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Theater Duisburg: Vorname Adolphe - Schluss mit lustig

Theater Duisburg : Vorname Adolphe - Schluss mit lustig

Die rasante Boulevardkomödie "Der Vorname" mit Martin Lindow in der Hauptrolle gastierte am Sonntagabend im Theater Duisburg. Die Theaterkost war zwar leicht, aber nicht seicht, eher tiefgängig.

Um es gleich vorwegzunehmen: "Das war kein Auftakt für ein Comeback von Tourneetheater im 'Schlote'-Stil für das Duisburger Theater", versicherte Schauspielintendant Michael Steindl gegenüber dieser Zeitung, "als die Konzertdirektion Schlote in den Jahren 1988 bis 1996 nämlich hier sogenannte Internationale Theaterabende mit Produktionen von Tourneetheateranbietern veranstaltete. Doch wenn eine gutgeschriebene Gesellschaftskomödie, so wie 'Der Vorname' von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière eine ist, temporeich und treffsicher inszeniert wurde, so wie es die Produktion vom Euro-Studio Landgraf in der Regie von Ulrich Stark nun einmal ist, möchte ich diese Form niveauvoller Theaterunterhaltung dem Duisburger Publikum grundsätzlich nicht vorenthalten."

Ausgangspunkt der am Sonntag in Duisburg gastierenden Boulevardkomödie ist das vermeintlich nette Beisammensein zweier Paare, nämlich Pierre (gespielt von Christian Kaiser) und Elisabeth, genannt Babou (Anna-Maria Kuricova), sowie Vincent (Martin Lindow) und Anna (Julia Hansen), mit ihrem Hausfreund Claude (Benjamin Kernen). Als Vincent, der Bruder von Elisabeth und Jugendfreund von Pierre, der versammelten Gesellschaft mitteilt, dass seine Lebensgefährtin Anna schwanger sei und der zu erwartende Sohn Adolphe (ausgesprochen: Adolf) heißen soll, war Schluss mit lustig. Man könne doch heutzutage kein Kind nach Hitler nennen, war man der Ansicht. Auch Vornamen wie Josef/Joseph (Stalin und Goebbels), Saddam (Hussein) oder - aktuell dazugeschrieben - Donald (Trump) seien tabu.

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Selbst nachdem Vincent alle wissen ließ, dass seine Namensidee nur ein "Fake" gewesen sei, eitel Freude und Sonnenschein wollte sich in die anfangs so gesellige Runde nicht mehr einstellen. Im Gegenteil: Die zwischenmenschlichen Probleme aller untereinander traten offen hervor und eskalierten frei nach dem Motto "jeder gegen jeden". Und statt eines sichtbar gespielten Happy Ends, erzählt Vincent am Bühnenrand in einer Art monologischem Epilog den Zuschauern, dass sein Neugeborenes doch kein Junge sei, sondern ein Mädchen, das den Namen seiner (und Elisabeths) Mutter bekommen würde, nämlich Francoise.

Besetzt wird - wie beim deutschsprachigen Tourneetheater üblich - die Hauptrolle (hier Vincent) einer Tourneeproduktion durch einen bekannten Schauspieler. Martin Lindow ist in dieser Inszenierung ein Glückfall, da er an der Essener Folkwang-Universität studiert hatte und seine schauspielerischen Wurzeln im Theater hat, darunter das Schauspiel Essen, das Düsseldorfer Schauspielhaus und das Schauspielhaus Hamburg, wo 2012 die deutschsprachige Erstaufführung nach der Uraufführung 2010 in Paris von "Der Vorname" stattfand. Dem breiten (Fernseh-)Publikum ist er vor allem als "Der Fahnder" sowie aus viele anderen TV-Krimiserien bekannt, darunter "Polizeiruf 110" und "Tatort".

Seit 2014 spielt er die Vincent-Rolle auf Tournee. Zwei Jahre zuvor hat er im selben Stück am Berliner Renaissance-Theater bereits mitgewirkt, allerdings in der Rolle des Pierre. Die Figur des Vincent sei aber seine Wunschrolle, sagte er in einem Zeitungsinterview. Dass er seine Stimme durchgängig übertrieben verstellt, wird aber dem Egozentriker und Immobilienmakler Vincent weder gerecht noch ist sie angemessen. Andere Kabinettstückchen des gekonnten Boulevardtheaters, wie das "zur Seite (mit dem Publikum) sprechen" oder das genaue Timing, pointengenaue Sprechpausen zu setzen, beherrscht Lindow dagegen ausgezeichnet.

"Heute Abend haben wir echt Spaß miteinander" waren nicht nur Vincents Worte, die das Duisburger Publikum in die Pause schickte, sondern drückte zugleich auch die Stimmungslage desselben bis zum letzten Vorhang aus.

(reife)