1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Von Abgasen und Verkehrskonzepten

Duisburg : Von Abgasen und Verkehrskonzepten

Im Grammatikoff wurde am Dienstagabend über das Thema Fahrverbote für Dieselfahrzeuge diskutiert. Auch alternative Antriebsmodelle waren Thema. Tenor: E-Mobilität ist (noch) kein Allheilmittel.

Der Saal im Grammatikoff hätte eigentlich voller sein sollen. Aber schwere Gewitter und Starkregen hatten am frühen Dienstagabend dafür gesorgt, dass mancher Interessent den Veranstaltungsort am Dellplatz nicht erreichte. Dabei war das Thema, zu dem die Duisburger Stiftung für Umwelt, Gesundheit und Soziales eingeladen hatte, hochaktuell.

Über "Fahrverbote oder Verkehrswandel?" wurde auf der Bühne, aber auch mit dem Publikum lebhaft diskutiert. Prominenter Gast war Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), die bei der Umweltorganisation für den Bereich Verkehr und Luftreinhaltung zuständig ist. Die Klage der DUH gegen die Luftreinhaltepläne der Städte Düsseldorf und Stuttgart wurde nach dem Widerspruch der betroffenen Städte vom Bundesverwaltungsgericht ausdrücklich für zulässig erklärt. Damit wurde höchstrichterlich bestätigt, dass bei Überschreitung der Grenzwerte für Stickoxide in den Ballungsräumen Fahrverbote für Dieselfahrzeuge ausgesprochen werden können, ohne dass es eine bundeseinheitliche Regelung gibt.

  • Luftverschmutzung : Experten unisono gegen Diesel-Fahrverbot
  • Leverkusen : Grüne installieren zwei neue Messstellen für Stickstoffoxide
  • Dinslaken : Fahrverbot ist nicht geplant

Die Talkrunde wurde komplettiert durch Kerstin Ciesla vom BUND Duisburg und Norbert Bömer von der BI "Saubere Luft". Dass es erst zu der Diskussion um Diesel-Fahrverbote gekommen ist, lastet Dorothee Saar den Bundesregierungen der letzten Jahre an. Bereits 2008 traten in der EU neue Schadstoff-Vorschriften in Kraft, den damals festgelegten Grenzwerten (40 Mikrogramm Stickoxide pro Kubikmeter Luft) stimmte auch Deutschland ausdrücklich zu.

"Vorschläge der EU zur verbesserten Luftreinhaltung wurden regelmäßig ignoriert, jetzt wird es zur Klage kommen, die am Ende teuer für den Steuerzahler werden kann", erläuterte die Umwelt-Expertin. Die Mitarbeiterin der Deutschen Umwelthilfe stellt klar: "Wir kämpfen nicht für ein Fahrverbot, wir fordern nichts anderes als die Einhaltung geltenden Rechts."

Mit der Aktion "Abgas-Alarm" leistet die Umwelthilfe zudem einen Beitrag, Messergebnisse auf breiterer Basis zu ermitteln. An 559 Messstellen hat man im Februar dieses Jahres leicht zu implementierende "Passivsammler" in den Ballungsräumen installiert. Mit diesen einfachen Messstellen wurde die Belastung der Atemluft durch das Dieselabgasgift Stickstoffdioxid (NO2) einen Monat lang gemessen. Damit hat man doppelt so viel Messstellen eingerichtet, wie das behördliche Messnetz aufweist.

Norbert Bömer von der Bürgerinitiative "Saubere Luft" kann sich vorstellen, zwanzig dieser Mini-Messstellen zu sponsern: "Das ist eine gute Idee, die sollten wir aufgreifen."

Aber nicht nur über Abgaswerte wurde diskutiert, man war sich einig, dass grundsätzlich ein Umdenken in Sachen Verkehr stattfinden muss. Kerstin Ciesla brachte es mit ihrer überspitzten Frage auf den Punkt: "Brauchen wir den Individualverkehr in der jetzigen Form überhaupt, gibt es ein Menschenrecht auf Autofahren?" Einig war man sich auch darüber, dass es nichts bringt, eine Antriebstechnik gegen eine andere auszutauschen. Bei der immer stärker geforderten E-Mobilität sei zu beachten, dass bei dem derzeitigen Stand der Technik für die Herstellung der Batterien es wieder zur einer nicht zu verantwortenden Ausbeutung von Rohstoffen kommen wird. Zudem sei das Recycling-Problem überhaupt nicht gelöst. Norbert Bömer: "Wir machen gerade den gleichen Fehler noch einmal."

(RP)