Duisburg: Von Grün ist noch keine Rede

Duisburg : Von Grün ist noch keine Rede

Im Duisburger Norden wird Platz für einen Wall geschaffen, der die Wohnbebauung von der Industrie trennt. Doch die Arbeiten laufen so langsam, dass Fördergelder in Gefahr sind.

Im Herbst kommenden Jahres soll eigentlich die Bahn frei sein für die Landschaftsgestalter, die auf dem Grund und Boden der bis dahin abgerissenen Häuser in Marxloh und Bruckhausen eine attraktive Grünzone anlegen. Der Wall wird Naherholungsgebiet und Schutzwall zur Industrie zugleich sein. Doch wer sich heute umschaut, wird feststellen, dass dafür noch lange nicht die Basis bereitet ist. Denn in beiden Stadtteilen stehen noch jede Menge Häuser, die eigentlich schon längst dem Erdboden gleichgemacht sein sollten.

Das ganze Verfahren ist in der Abwicklung offenbar sehr viel komplizierter, als anfangs angenommen. Denn zunächst muss die Stadt die benötigten Grundstücke erst einmal besitzen. Der Ankauf aber gestaltet sich schwierig. Wie berichtet weigern sich etliche Eigentümer nach wie vor, zu gehen. Andere verhandeln noch immer über besser Preise und Konditionen. In Marxloh sind bereits leer geräumte Häuser gerade erst von der Stadt "beschlagnahmt" worden, um sie übergangsweise Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen, die für den Jahresanfang angekündigt sind und dann voraussichtlich in so großer Zahl kommen werden, dass die Plätze in den vorhandenen Unterkünften nicht ausreichen werden. Sie werden mindestens für ein halbes Jahr dort bleiben, bis die Unterkünfte am Masurensee stehen.

Ob das Grün nun heute oder morgen kommt, wäre kein Problem, wenn nicht Fristen eingehalten werden müssten. Weil der Bau des "Grüngürtel-Nord" nicht ausschließlich mit Geld von Thyssen und der Stadt bezahlt wird, sondern von der EU und vom Land gefördert wird, ist das Zeitfenster für die Realisierung nicht sehr groß. Für den Grüngürtel müssen bis zum Sommer 2015 alle Bauarbeiten beendet und abgerechnet sein. Die letzten Nachweise will die Bezirksregierung bereits ein halbes Jahr vorher vorliegen haben. Sechs Monate werden dafür kalkuliert, stadtintern alle Rechnung zu prüfen und zu begleichen. Daraus ergibt sich, dass die eigentlichen Bauarbeiten bereits in 24 Monaten abgeschlossen sein müssen.

Ein sehr ehrgeiziges Ziel. Die Bezirksregierung in Düsseldorf hat der Stadtverwaltung bereits mitgeteilt, dass allein in diesem Jahr rund 700 000 Euro nicht abgerufene Zuwendungen verfallen werden. Bislang fehlt bei diesem Vorhaben ein Bauzeitenplan für das Gesamtprojekt. Er gäbe einen deutlichen Überblick, welche Maßnahmen bis zu welchem Zeitpunkt erledigt sein müssen, um im Plan zu bleiben. Die Entwicklungsgesellschaft Duisburg (EG DU), die bei dem Projekt den Hut auf hat, tut zwar ihr bestes, ist aber personell so dünn ausgestattet, dass sie auf Verzögerungen kaum reagieren kann.

Damit sich nicht auf die wichtigsten Fördertöpfe ein Deckel senkt, muss jetzt dafür Sorge getragen werden, dass das geplante Landschaftsbauwerk, der Grünwall, bis Anfang 2015 fertiggestellt ist, fordert das Rechnungsprüfungsamt. All die Maßnahmen, die aus der Spende von Thyssen finanziert werden, könnten auch noch im Anschluss abgewickelt werden.

(RP)