Interview Dominik Maxelon: Weihnachten bei 30 Grad in Santo Domingo

Interview Dominik Maxelon : Weihnachten bei 30 Grad in Santo Domingo

Der 19-jährige Dominik Maxelon leistet seinen Freiwilligendienst in der Karibik. Er unterrichtet an einer Schule im Armenviertel.

RHEINHAUSEN (RPN) Er hat ein Bett, ein Dach über dem Kopf - sogar ein festes und keines aus Wellblech, er bekommt genug zu essen und reiste mit einem Koffer voller Kleidung an. Damit ist der 19-jährige Rheinhauser, der sein Abitur in diesem Jahr am Krupp-Gymnasium machte, den meisten Kindern und Jugendlichen in seiner aktuellen Umgebung weit voraus. "Nur Tischtennis spielen kann ich hier nicht", sagt Dominik Maxelon. Der bisherige Jugendtrainer und Spieler der ersten Tischtennis-Herren-Mannschaft des VfL Rheinhausen lebt und arbeitet seit Ende August für ein Jahr in der Dominikanischen Republik. Im Rahmen des Internationalen Jugend-Freiwilligendienstes (IJFD) unterrichtet er dort Englisch und Musik zusammen mit zwei weiteren deutschen Freiwilligen an einer Schule im Armenviertel der Hauptstadt Santo Domingo. Und er setzt sich vor Ort für soziale Projekte ein.

Ein Gespräch über das Leben in der Ferne, die Musik, den Freiwilligendienst, Heimweh und Weihnachten:

Hallo Dominik, reden wir erst einmal über das Wetter: Wie ich in deinem Blog las, hast du den Hurrikan Matthew vor ein paar Wochen gut überstanden. Und wie ist das Wetter normalerweise in Santo Domingo?

MAXELON Hier sind es konstant 25 bis 35 Grad. Ja, und Matthew ist auch über die Dominikanische Republik gezogen. Es gab viele Überschwemmungen hier, und die Schule wurde für eine Woche geschlossen. Zum Glück ist in meinem näheren Umkreis nichts Schlimmeres geschehen.

Du bist jetzt für ein Jahr in der Karibik. Ist das dein erster langer Auslandsaufenthalt?

MAXELON Ja. Ich war noch nie länger im Ausland als für zwei Wochen in den Ferien.

Wie kamst du auf den Freiwilligendienst?

MAXELON Einerseits wollte ich nicht nach dem Abitur direkt an der Uni "weiterlernen", und ich wollte schon immer für ein Jahr in ein völlig neues Land, eine neue Kultur kennenlernen, auch um festzustellen, wie gut man es in Deutschland doch hat. Und andererseits hat mich auch die Arbeit in einer Schule interessiert, weil ich mir vorstellen kann, in Deutschland ein Lehramtsstudium anzutreten. Der Freiwilligendienst ist also ein guter Test.

Wo lebst du jetzt?

MAXELON Ich lebe in einem Haus mit der Familie der Schulleiterin Marisol Jimenez.

Und was machst du vor Ort genau?

MAXELON Ich arbeite an der Schule "Café con Leche" als Lehrer. Gemeinsam mit den anderen beiden Freiwilligen gebe ich für die ersten vier Klassenstufen (pro Klasse gibt es hier bis zu 45 Kinder) Englischunterricht am Vormittag und nachmittags habe ich vier Flötenkurse mit insgesamt 45 Kindern, drei Saxofonschüler und einen Klavierschüler. Außerdem helfen wir noch im Schulorchester mit.

Dass du so musikalisch bist, ist sicher ein Vorteil an deinem aktuellen Aufenthaltsort, oder?

MAXELON Musik und Tanzen haben hier absolute Priorität. Die Musik ist überall, an jeder Ecke und sie ist immer sehr laut. Und es ist Pflicht zu tanzen. Wir Deutschen kommen da auch nicht drum herum. Doch mir fehlt leider definitiv der Hüftschwung!

Du hast einen Internet-Blog in dem du über deinen Freiwilligendienst schreibst. Dort schreibst du, dass auch in der Schule schon morgens gesungen wird: die Nationalhymne! Worin unterscheidet sich die Schule noch von der, die du hier kennst?

MAXELON Vor Schulbeginn wird auch gebetet. Mittags bekommen die Kinder hier oft ihr einziges Essen am Tag, weil einige Familien in extremer Armut leben. Aber die Leute im Land sind unglaublich lebensfroh und freundlich. Doch die Armut bedrückt einen schon, besonders bei den Kindern, deren Schicksal durch ihren Geburtsort vorgegeben wurde, was man akzeptieren muss, obwohl man selbst aus einem reichen Land kommt und dorthin auch wieder zurückgehen wird. Das ist ein innerlicher Konflikt.

Was fällt dir spontan zu den folgenden Begriffen in Bezug auf dein Gastland ein: ... Straßenverkehr?

MAXELON Ein Himmelfahrtskommando: Die Dominikanische Republik ist das Land mit der im Vergleich zweithöchsten Zahl an Verkehrstoten weltweit! Keiner schnallt sich an, keiner benutzt beim Motorradfahren einen Helm. Am Straßenrand zu joggen, ist undenkbar. Und: In einen Polo passen hier sieben Leute. Auf ein Motorrad fünf, vorausgesetzt zwei Kinder sind dabei!

... Strand?

MAXELON Ich habe noch nie schöneres gesehen, doch viele Kinder, die innerhalb von Santo Domingo leben, sind noch nie dort gewesen, kaum ein Kind kann schwimmen.

... Weihnachtszeit?

MAXELON Die Stimmung ist einfach nur komisch: bei 30 Grad fühlt es sich nicht nach Weihnachten an. Es gibt zwar Weihnachtsmusik, die ist aber genauso schnell und rhythmisch, wie die übliche Latina-Musik. Außerdem fehlen mir der Weihnachtsmarkt, Glühwein, Spekulatius und meine Familie.

... Heimweh?

MAXELON Mir fehlen die abendlichen Runden mit meinen Freunden, das Tischtennisspielen und die Kids vom Tischtennis, die ich in Deutschland trainiert habe, meine Familie natürlich, Schokolade, deutsches Bier und vieles mehr...

Letzte Frage: Was erhoffst du dir von dieser Auslandserfahrung?

MAXELON Ich möchte wissen, ob der Beruf des Lehrers etwas für mich ist. Und ich möchte den Kids hier etwas beibringen, die Freude an der Musik vermitteln und mich auch sozial engagieren. Ich hoffe, dass ich durch das Jahr einen anderen Blick auf die Welt bekomme und, dass ich zu schätzen weiß, was es heißt, in Deutschland zu leben.

(RP)
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