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Duisburg: Wegen Sonne und Wind in die Krise

Duisburg : Wegen Sonne und Wind in die Krise

Die wirtschaftlichen Probleme des Duisburger Versorgungs- ung Verkehrskonzerns - DVV - sind weniger hausgemacht als Folge der bundesdeutschen Energiewende.

Für die Mitarbeiter des DVV-Konzerns hielt die Belegschaftsversammlung am Mittwoch wie berichtet wenig erfreuliche Botschaften bereit. Vor allem die Stadtwerker bangen um ihre Arbeitsplätze. Doch betriebsbedingte Kündigung hat es in dem Konzern noch nie gegeben. Und Vorstandschef Marcus Wittig und seinen Kollegen ist zuzutrauen, dass sie auch diesmal einen Weg finden, das zu vermeiden, wenn es auch schwierig sein wird.

Vorbild für das neue Strukturprogramm könnten Aktivitäten der Vergangenheit sein. Bei der DVG beispielsweise sind über die Jahre mehrere hundert Jobs abgebaut worden, ohne die Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit zu schicken. Frühpensionierungen, Umsetzungen in andere Konzernbereiche und letztlich auch die Gründung der Servicegesellschaft "octeo" waren Bestandteile der Programme. Bei den Kraftwerkern geht die Angst um, dass sich der Konzern von beiden Kraftwerken trennen könnte. Sie haben aber das Wissen, dass die Stadtwerke mindestens eine Anlage benötigen, um das Fernwärmenetz zu bedienen. Im März, so hat es der Vorstand angekündigt, wird Klarheit bestehen. Kraftwerkeschließung, Outsourcing oder Weiterbetrieb mit Partnern - alles ist denkbar.

Die aktuelle Problemlage ist nicht hausgemacht, sondern Folge des deutschen Atomausstiegs und des Energiewandels. Regenerative Energien aus Sonne und Wind sind hoch-subventioniert und werden vor allen anderen ins bundesdeutsche Stromnetz eingespeist. Die konventionellen Erzeuger haben da das Nachsehen. Wie mehrfach berichtet müssen die Stadtwerke ihren eigenen Strom an der Börse zu einem Preis abgeben, mit dem sie nicht einmal die Kosten decken können. Diese Not haben auch andere, private Unternehmen, die sich derzeit von ihren Kohlekraftwerken verabschieden. Als zusätzliche Belastung muss der DVV-Konzern den einst als ganz großen Wurf gefeierten Steag-Deal stemmen. Zusammen mit anderen Ruhrgebietsstädten hatten sie ein Konsortium gegründet, dass der Steag die Kohlkraftwerke abgekauft hatte. Damals sah das nach einem hochrentablen Geschäft aus. Die Energiewende hat das grundlegend geändert. Gerade erst haben die Stadtwerke weitere Millionen für diesen Deal bezahlen müssen, der vertraglich so "gestrickt" wurde, dass sie keine Chance haben, rauszukommen.

Den DVV-Konzern drücken noch weitere Sorgen. Seit Jahrzehnten werden hier Stadtwerkegewinne dafür verwendet, den Öffentlichen Nahverkehr zu garantieren und die dort anfallenden Defizite auszugleichen. Gewinne der Stadtwerke - das war gestern. Aber die Defizte der DVG bleiben. Von der verschuldeteten Stadt ist keine Hilfe zu erwarten, zumal auch sie den Gürtel enger muss, weil sie auf Gewinne aus dem DVV-Konzern erst mal nicht mehr hoffen kann. Der Nahverkehr krankt außerdem daran, dass zu lange wichtige Investitionen unterblieben sind. Für neue Straßenbahnen fehlt das Geld. Und selbst der Einbau von Brandschutzanlagen in diesen Zügen scheint zu scheitern (es soll sich um einen Betrag von rund 500 000 Euro handeln). Was droht: Die DVG-Bahnen, die nach Düsseldorf fahren, dürfen vielleicht schon bald nicht mehr in die Nachbarstadt, die gerade ihre Bahnen umrüsten lässt. Zyniker könnten da antworten, dass dies nicht weiter schlimm ist. Denn die veraltete Zugsicherung werde doch eh dafür sorgen, dass Düsseldorf für Duisburgs Straßenbahnen in zwei Jahren unerreichbar wird. Die jetzt drohenden Arbeitsplatzveränderungen im DVV-Konzern wirken sich nicht nur im Unternehmen, sondern auch in der Stadt aus. Stadtwerke und DVG waren immer sichere Arbeitgeber und Garanten für gute Ausbildung. Um Zukunft zu haben, benötigen beide Unternehmen gut ausgebildeten eigenen Nachwuchs. Aber vielleicht muss hier auf die Bremse getreten werden, und sei es nur, indem das Ausbildungszentrum in Rheinhausen geschlossen und die Aktivitäten am Standort Bungertstraße konzentriert.

Der Konzern überlegt, die hauseigene Kantine aufzugeben - das klingt unspektakulär. Aber auch eine Aufgabe der Küche hätte zur Folge, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Daneben hat die Krise des DVV-Konzerns zur Folge, dass sich einer der wichtigsten Sponsoren des Öffentlichen Lebens kleiner setzen muss. Dabei wird deren Engagement immer wichtiger, weil schon die Stadt überall kürzt und streicht. In anderen Städten zum Beispiel finanzieren die kommunalen Energieunternehmen Schwimmbäder und Veranstaltungszentren, die ansonsten geschlossen werden müssten. Von den Stadtwerken hier darf da nichts erwartet werden.

(RP)