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Duisburg: Weiterer Stellenabbau in der Industrie

Duisburg : Weiterer Stellenabbau in der Industrie

Die Hiobsbotschaften reißen nicht ab: Nach der Ankündigung des Stellenabbaus bei ThyssenKrupp und der geplanten Schließung des TSTG Schienenwerks soll nun auch das ISE-Werk in Huckingen schließen.

Für die IG Metall in Duisburg war 2009 bisher das schwerste Jahr der Nachkriegsgeschichte: Rund 5000 Duisburger Arbeitsplätze kostete die Wirtschaftskrise in den Bereichen Stahl, Metall und Elektro. Wenn Duisburgs IG Metall-Chef Jürgen Dzudzek morgen beim Jahrespressegespräch der Gewerkschaft in die Zukunft blickt, wird das Jahr 2013 erneut ein schweres. ThyssenKrupp vermeldete am Dienstag für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Gewinneinbruch um 38 Prozent auf 229 Millionen Euro. Hauptgrund war die schwache Stahlnachfrage in Europa. 2000 Stellen will ThyssenKrupp streichen — rund die Hälfte davon könnte Duisburg betreffen. Die Bandbeschichtungsanlage in Beeckerwerth steht möglicherweise vor dem Aus. Nach Angaben des Vorstandes sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, und die Großaggregate in der Produktion seien nicht gefährdet.

Dazu gehören auch die Großhochöfen in Schwelgern. Schwelgern I nahm vor 40 Jahren den Betrieb auf. Michael Lefknecht von der Bürgerinitiative gegen Umweltgifte Duisburg-Nord erinnerte aus diesem Anlass an das Anblasen des Hochofens 1 am 6. Februar 1973. "Schon am Tag danach gab es wegen extremer Lärm- und Staubbelästigungen massive Proteste aus der Bevölkerung" so Lefknecht. "Die Arroganz der Macht, die die aus Gesundheitsschutzgründen EU-weit festgelegten Grenzwerte ignoriert und die Macht- und Tatenlosigkeit der Behörden und der Politik zeigen sich in diesem 40-jährigem Trauerspiel, das für nicht wenige durch Krankheit und Tod zur Tragödie wurde", so der Initiativensprecher. In den vergangenen vier Jahrzehnten produzierte der im Volksmund "Schwarzer Riese" genannte Hochofen insgesamt rund 115 Millionen Tonnen Roheisen.

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Die vom ThyssenKrupp-Vorstand zusätzlich angekündigten Verkäufe von Unternehmensteilen mit einem Verlust von weiteren 1800 Arbeitsplätzen könnten sich ebenfalls auf Duisburg auswirken. Die drohende Schließung des TSTG Schienenwerkes schlägt mit weiteren knapp 400 Jobs zu Buche. Die IG Metall hat bereits Proteste dagegen angekündigt, unter anderem auch Ende Februar vor dem Düsseldorfer Landtag.

Eine weitere schlechte Nachricht ist die Schließung des Werkes der ISE Automotive Gruppe in Huckingen. Das Unternehmen mit Sitz in Bergneustadt bei Gummersbach teilte mit, die Produktion bereits ab April an die Fertigungsstätten in Bergneustadt und Witten verlegen zu wollen. 150 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Ein Teil von ihnen soll das Angebot erhalten, in den anderen Werken des Unternehmens zu arbeiten. Die Entwicklung auf dem Kraftfahrzeugmarkt mache eine Anpassung der Kapazitäten notwendig. In Huckingen werden Automobilkomponenten für Daimler und Peugeot produziert. Ziel dieser Maßnahme sei es, die Arbeitsplätze in den Standorten Bergneustadt und Witten langfristig zu sichern, teilte ISE mit. Die Verlagerung der Produktion soll im April 2013 beginnen und voraussichtlich im Oktober des Jahres abgeschlossen sein. Die ISE-Gruppe hat weltweit neun Standorte in sechs Ländern und beschäftigt insgesamt rund 2800 Mitarbeiter. In Huckingen wurde zuletzt ein Umsatz von 28 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Huckinger Werk hatte seit längerem mit Problemen zu kämpfen. 2007 musste der Betrieb mit damals noch rund 380 Beschäftigten Insolvenz anmelden.

(RP/ac)