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Duisburg: Von der Dorfkirche bis zur Weltgemeinschaft

Duisburg : Von der Dorfkirche bis zur Weltgemeinschaft

Gestern Abend hielt Karl Kardinal Lehmann seine erste Vorlesung als Mercator-Professor auf dem Duisburger Uni-Campus.

Uni-Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke fühlte sich gestern als Gastgeber des neuen Mercator-Professors sichtlich wohl. Schon lange habe er sich Karl Kardinal Lehmann als Inhaber der traditionsreichen Mercator-Professur gewünscht. Der Kardinal setze sich wie kaum ein anderer hoher katholischer Würdenträger für die Ökumene ein. Als liberaler Vordenker stehe er auch für eine Kirche, die sich dem Wandel der Zeit stellt. Der Kardinal habe nur älter werden müssen, damit er als Mercator-Professor eingeladen werden konnte. Jetzt, da Kardinal Lehmann aus Altersgründen kein offizieller Amtsträger mehr sei, habe er ihn endlich einladen dürfen.

Zwei Vorträge wird Kardinal Lehmann (80) im Rahmen seiner Mercator-Professur halten. Gestern sprach er im Duisburger Audimax der Uni Duisburg-Essen über "Fremde und Heimat im Widerstreit". In seinem schriftlich ausgearbeiteten Vortrag behandelte er den Heimatbegriff recht nüchtern kapitelweise. Er ging auf den Wandel im Heimat-Verständnis ein, beleuchtete den grundsätzlichen Widerstreit von Heimat und Fremde, bevor er Bibelpassagen zum Problemfeld Heimat ausdeutete.

Bevor er auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik zu sprechen kam, erinnerte er an die Charta der Heimatvertriebenen aus dem Jahr 1950. Kardinal Lehmann zitierte daraus den Kernsatz: "Wir Heimatvertriebenen verzichten auf Rache und Vergeltung. Dieser Entschluss ist uns ernst und heilig im Gedenken an das unendliche Leid, welches im Besonderen das letzte Jahrzehnt über die Menschheit gebracht hat." Kardinal Lehmann fügte dem Zitat hinzu: "Das sind unvergessliche Worte."

Der Vorlesung im Audimax ging ein Pressegespräch in kleiner Runde voraus. Da zeigte sich, wie sich bei Kardinal Lehmann wissenschaftliche Akribie beim Ausarbeiten seines Vortrags und spontane Lebensklugheit ergänzen. Der Kardinal sprach da sehr persönlich über seine eigene Erfahrung mit der Heimat, die er mit der Familie verbindet. Sein Vater war Dorfschullehrer, heimatliche Traditionen seien ganz selbstverständlich gewesen. Man solle nicht die positiven Seiten der Heimatliebe vernachlässigen. Die habe zu vielen schönen kulturellen Errungenschaften geführt.

Auf die Flüchtlingskrise angesprochen, lobte Kardinal Lehmann die vielen freiwilligen Flüchtlingshelfer in den Gemeinden. Gegenüber Pegida und AFD zeigte er sich kritisch, mahnte dazu, nach den Ursachen von Fremdenfeindlichkeit zu fragen. Auf die Parteien gemünzt, sagte er, dass es "viel eitles Spiel bei der Flüchtlingspolitik" gebe. Dabei sei jetzt die Zeit für mehr Gemeinsamkeit.

(pk)