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Duisburg: Von "Sumsang" bis zur Einfuhrsteuer

Duisburg : Von "Sumsang" bis zur Einfuhrsteuer

Zollbeamter – das ist kein Beruf für gelangweilte "Sesselpupser". Durchhaltevermögen und ständige Lernbereitschaft sind unverzichtbar. Dafür gibt es spannende Arbeit und manchmal auch viele Überraschungen.

Zollbeamter — das ist kein Beruf für gelangweilte "Sesselpupser". Durchhaltevermögen und ständige Lernbereitschaft sind unverzichtbar. Dafür gibt es spannende Arbeit und manchmal auch viele Überraschungen.

 Dazu muss man keine Spürnase haben, um dieses Handy als Fälschung zu erkennen.
Dazu muss man keine Spürnase haben, um dieses Handy als Fälschung zu erkennen. Foto: Christoph Reichwein

6000 junge Leute haben sich in diesem Jahr für einen der rund 200 Ausbildungsplätze beim Hauptzollamt in Duisburg beworben. Sie haben das Abitur in der Tasche oder die mittlere Reife. Sie finden ein Höchstmaß an Job-Sicherheit erstrebenswert. Sie haben zum Teil ein Bild von Zöllnern vor Augen, das durch Fernsehsendungen geprägt ist und Abenteuer pur verspricht. Doch die meisten Bewerber werden den Berufsalltag gar nicht kennenlernen, weil sie bereits an der Hürde des Aufnahmetests hängenbleiben. Die, die es schaffen, erwartet eine zweijährige Ausbildungszeit, Übernahmegarantie, gute Bezahlung und die spätere Verbeamtung.

Norbert Schiwon hat vor rund vier Jahrzehnten die Hürden erfolgreich genommen und ist heute Zollamtsrat im Hauptzollamt Duisburg. An vielen Stationen innerhalb der Bundesbehörde hat er schon gearbeitet und managt heute zusammen mit seiner Kollegin Susanne Neuhoff die Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit. Er ist "Zöllner" — von Beruf und vor allem aus Leidenschaft. Erzählt er von seinem Job, so kommen darin weniger Schmugglerjagden vor als die ständigen Bemühungen, dem Staat zu dem Geld zu verhelfen, das ihm zusteht.

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2012 waren das beispielsweise 1,2 Milliarden Euro an Einfuhrumsatzsteuer, mehr als 200 Millionen Euro Zölle und 2,5 Milliarden Euro Energiesteuer. Zusammen mit den weiteren Einnahmen landeten 4,5 Milliarden Euro für den Bund allein in der Kasse des Hauptzollamtes Duisburg, das seinen Sitz an der Köhnenstraße in der Innenstadt hat.

Zu wissen, wann welche Abgaben fällig sind, wer, wo und wann Zollgebühren zu entrichten hat — alles das gehört zum Ausbildungsplan der angehenden Mitarbeiter. Dass sie sich nach bestandener Prüfung kontinuierlich fortbilden müssen, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, ist selbstverständlich und gilt auch für diejenigen, die Schwarzarbeit bekämpfen oder andere kontrollierende Tätigkeiten übernehmen. Dazu gehört das Spektrum, das die Öffentlichkeit vermutlich am ehesten mit dem Thema Zoll in Verbindung bringt.

Immer wieder macht die Behörde mit großen Drogenfunden Schlagzeilen oder weil sie Schmugglern anderer Waren das Handwerk gelegt hat. Norbert Schiwon kann dazu eine Menge erzählen und vorzeigen. Denn einige der sichergestellten Waren nimmt er im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit zu Demonstrationszwecken mit, zum Beispiel dann, wenn er bei Ausbildungsbörsen für die Zoll-Laufbahn wirbt oder bei Ausstellungen wie der Campingmesse in Essen darüber informiert, wie aus einem vermeintlich preiswerten Souvenir ein absolut wertloses Mitbringsel wird. Vor allem die Plagiate begeistern nicht nur ihn, sondern in der Regel auch seine Zuhörer.

Das supergünstige Handy der Marke "Sumsang" könnte wohl jeder Laie beim genauen Hinschauen als Fälschung selbst erkennen. Doch wer kommt schon auf die Idee, dass in der verschweißten Verpackung für ein Computerspiel nur eine leere CD steckt? Oder dass die für ein paar hundert Euro gekauften Nachbildungen eines hochwertigen Damenstiefels mit dem Logo eines weltbekannten Modedesigners nicht einmal zehn Euro wert sind, weil sie aus billigstem Kunststoff zusammengeschustert wurden.

Norbert Schiwon selbst hat sich — völlig legal — im Laufe seiner Amtsjahre eine Sammlung gefälschter "hochwertiger" Markenuhren zugelegt, mit der er im Freundeskreis mindestens genau so viel für Heiterkeit sorgt wie mit einem Paar ganz besonderer "Marken"-Sportschuhe, erstanden auf einem Markt im Ostblock. Der Verkäufer packte ihm nicht die vermeintlich super-preiswerten Exemplare ein, die er ihm gezeigt hatte. Sondern im Karton fand Skiwon später in seinem Hotel zwei Schuhe, beide für den linken Fuß...

(RP)