Wein und seine historische Bedeutung für Duisburg

Wein und seine historische Bedeutung für Duisburg : „Verschenkt und vertrunken“

Wein – ein bedeutender Posten in der Stadtrechnung: Zu Mercators Zeiten war der Wein durchaus von wirtschaftlicher Bedeutung. Mercator selbst schätzte ihn als „Medizin“.

Den Wein haben die Duisburger den Römern zu verdanken. Das liegt rund 2000 Jahre zurück. Die Kenntnis um die vergangenen Duisburger Weinlagen in Kaßlerfeld, Serm und Beeckerwerth ist im Nebel der Geschichte entschwunden wie die Erinnerung daran, dass im Jahr 1353 die Weinsteuer 74 Prozent der städtischen Einnahmen ausmachte.

Ab Ende des 14. Jahrhundert ging das Exportgeschäft durch Zollschranken deutlich zurück, aber zu Mercators Zeiten im 16. Jahrhundert pflegte man weiter die Weintradition. Michael Mercator, Enkel Gerhard Mercators, betrieb Weinhandel und führte eine Weinschenke.

Die Weinpräsenz zeigte sich im Stadtplan aus dem Jahr 1566 von Johann Corputius: Die Ruine der Duisburger Kaiserpfalz mit den Außenmauern standen noch und umschlossen einen Weingarten – mitten auf dem Fundament des heutigen Rathauses. Die Hauptfront des alten Rathauses war damals zum rückwärtigen Weinmarkt hin ausgerichtet. Dort befand sich im Rathauskeller die sogenannte „Weinschule“.

Mit Weinseminaren hatte der Name nichts zu tun. Vielmehr handelte es sich um eine städtische Einrichtung, die Schankkonzessionen und öffentliche Aufgaben an private Pächter vergab, berichtete Hans Homann 1968 im Heimatjahrbuch. Dazu gehörte das Einziehen der Wegegelder, die Wartung und Handhabung der Stadtwaage, das Zerlegen von Schweinen (Schweineschneiden) und das Einziehen des Zehnten.

Das Vergabeverfahren fand in Form einer Versteigerung statt, bei der derjenige Bewerber den Zuschlag erhielt, der die höchste Pachtsumme bot. Die Versteigerung bis zum Zuschlag dehnte man gern über einen möglichst langen Zeitraum. Nacheinander wurden drei Kerzen abgebrannt. Erst dann, wenn die dritte Kerze ihren Schein über die Tische der Weinschule warf, konnte die endgültige Vergabe des angebotenen Amtes erfolgen. Stockte das Höherschrauben des Preises bei der Versteigerung, dann rief der Bürgermeister: „Wer noch einen Gulden höher steigert, der erhält dafür einen Quart Wein!“ Viele der Anwesenden lockte diese Art von Prämie. Mit dem Steigern des Preises wuchs die Aussicht, einen möglichst hohen Anteil von dem guten Ratswein zu erhalten. Wer das Pech hatte, der letzte der Steigernden zu sein, musste einen vergleichsweise hohen Preis für sein gewonnenes Amt bezahlen. Die anderen freuten sich über die kostenlos erhaltenen Anteile am Ratswein. Da sie den Wein nicht auf einmal trinken konnten, ließen sie sich Trinkmarken aushändigen, die sie jederzeit in der Weinschule in entsprechende Mengen auslösen lassen konnten. Der Rebensaft war Teil der Duisburger Stadtkultur. Wenn ein Haus verkauft wurde, gab es nach alter Sitte anschließend für die Schöffen und Zeugen einen guten Umtrunk, das Weinkaufgeld. Zu besonderen Ereignissen gehörte ganz einfach Wein.

Die Stadtrechnungen zeigen, dass die Einzelpositionen in der Spalte „verschenkt und vertrunken“ sich auf zehn Prozent des Gesamthaushalts summierten. Ein Umtrunk erfolgte bei der Begehung der Stadtgrenzen, der Einführung eines Magistrats, bei der Urteilsfindung (Strafen für Waldfrevel!) durch das „Holzthing“, bei der Eichelernte, bevor man die Schweine zur Eichelmast in den Wald trieb, bei der Stadtschau an den Markttagen und nach der glücklichen Beendigung von Verhandlungen mit den Mächtigen des Landes, so Dr. Andrea Gropp, stellvertretende Leiterin des Kultur- und Stadthistorischen Museums. Wein galt als Kräftigungsmittel für Genesende und hatte einen guten Ruf als Heilmittel – und gesünder als das nicht immer ganz saubere Wasser war es allemal – denn Alkohol desinfiziert!

Auch die Gelehrten der Stadt sprachen dem Wein gerne zu. Wein erfreute das Herz und bedeutete Freundschaft und Heiterkeit. Gerhard Mercator und seine humanistischen Freunde wussten einen guten Tropfen zu schätzen, wobei von Gerhard Mercator selbst vor allem überliefert ist, dass er sein „Augentrost“, eine Arznei zur Beruhigung der Augen, gern mit Wein verdünnt einnahm...

Mehr von RP ONLINE