Rp-Serie Atelierbesuche: Von Königen und anderen Menschen

Rp-Serie Atelierbesuche : Von Königen und anderen Menschen

Wolf-Diethard Lipka absolvierte zunächst eine Lehre als Schauwerbegestalter, bevor er eine duale Ausbildung als Grafiker absolvierte. Seit 1979 ist er künstlerisch tätig. Sein Atelier hat er seit 13 Jahren im Künstlerhaus an der Goldstraße.

70 wird er dieses Jahr, doch das sieht und merkt man ihm nicht an. Denn unentwegt ist er in Sachen bildender und darstellender Kunst unterwegs. Letztere dient ihm, dem Maler, Zeichner und Grafiker, zuweilen als Vorlage. Und so vereinigen sich beide Künste in der Ausstellung "47/17 - Dancing, Move", die ab 11. Oktober zu Ehren seines 70. Geburtstages im Duisburger Theater gezeigt wird.

Wolf-Diethard Lipka ist an besagtem Oktobertag 1947 in Jatznick, im heutigen Landkreis Vorpommern-Greifswald im Osten Mecklenburg-Vorpommerns, geboren. Zusammen mit Vater, Mutter und seinen drei Geschwistern floh die Familie 1959 nach West-Berlin. Ein Onkel lebte in Charlottenburg, so dass alle eine vertraute Anlaufstelle im Westen hatten. Über Hamburg ging es weiter ins Ruhrgebiet. So wurde Duisburg 1959 zur neuen Heimat der Lipkas.

Während Wolf-Diethard 1962 eine Ausbildung zum Schauwerbegestalter begann, arbeitete sein Vater, der Maler war, drei Jahre später bis in die 1980er Jahre hinein in der Werkstatt der hiesigen Oper. Während dieser Zeit nahm er seinen "Sprössling" häufig mit zu Proben und Aufführungen. "Die 'Traviata' habe ich mindestens in vier verschiedenen Inszenierungen gesehen", erzählt Lipka Junior. "Und immer wieder war sie ein Erlebnis. Mit Sicherheit war das frühe heranführen an Oper, Schauspiel, Ballett und Musik das Fundament für meine eigene künstlerische Tätigkeit später. Zu gerne wäre ich zwar Bühnenbildner geworden", sagt er, "doch das hat wohl nicht sollen sein."

Nach seiner Ausbildung beim Herrenfachgeschäft Brummer in Duisburg zog es ihn erst in die Zentrale nach Berlin, dann wechselte er zum Kaufhof nach Düsseldorf und von dort anschließend zur Karstadt-Zentrale nach Essen. Hier erkletterte er schnell die Karriereleiter zum "Chief Visual Merchandiser". Zu dieser Zeit, 1976, begann er zudem eine duale Ausbildung als Grafiker, die er 1980 mit dem Diplom abschloss. Seit 1979 ist er künstlerisch tätig und hatte mit "Lippis Bahnhof" in Duisburg-Großenbaum sein erstes Atelier. 1986 zog er mit seiner Werkstatt in Räume der Mozartschule nach Neudorf. Seit 2004 arbeitet er im Künstler- und Atelierhaus Goldstraße.

Schon seit langem ist Lipka Mitglied in der ältesten Duisburger Künstlervereinigung, dem Duisburger Künstlerbund (DKB). Er war dessen Sprecher, saß im Vorstand und ist derzeit als DKB-Delegierter in der Interessengemeinschaft Duisburger Künstler deren Sprecher. Wie schon zu Zeiten als Visual Merchandiser kommt Lipka auch als Künstler viel rum im eigenen Land und darüber hinaus: So 1987, 1988 und 2005 nach Vilnius, 1988 nach Marokko, 2009 nach Tschechien, 2012 nach Polen.

Seit 30 Jahren besitzen er und seine Frau ein sogenanntes "Gemischtes Abonnement" im Duisburger Theater, das alle drei Gattungen der Bühnenkunst - nämlich Oper, Schauspiel und Ballett - bedient. Besonders der Tanz hat es ihm als Zeichner angetan. "Das Hauptmotiv meiner künstlerischen Arbeit ist der Mensch", sagt er. "Ich merke mir die verschiedenen Körperhaltungen und zeichne beziehungsweise male diese dann mit Blei-, Filz- oder Copicstiften aus der Erinnerung heraus. Verfeinert werden diese dann mit Graphit, Schellack und/oder Kreide auf Papier beziehungsweise Öl auf Forex oder Acryl auf Karton."

Rund 30 derartiger Bilder sind vom 11. Oktober bis 3. Dezember in der Ausstellung "47/17 - Dancing, Move" im Theater der Stadt Duisburg zu sehen. "Es sind Momentaufnahmen, spontane Reaktionen, Bewegungen und Tanz, die in eine realistisch-zeichnerische Darstellungsweise übersetzt wurden", heißt es in einem Ausstellungskatalog zu einer gleichnamigen Ausstellung 2015 in Mülheim an der Ruhr. Weiter heißt es dort verkürzt, aber sinngemäß wiedergegeben: Die Motivsuche bleibt nicht auf persönlich Erlebtes beschränkt. Zeitungsausschnitte, Fotos sowie Eindrücke aus den Medien dienten ebenso als Anregung. Jedes Bild bedeutet aus seiner subjektiven Perspektive heraus betrachtet, gleichzeitig das Beziehen einer Position. So übernehmen die Darstellungen den Charakter eines Kommentars - genauer ausgedrückt: einer Epiphanie, also den Augenblick, in dem sich ein Zusammenhang verdeutlicht, der einen exemplarischen Ausschnitt markiert.

Doch bereits in der kommenden Woche, am Freitag, dem 22. September, stellt Lipka in den Räumlichkeiten der Goldstraße 15 (am Dellplatz) erst einmal "Königs"-Bilder aus - Titel der Ausstellung: "Wenn ich ... von Deutschland wär'". Dieser Halbsatz stammt aus einer Textzeile, die Rio Reiser 1986 in seinem Song "König von Deutschland" einst verarbeitete. Auf seinen Bildern gibt es Könige und königliche Accessoires zu sehen. Auch eine Krone, die auf einem Postament stehen wird und die jeder Besucher nutzen kann, um von sich zum Beispiel damit ein "Selfie" zu machen, ist dabei.

Die Laufzeit der kleinen Werkschau wird mindestens bis zum Wochenende 7./8. Oktober gehen. Dann findet nämlich die neue Ausgabe vom "Offenen Atelier" in Duisburg statt, an dem sich auch das Künstler- und Atelierhaus Goldstraße 15 wieder beteiligen wird.

(RP)
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