Warnstreik in Duisburg „Dann kleben wir uns eben auf der Treppe vor dem Rathaus fest“

Duisburg · Im Tarifstreik im öffentlichen Dienst sind die Fronten verhärtet. Vor dem Rathaus in Duisburg steht am Dienstag ein Gewerkschafter vor mehr als 1500 Beschäftigten und sagt: „Da wurde ein Scheißangebot vorgelegt.“ Und jetzt? Will man weiter streiken.

 Rund 1500 Beschäftigte zogen am Dienstag durch Duisburg.

Rund 1500 Beschäftigte zogen am Dienstag durch Duisburg.

Foto: Christoph Reichwein (crei)

Es dauert eine Stunde, dann steht in Duisburg auch der Oberbürgermeister neben den Streikenden. „Die Zeiten sind ernst und die Zeiten sind hart“, sagt Sören Link auf der Bühne vor dem Rathaus. Applaus gibt es zuerst nicht. Für Link ist dieser Auftritt nicht einfach. Als Sozialdemokrat muss er den Arbeitskampf unterstützen. Aber als Chef einer Stadtverwaltung mit rund 7000 Mitarbeiterin muss er auch sagen: Nicht alles ist möglich.

Die Gewerkschaft Verdi hat am Dienstag zu einem der größten Warnstreiks in der Geschichte der Stadt aufgerufen. Im öffentlichen Dienst legten zahlreiche Beschäftigte die Arbeit nieder, betroffen waren Dutzende Städte in NRW. Die Folgen: Bahnen der DVG blieben stehen, der Müll wurde nicht abgeholt, Recyclinghöfe waren geschlossen und in Kitas, Sparkassen und der Verwaltung fehlten Mitarbeiter.

Hintergrund ist ein Tarifstreit im öffentlichen Dienst. Verdi fordert 10,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 500 Euro. Die Arbeitgeber versprachen in einem ersten Angebot fünf Prozent und eine Einmalzahlung von 2500 Euro. Eine Einigung gibt es bislang nicht. Vor dem Rathaus in Duisburg steht am Dienstag ein Gewerkschafter auf der Bühne und sagt: „Da wurde ein scheiß Angebot vorgelegt.“

In drei Demonstrationszügen sind die Beschäftigten von DVG, der Stadtverwaltung, den Wirtschaftsbetrieben, Kitas und der Sparkasse durch die Kälte vors Rathaus gezogen. Dort startete gegen 10 Uhr eine Kundgebung. Zuvor hatten sie sich am Recyclinghof in Hochfeld, am DVG-Betriebshof am Unkelstein und vor dem Bahnhof versammelt. Auch Beschäftigte aus Kleve, Wesel, Dinslaken und Voerde haben sich den Protesten angeschlossen.

Es sind überwiegend junge Menschen gekommen. „Zusammen geht mehr“, steht auf ihren gelben Westen. Vor der Bühne hat Verdi einen Lastwagen abgestellt, auf dem ein großer grüner Hulk thront. Immer wieder wird Konfetti in die Luft geschossen. Mehr als 1500 Streikende haben sich vor dem Rathaus versammelt. Nach und nach sprechen Gewerkschafter und kritisieren die Arbeitgeber scharf. Einer sagt: „Wir halten den Laden am Laufen. Aber wenn es sein muss, dann machen wir ihn für ein paar Tage zu.“

Am Burgplatz stellten sie eine Figur des „Hulk“ auf.

Am Burgplatz stellten sie eine Figur des „Hulk“ auf.

Foto: Christoph Reichwein (crei)

Große Einigkeit herrscht hier darüber, dass die Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeber enttäuschend ist. „Das ist ein Joke“, sagt ein Verdi-Mann über das Angebot. Andere sagen: „Frechheit“ oder „Ohrfeige an alle“. Besonders wütend ist man über die Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Karin Welge, die gleichzeitig Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen ist. Zuletzt hatte sie gesagt, den Streik halte sie für „vollkommen überzogen, falsch und unangemessen“. Ein Gewerkschafter auf der Bühne sagt, man werde immer weiter machen. „Und dann kleben wir uns in Gelsenkirchen eben auf der Treppe vor dem Rathaus fest.“

Die DVG hatte die Fahrgäste gebeten, sich um Alternativen wie Fahrgemeinschaften zu bemühen oder auf S-Bahnen und Regionalzüge auszuweichen. Auch das DVG-Kundencenter am Duisburger Hauptbahnhof war betroffen und blieb deshalb am Dienstag geschlossen. Die Abfuhr der Hausmüll-, Bio- und Papierbehälter  verschiebt sich nach Angaben der Wirtschaftsbetriebe um einen Tag nach hinten. Das bedeutet, die Behälter, die ursprünglich dienstags geleert würden, werden am Mittwoch geleert, die Behälter die mittwochs geleert würden, werden am Donnerstag geleert – und so weiter. So verschieben sich jeden Tag die Leerungen bis einschließlich Samstag.

Um 11 Uhr endet die Versammlung. Sören Link drückt zuvor auf der Bühne noch einmal sein Verständnis für den Streik aus, mehrmals hatten die Teilnehmer vor dem Rathaus nach ihm gerufen. „Ihr habt mehr verdient als Klatschen“, sagt er dann. „Aber wir in Duisburg haben auch schon viel getan.“