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Duisburg: Weltkünstler aus Meiderich

Duisburg : Weltkünstler aus Meiderich

Wilhelm Lehmbruck (1881 bis 1919) ist der bedeutendste Künstler Duisburgs. Vor 100 Jahren wurde seine "Kniende" zum ersten Mal öffentlich in Paris gezeigt. Das ist Anlass für eine grandiose Ausstellung im Lehmbruck-Museum.

Wilhelm Lehmbruck und Ernst Barlach (1870 bis 1938) gelten als die wichtigsten deutschen Bildhauer der Klassischen Moderne. Die Nachricht, die im Dezember 2005 in Duisburg die Runde machte, sorgte bei Kunstinteressierten für einen Schock: Lehmbrucks Erben fordern die Werke zurück, die als Dauerleihgaben im Duisburger Museum, das Lehmbrucks Namen trägt, präsentiert werden.

Es dauerte drei Jahre, bis feststand, dass Duisburg den Nachlass Lehmbrucks behalten kann — mit Hilfe der Duisburger Wirtschaft, des Bundes, des Landes und auch der Erben, die beim Kaufpreis der "armen Stadt" entgegenkamen.

Rückblickend kann man sagen, dass diese drei Jahre der Unsicherheit eine positive Wirkung hatten: Den Duisburgern wurde klar, dass man von Privileg und besonderer Verantwortung sprechen kann, wenn 33 Skulpturen, 18 Gemälde, elf Pastelle, 819 Zeichnungen und 260 druckgrafische Blätter im Duisburger Museum bleiben können und nicht weltweit über den Kunsthandel verstreut werden.

Prof. Dr. Raimund Stecker, der seit eineinhalb Jahren Direktor des Lehmbruck-Museums ist, hat dieses "Bleiberecht" schon bei seinem Amtsantritt herausgestellt. Und zurzeit zeigt er die aufwendigste Ausstellung in der 47-jährigen Geschichte des Hauses, bei der Lehmbrucks Skulptur "Die Kniende", die vor 100 Jahren in Paris zum ersten Mal gezeigt wurde, im Mittelpunkt steht. Diese Sonderschau zum Sinnbild der Anmut, zu sehen bis zum 22. Januar, ist grandios!

Anders als Barlach, der als Inbegriff expressionistischer Skulptur gilt, widersetzt sich Lehmbruck einer solch griffigen Einordnung. Wilhelm Lehmbruck, der aus einfachen Meidericher Verhältnissen stammte, kam als 14-Jähriger, dank eines Stipendiums, an die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule. Sein künstlerisches Potenzial zeigte sich später bei seinem Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Seinen Durchbruch und seine einmalige Stellung in der modernen Kunstgeschichte verdankt Lehmbruck allerdings seinen Jahren in Paris, wo er von 1910 bis kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs lebte. Er lernte dort Rodin und Maillol kennen, ließ sich von beiden anregen, doch fand er bald zu seinem eigenen Stil: jenen gestreckten, vergeistigt wirkenden und gewissermaßen architektonisch gebauten Figuren, die mit den Begriffen "übersinnliche Tektonik" oder auch "abstrahierte Expressivität" beschrieben werden.

Lehmbrucks Hauptwerke wie "Kniende", "Sinnende", "Emporsteigender" und der im Kriegswinter 1915/16 entstandene "Gestürzte" sind Skulpturen, die das Menschenbild der Moderne prägen. Mit dem "Gestürzten" hat Lehmbruck das "pazifistische Kriegerdenkmal" schlechthin geschaffen. Neben den Skulpturen darf man das malerische Werk Lehmbrucks nicht vergessen, das für sich bestehen kann.

Der Künstler, der, wie es der Kunsthistoriker Erich Franz ausdrückte, "keine Körper, sondern Körpervorstellungen" malte, war ein Sucher des Menschlichen. Am 25. März 1919 nahm sich der 38-Jährige mit Gas das Leben. Er litt an Depressionen, einer zerrütteten Ehe, einer nicht erwiderten Liebe zu einer jungen Schauspielerin und an den Folgen des Krieges, den er eine Zeitlang als Kriegsmaler erleben musste.

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(RP)