Duisburg: Vortragskonzert verbindet Beirut mit Duisburg-Ruhrort

Duisburg : Vortragskonzert verbindet Beirut mit Duisburg-Ruhrort

Ein Abend mit Anke Johannsen über ihre Konzertreise in den Libanon im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Dinnerchurch".

Sie ist schon ein musikalisches Kleinod, diese Anke Johannsen, die seit 2010 mit ihrer Musik verstärkt in Duisburg in Erscheinung tritt und mehr und mehr von sich reden macht - und das zu Recht. Musik ist für die engagierte Sängerin, Pianistin und Komponistin eine "Herzensangelegenheit". Mehr noch: "Musik ist Lebenselixier", sagt sie. Und herzerfrischend ist es, ihre Auftritte zu verfolgen, ihren Texten, Liedern und Kompositionen zuzuhören und ihre Konzerte mit allen Sinnen zu genießen.

So war es auch bei dem Ruhrorter Vortragskonzert "Ein Licht für Tripoli" in der Christengemeinde Duisburg auf der Landwehrstraße. Mehr als hundert Gäste kamen in den ehemaligen Tanzsaal der bis 1968 als "Bürgerschänke" bekannten Ruhrorter Gaststätte. Hier hat die Duisburger Freikirche seitdem ihren Sitz. Mit Kraft und Verve startete dann Anke Johannsen in den Abend. "Das Leben hält mehr bereit, als es erscheint", hatte sie als Motto ausgegeben. Und egal, ob am E-Piano sitzend und spielend oder unter der Filmleinwand lesend und vortragend, sie war hochkonzentriert und physisch wie mental allzeit präsent. Glaubwürdig und kompetent, sympathisch und humorvoll, berichtete sie spannend erzählend mit Fotos und Filmen zudem lyrisch musizierend über ihre zehntägige Konzertreise in den Libanon im Dezember vergangenen Jahres.

Anlass für ihr Gastspiel war die Absage einer Deutschen Musikgruppe infolge eines Sprengstoffanschlages im Oktober 2012 in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Da Anke Johannsen 2010 bereits dort war, damals zusammen mit ihrem Schlagzeuger Jens Otto, der sie auch am Samstag auf dem Cajon begleitete, fragte man alternativ bei ihr an, ob sie einer Einladung des deutschen Kulturzentrums in den Libanon folgen würde.

Und so machte sich die 31-Jährige am 7. Dezember auf den Weg, um insgesamt vier Konzerte in Beirut, Jounieh und Balamand zu geben. Was sie im Laufe der zehn Tage alles sah und erlebte, überschrieb sie Kapitel für Kapitel ihres Vortrags mit Begriffen wie "Unbekanntes und Vertrautes", "Atemberaubende Schönheit", "Kontraste", "Momente des stillen Genießens" und "Herz zu Herz". Besonders die "Herz-zu-Herz-Begegnungen", wie sie es nannte, hatten es ihr angetan. Von diesen erzählte Anke Johannsen, teils frei vortragend, teils aus ihrem Blog lesend (www.ankejohannsen.de) mit funkelnden Augen spannend und authentisch. Dazu gehörten die Zusammentreffen mit dem Gastgeberehepaar, mit dem Reiseführer Fahmi, der ihr die große Tempelanlage in Baalbek nahe der Syrischen Grenze zeigte, mit dem 12-jährigen "Kamerakind und Herzöffner" Louis-Justin sowie mit Kholoud, der "Mutter mit Mut". Zu den einzelnen Stationen und Schilderungen intonierte Anke Johannsen inhaltlich passende Songs von ihrer CD "Es war einmal...", darunter "Ein gutes Team" und als Zugabe "Liebe ist überall", als auch aus ihrem aktuellen Pianoalbum "Auf dem Seil". Als Teil der "Dinnerchurch" gab es in der Pause Köstlichkeiten der arabischen Küche. Und statt Eintrittsgeldern wurde eine Kollekte gesammelt, die am Ende des dreistündigen Abends 1348 Euro einbrachte und für den Verein Aktion für verfolgte Christen und Menschen in Not (AVC) bestimmt ist, der sich unter anderem im Norden des Libanon, in der Nähe von Tripoli, um syrische Flüchtlingsfamilien kümmert.

(RP)
Mehr von RP ONLINE