben gefüllt werden, wie Bianca Seeger erläuterte: "Da könnten Kulturveranstaltungen in den Gottesdienst eingebunden werden, wir sind da völlig offen, alles ist möglich." Traditionelles Gemeindeleben wird nach wie vor seinen Platz haben: "Was sich bewährt hat, bleibt natürlich erhalten." Unausweichlich sind hingegen weitere Kirchenschließungen und die Aufgabe von Gemeindehäusern. Nur fünf von aktuell elf Kirchen sollen erhalten bleiben. Es wird noch nach Möglichkeiten gesucht, wie Gläubige dort, wo es keine Kirche mehr gibt, weiterhin ihren Glauben praktizieren können.

Ein wesentlicher Kostenfaktor in Bezug auf die Kirchengebäude ist die buchungsmäßige Berücksichtigung von Erhaltungskosten, der sich bei der Aufgabe von Kirchen wesentlich reduzieren würde, wie die Finanzexperten der mit diesem Thema befassten Arbeitsgruppe erläuterten.

Supermärkte statt Kirchen?

Für Roland Winkelmann gibt es viele Möglichkeiten, was mit den aufgegebenen Gebäuden geschieht: "Vielleicht übernehmen andere christliche Kirchen die Gebäude, eventuell könnten dort Supermärkte entstehen oder Investoren nutzen das Grundstück für Wohnbebauung." Markus Happel ist sich sicher, dass das Finanzkonzept solide durchgerechnet ist: "Mit den Maßnahmen erreichen wir die vorgegeben Ziele, die 'schwarze Null' wird 2030 unterm Strich stehen."

Dass man die Zukunft auch sonst im Blick hat, machte Pfarrer Winkelmann bei dem Pressegespräch am Samstag klar: "Wir werden auf dem Areal des Neubaugebiets "Sechs- Seen-Wedau" mit einem neuen kirchlichen Standort vertreten sein, Anfragen laufen bereits."

Stolz sind die Konzeptentwickler darauf, dass eines sichergestellt ist: "Betriebsbedingte Kündigungen wird es nicht geben." Das letzte Wort hat jetzt der Bischof, das Entwicklungskonzept der Pfarrei St. Judas Thaddäus liegt dort mittlerweile vor.

(RP)