Duisburg: Vom Krieg der Blicke und Körper

Duisburg: Vom Krieg der Blicke und Körper

Ein Streifzug durch Produktionen der Duisburger Akzente "Nie wieder Krieg?", die am Sonntag, 18. März, enden.

Noch vier Tage, dann sind die 39. Duisburger Akzente Vergangenheit. Doch heute schon will das städtische Kulturdezernat Bilanz ziehen, dabei bietet das Stadtfestival noch bis Sonntag weitere überaus interessante Veranstaltungen wie in den Tagen zuvor. So gibt und gab es Berichtenswertes in Sachen Theater, Tanz und Literatur, darunter am vergangenen Freitag und Samstag einen spektakulären Cyberwar-Parcours durch den Innenhafen unter dem Titel "Warzone - Der Auftrag".

Szene mit Lukas Makevicius (links) und Jack Rehfuß im Drama "Kain". Foto: Sascha Kreklau

Der Musiker, Komponist und Projektentwickler Peter Eisold hatte einen auditiven, virtuellen Kriegsschauplatz für das Ohr rund um den "Garten der Erinnerung" eingerichtet. Durch ihn ließ er zwei Kommandoeinheiten mit Kopfhörern und Empfängern, WhatsApp-Zugängen und LED-Lampen ausgestattet ziehen. Inspiriert vom Roman "Thyl Uhlenspiegel" von Charles De Coster, der vom Freiheitskampf der Flamen gegen die spanische Herrschaft im 16. Jahrhundert erzählt, wurden die jeweils zwei Dutzend agierenden Mitstreiter in die besagte Kampfzone geschickt. Auf ihrem Weg dorthin erhielten diese ständig Anweisungen aus der Kommandozentrale, denn sie hatten den Auftrag, vermeintliche Angreifer abzuwehren, um - wie es hieß - "das Überleben der Demokratie zu sichern". Der Gang durch das fiktive Kriegsgebiet wurde somit zu einem interaktiven Hörtheater, verbunden für die Teilnehmer mit etwas Stress, aber hohem Spieleanteil und großem Unterhaltungswert.

Es ist die Rückbesinnung auf den Ursprung von Konfliktsituationen, nämlich die archaische Konstellation von "Angesicht zu Angesicht zu kämpfen" oder sich "Auge in Auge gegenüberzustehen", die das Kaiser Antonino Dance Ensemble in ihrer neuen Akzente-Produktion "Radical Roots" choreografiert. Die Premiere fand am Wochenende im Museum DKM statt. Nachdem das Publikum von dem diesmal fünfköpfigen Ensemble bereits in den vorderen Museumsräumen in Form eines Epilogs in Empfang genommen wurde, fand die eigentliche Tanzperformance erneut im "Düsseldorfer Raum" statt. Der Einmarsch der Tanzenden gestaltete sich zu einem Aufmarsch der Kämpfenden. Zu dem tanzten Sergio Antonino und Miriam Engel einen Pas de deux vom Krieg der Blicke und Körper. Szenen von Gefechtsbereitschaft und Kampf, Rückzug und Trauer schlossen sich an. Dazu erklang eine "Musik" von Bombenhagel, Artilleriebeschuss und Gewehrsalven. Zudem ertönten A-capella-Gesänge zum Gedenken an die Toten und als Zeichen der Hoffnung auf Frieden. Das perfekt entwickelte und umgesetzte Tanztheater schloss mit der Metapher, nicht Menschen zu schlagen, sondern - wie hier - verkneteten (Hefe)Teig.

"Back to the roots" hieß es auch bei der Premiere des expressionistischen Dramas "Kain" von Friedrich Koffka (1888-1951) am Dienstag im Foyer III des Stadttheaters. Es ist wohl der älteste Konflikt der Menschheit, der im Brudermord von Kain an Abel bekanntlich endet, und den sich der Jugendclub "Spieltrieb" als Inszenierungsstoff vornahm. Blutrot leuchtete die Bühne vorahnend am Anfang wie ebenso am Schluss der 50-minütigen Aufführung. Regisseur Kevin Barz hat die Ausgangssituation des Einakters als ein Fitness-Studio angelegt mit großer Sprossenwand, Laufband und Hanteln. Doch Abel (gespielt von Jack Rehfuß) nutzen offensichtlich all seine körperlichen Abreaktionen aufgestauter Aggression an den Geräten wenig, wenn sein introvertierter Bruder Kain (gespielt von Lukas Macevicius) als Ventil seiner verbalen Gewalt nur Totschlag kennt. Ist ein Mörder in unserer Welt nicht zuweilen auch Opfer und umgekehrt? Dieser Frage gehen Stück und Regie vortrefflich nach.

"Sag mir, dass du mich liebst" lautete der Titel einer Aufführung am Sonntag im Kleinkunsttheater "Die Säule". Proppenvoll war die Lesung, obwohl vor Jahren an gleicher Stelle dasselbe Thema schon einmal auf dem Spielplan der Bühne stand. Doch sowohl die textliche wie musikalische Zusammenstellung, als auch die szenische Einrichtung wie die künstlerische Besetzung und nicht zuletzt der Titel der Aufführung unterschieden sich in ihren jeweiligen Inszenierungen. Waren es seinerzeit die echten wie fiktiven Liebesbriefe zwischen Erich Maria Remarque und Marlene Dietrich, die als Briefwechsel szenisch gelesen wurden, war das Format der Neuaufführung eher ein Gespräch zwischen beiden. Das Publikum der "Säule" war erneut hoch erfreut und zufrieden mit der Vorstellung und applaudierte beiden Schauspielern (Margit Sartorius-Rühaak und Siemen Rühaak) und dem Musiker (Robert Stöckle) herzlich.

Informationen im Internet unter www.Duisburger-Akzente.de

(RP)