Duisburg: Vor dem Durchbruch

Duisburg: Vor dem Durchbruch

Am Sonntagabend, dem 28. Januar, schließt das Museum Küppersmühle für moderne Kunst für vier Monate. In dieser Zeit wird der Erweiterungsbau fertiggestellt und mit dem Altbau verbunden. Der wird im Juni mit einer Kunstschau zum Kohleausstieg wiedereröffnet. In den Neubau zieht die Kunst voraussichtlich 2019 ein.

Der Erweiterungsbau für das Museum Küppersmühle wächst zurzeit von Geschoss zu Geschoss. "Alles läuft reibungslos, wir sind mit dem Baufortschritt und allen am Bau beteiligten Teams sehr zufrieden", sagte gestern Museumsdirektor Walter Smerling gegenüber dieser Zeitung. In Duisburg entstehe mit dem erweiterten Museum Küppersmühle ein absolutes kulturelles Highlight. Die Bauarbeiten kommen bald in eine neue Phase, die dazu führt, dass das Museum Küppersmühle am Sonntagabend, 28. Januar, für rund vier Monate geschlossen wird. In dieser Zeit werden die Durchbrüche zwischen dem Altbau und dem Neubau mitten durch die charakteristischen Silotürme abgeschlossen. Danach werden die Leitungen im elektrischen und heizungstechnischen Bereich mit den beiden Baukörpern synchronisiert. Bei diesen Arbeiten brauche man viel Platz, auch werde viel Staub aufgewirbelt. "Wir müssen in dieser Phase die Kunstwerke ausquartieren oder staubdicht schützen", so Smerling. Deshalb komme man über die viermonatige Schließung nicht umhin.

Im Juni sollen die groben Arbeiten erledigt sein. Dann kann der Altbau wieder genutzt werden. Zur Wiedereröffnung beteiligt sich das Museum Küppersmühle an der großen Verbundausstellung zum Kohleausstieg, bei dem zahlreiche Museen in Nordrhein-Westfalen mitwirken, unter anderen auch das Lehmbruck-Museum und das Museum DKM in Duisburg (die RP berichtete).

Während ab Juni der Ausstellungsbetrieb im alten Museumsteil laufen kann, werden die Arbeiten im Erweiterungsbau fortgesetzt. Auf einen festen Eröffnungstermin mochte sich Smerling gestern nicht festlegen. "Besser genau und sorgfältig als unter Zeitdruck arbeiten", sagte er. Der Rohbau für den Erweiterungsbau könne zwar schon in diesem Jahr fertig werden, aber bis die Inneneinrichtung komplettiert ist, werde es gewiss 2019, ließ er durchblicken.

Dieses Bild bot gestern die Baustelle an der Küppersmühle. Die Arbeiten kommen nun in eine neue Phase. Foto: andreas probst
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Bekanntlich wurde beim lange geplanten Erweiterungsbau das architektonische Konzept gewissermaßen vom Kopf auf die Füße gestellt. Sollte nach den gescheiterten ersten Plänen ein monumentaler leuchtender Quader auf den Silos der einstigen Getreidemühle schweben, so gibt es nun eine ebenerdige Verlängerung des bestehenden Museums. Bemerkenswert ist, dass die Eigentümer des Museums, das Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher, das komplett die Finanzierung übernimmt, am international renommierten Architekten Pierre de Meuron, der einst auch die Umwandlung der Getreidemühle in ein Museum bravourös umgesetzt hat, festhält. Das Scheitern der ersten Erweiterungspläne wird nicht den Architekten angelastet, sondern der Firma, die das Stahlgerüst fehlerhaft geschweißt hat. Trotz der höchst unterschiedlichen Erweiterungskonzepte gebe es eine Konstante, sagte Smerling gestern. Wer das dereinst erweiterte Museum besucht, wird innen kaum merken, dass das Gebäude aus einem alten und einem neuen Teil besteht. "Optisch sieht das Museum bei den verschiedenen Plänen zwar ganz anders aus, aber inhaltlich ändert sich an unserem Ausstellungskonzept nichts", so Smerling.

Durch den Erweiterungsbau gewinnt das Museum eine zusätzliche Ausstellungsfläche von 2500 Quadratmetern: Das ist doppelt so viel wie zurzeit. In dem vergrößerten Museum sei es möglich, die großen Linien der riesigen Kunstsammlung von Sylvia und Ulrich Ströher zu zeigen, verspricht Smerling. In den kommenden Monaten soll die Vorfreude auf das erweiterte Museum geweckt werden. Smerling möchte zu einigen Veranstaltungen "auch vor kahlen Wänden" ins Museum einladen. Und wenn es der Baubetrieb möglich macht, soll die Baustelle auch zur "Schaustelle" werden, bei der sich Interessierte schon mal vorab ein Bild von dem vergrößerten Museum machen können.

So sieht das Modell des erweiterten Museums Küppersmühle aus, das vom Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfen wurde. Foto: herzog & de meuron

Noch stärker als in der Vergangenheit möchte Smerling das Museum als Veranstaltungsort etablieren, wo sich Literatur, Wissenschaft und bildende Kunst begegnen sollen. "Der Erweiterungsbau und das Engagement des kunstbegeisterten Ehepaars Ströher zeigen, dass von Kunst eine starke Kraft ausgehen kann; Kunst kann immer etwas bewegen", sagt Museumsdirektor Smerling.

(pk)
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