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Duisburg: Weniger Bewerber, mehr Plätze

Duisburg : Weniger Bewerber, mehr Plätze

Rückläufige Bewerberzahlen für Duisburger Ausbildungsplätze könnten die Situation für Jugendliche entschärfen. Rein zahlenmäßig halten sich Bewerber und freie Stellen bereits die Waage. Am Niederrhein sieht es schlechter aus.

Viele Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche haben noch nie einen Hammer oder eine Feile in der Hand gehabt. Dass bei ihnen der Wunsch nach einem technischen Ausbildungsplatz nicht so ausgeprägt ist, sei nachvollziehbar, erklärte Elisabeth Schulte, Geschäftsführerin der UnternehmerverbandsGruppe (UVG).

 Dr. Stefan Dietzfelbinger von der Industrie- und Handelskammer.
Dr. Stefan Dietzfelbinger von der Industrie- und Handelskammer. Foto: Hohl, Ralf

Das Haus der Unternehmer in Buchholz, Sitz der UVG, war gestern Schauplatz der regionalen Ausbildungskonferenz, an der, wie seit zwölf Jahren üblich, Vertreter aller an der Ausbildungsplatzvermittlung beteiligten Einrichtungen teilnahmen. Technische Berufe, der Gesundheits- und Pflegebereich, aber auch die Gastronomie bieten Chancen, die von vielen Jugendlichen nicht so recht wahrgenommen werden, lautete ein Fazit der Konferenz.

In Duisburg gab es zum Stichtag Ende März einen Zuwachs der gemeldeten Ausbildungsstellen auf 2471. Die Zahl der Bewerber sank um 4,1 Prozent von 2458 auf 2356. Insgesamt 1265 Bewerber waren noch ohne Ausbildungsstelle — ein Rückgang um 215, das sind 14,5 Prozentpunkte weniger als zuvor. Duisburgs Arbeitsagentur-Chefin Angela Schoofs nannte die Zahlen "befriedigend". "Ein quantitativer Ausgleich ist erreicht", stellte sie fest. Das zahlenmäßige Gleichgewicht gewährleiste aber nicht, dass auch jeder Jugendliche tatsächlich einen Platz in der dualen Ausbildung erhalte. Dies lasse sich schon daran erkennen, dass jeder zweite Ausbildungsplatzsuchende kein aktueller Schulabgänger ist, sondern schon länger wartet.

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Weniger positiv sind die Zahlen der Arbeitsagentur Wesel, der die Kreise Kleve und Wesel umfasst. Hier stieg die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen um 9,7 Prozent auf 2961. Allerdings gab es hier auch bei der Zahl der Bewerber noch ein sattes Plus von 8,8 Prozent auf 4583. Ende März waren 2677 Bewerber noch ohne Ausbildungsstelle — ein Zuwachs um 143 beziehungsweise 5,6 Prozent.

Die Zahlen ließen sich unterschiedlich interpretieren, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. Er, wie auch Elisabeth Schulte, wiesen daraufhin, dass die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt für Bewerber größer denn je seien. Norbert Maul, Chef des Jobcenters, verwies auf die Situation vieler Bewerber, die nicht zum Zuge kommen, weil es noch an elementaren Voraussetzungen mangelt.

Eine überbetriebliche Ausbildung, ausbildungsbegleitende Hilfen oder auch Helfertätigkeiten, die später in eine reguläre Ausbildung münden, könnten hier Abhilfe schaffen. Der DGB-Regionsvorsitzende Rainer Bischoff monierte, dass es am Niederrhein insgesamt noch einen Überhang von rund 1500 Bewerben gebe und die Zahl arbeitslos gemeldeter Jugendlicher in Duisburg steige. Diese Entwicklung betrachte er mit großer Sorge.

(RP)