Duisburg: Vorreiter in Glaubensfragen

Duisburg: Vorreiter in Glaubensfragen

An der Rheinhauser Lise-Meitner-Gesamtschule wird alevitische Religion als reguläres Schulfach unterrichtet. Damit ist sie bundesweit die erste weiterführende Schule und durchaus stolz auf diese Rolle: Sie will Vorbild sein.

Rheinhausen Die Fünft- und Sechstklässler, die sich gestern im Unterricht mit den "Zwölf Diensten" nach alevitischem Glauben befassten, leisteten dabei nebenher Pionierarbeit. Die Lise-Meitner-Gesamtschule hat als bundesweit erste weiterführende Schule alevitischen Religionsunterricht eingeführt. Nicht als ergänzendes Angebot der islamischen Glaubensgemeinschaft, sondern als reguläres Fach, gleichrangig neben katholischer und evangelischer Religion.

"Wir etablieren das, weil ich glaube, dass die Vielfalt an einer Schule in allen Bereichen Förderung verdient", sagte Schulleiter Jürgen Petrasch gestern bei der Präsentation des Unterrichts.

Der erste Kursus läuft jahrgangsübergreifend mit zwölf Schülern. Ein weiterer Kurs für die Klassen sieben bis neun ist für das nächste Jahr angepeilt.

Im Sommer 2012 soll alevitischer Religionsunterricht an weiteren weiterführenden Schulen ins Leben gerufen werden, kündigte Ismail Kaplan an, Bildungsbeauftragter der Alevitischen Gemeinde Deutschland.

Moderner Lehrplan

Den Lehrplan hat die Organisation gemeinsam mit dem nordrhein-westfälischen Schulministerium entwickelt. "Es ist ein moderner Lehrplan, wie für anderen Religionsunterricht auch", betonte Kaplan. "Wir vermitteln Sachkompetenz, Urteilskompetenz, Handlungskompetenz. Unsere Schüler sollen die Fähigkeit erwerben, in einer multikulturellen Gesellschaft konfliktfrei zu leben."

Lehrer Ekrem Sahin, der das Fach an der Lise-Meitner-Gesamtschule unterrichtet, ist eigentlich Lehrer für Mathematik und Technik. Für die Religionslehre hat er eine Qualifizierungsmaßnahme abgeschlossen. "Da es kein reguläres Studium für dieses Fach gibt, müssen wir die Lehrer für eine Übergangszeit leider mit Zertifizierungskursen weiterbilden", so Kaplan. Das sei aber nicht unüblich, sondern komme auch bei Fächern wie Physik oder Latein vor. Außerdem bemühe man sich, das Fach "Alevitische Religionspädagogik" an den Universitäten einzurichten — die Uni Köln und die Uni Duisburg-Essen hätten schon Bereitschaft signalisiert.

Aufbruch in neue Dimension

Treibende Kraft hinter der Einführung des Religionsunterrichts an einer hiesigen Schule war die Alevitische Gemeinde Duisburg. Sie betrachtet den Schritt in Rheinhausen als "Grundsteinlegung". "Wir als weiterführende Schule wollen eine Vorreiterfunktion haben", erklärte auch Schulleiter Petrasch: "Das ist der Aufbruch in eine neue Dimension beim Religionsunterricht."

(RP/rl)
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