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Duisburg: Vom Umgang mit dem Risiko

Duisburg : Vom Umgang mit dem Risiko

interview Klaus Ulrich, Leiter des Bereichs Firmenkunden bei der Deutschen Bank in Duisburg, fordert eine systematischere Vorbereitung auf Krisenzeiten bei mittelständischen Unternehmen.

interview Klaus Ulrich, Leiter des Bereichs Firmenkunden bei der Deutschen Bank in Duisburg, fordert eine systematischere Vorbereitung auf Krisenzeiten bei mittelständischen Unternehmen.

Nicht erst in Zeiten der Krise ist für Unternehmen ein Risikomanagement besonders wichtig. Diese Binsenweisheit hat sich im betrieblichen Alltag vieler Unternehmen aber noch nicht richtig durchgesetzt, wie eine bundesweite Umfrage der Deutschen Bank jetzt ergab. Klaus Ulrich, Leiter des Bereichs Firmenkunden, äußerte sich jetzt dazu im Interview mit RP-Redakteur Mike Michel.

Herr Ulrich, wie lange sind sie schon im Bereich Firmenkunden tätig?

Ulrich Das mache ich jetzt schon seit über 30 Jahren.

Da kann Sie doch wahrscheinlich so schnell nichts mehr überraschen...

Ulrich Nun, eine Wirtschaftskrise mit derartigen Ausmaßen wie momentan hatten wir zuletzt 1929. Da hatte wohl in dieser Form niemand mit gerechnet. Aber die Ergebnisse der Umfrage zum Risikomanagement hatte ich schon so erwartet. Ich sehe mich eher in meiner Auffassung bestätigt, Unternehmen mit den jetzt noch frischen Erwartungen auf die Bedeutung des Risikomanagements hinzuweisen.

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Warum gerade jetzt?

Ulrich In Hochzeiten ist in vielen Betrieben vermeintlich keine Zeit, sich mit Risikomanagement zu beschäftigen, in schlechten Zeiten ist es eigentlich schon zu spät. Risikomanagement ist etwas anderes als Problemmanagement. Das setzt erst dann an, wenn die Probleme schon offen zutage getreten sind. Viel besser ist es doch, schon vorher Risiken identifizieren zu können und Richtlinien und Kennzahlen zu definieren. Damit kann man schon im Vorfeld festlegen, wie man auf bestimmte Entwicklungen reagiert. Dann lassen sich die Probleme schon anpacken, bevor sie überhaupt die Außenwelt erreichen.

Was sind denn die typischen Risikofelder bei mittelständischen Unternehmen?

Ulrich Die Umfrage hat ergeben, dass Absatz- und Ausfallrisiken zuerst genannt wurden. Zu den wichtigsten Risikoarten gehören aber auch Schwankungen bei den Rohstoffen, Wechselkursen und Energiepreisen. Nicht zuletzt auch Liquiditätsrisiken, die in unserer Region noch etwas häufiger genannt wurden als in anderen Gebieten Deutschlands.

Was halten Sie denn in diesem Zusammenhang von dem viel diskutierten Vorschläge, Kredite an die Unternehmen direkt durch die Bundesbank zu geben?

Ulrich Diese Notwendigkeit sehe ich nicht. Wir kennen unsere Kunden oft schon viele Jahre und bieten gerade in diesen unruhigen Zeiten neben einer intensiven Beratung aktiv die frühzeitige Nutzung der öffentlichen Sonderprogramme an. Schließlich leben wir mit unseren Kunden und ihrem Weitblick, auf sich wandelnde Märkte zu reagieren. Von einer Kreditklemme kann bei der Deutschen Bank in Duisburg ohnehin keine Rede sein. Wir haben im vergangenen Jahr unseren Kreditrahmen um sechs Prozent gesteigert.

Wie kann das Risikomanagement denn noch verbessert werden?

Ulrich Es ist nicht damit getan, eine entsprechende Software zu kaufen. Das Risikomanagement muss auf Größe und Komplexität des Unternehmens ausgerichtet sein. Es gilt, individuelle bestehende Risikoquellen sowie die Risikotragfähigkeit eines Unternehmens zu ermitteln. Selbstverständlich ist das Chefsache – dennoch kann es nur funktionieren, wenn auch andere Unternehmensbereiche wie Finanzen, Controlling, Einkauf, Verkauf, oder Marketing daran beteiligt sind. Woran es in vielen Fällen hapert, ist ein systematisiertes Vorgehen.

(RP)