Duisburg: Vom Ein-Euro-Job zum Examen

Duisburg: Vom Ein-Euro-Job zum Examen

Der Weg der Moerserin Melanie Mix zur Fachkraft für Altenpflege war durchaus steinig. Eine Geschichte, die sich zum Guten gewendet hat.

Es ist eine Geschichte, die Mut machen kann. Sie spielt in Homberg und Moers, erzählt wird sie von Verantwortlichen des Kirchenkreises Moers: Mit ihrer Tochter (damals acht Jahre alt) und einem Ein-Euro-Job lebte Melanie Mix alleine in Moers. Ganz anders sieht es für die heute 31-Jährige drei Jahre später aus. Vor einigen Wochen bestand sie ihr Examen als Fachkraft für Altenpflege mit ,sehr gut' und geht ab dem 15. Oktober von der Homberger Diakoniestation der Grafschafter Diakonie-ambulante Pflege gGmbH aus auf tägliche Pflegetour. Sozusagen "nebenbei" lernte Mix zudem einen neuen Partner kennen und ist ein zweites Mal Mutter geworden.

Die stetige Entwicklung zum Guten habe mit einem Gespräch mit Dagmar Balluff, der zentralen Pflegedienstleiterin der ambulanten Pflege, begonnen. "Ich habe eine soziale Ader und war auf der Suche nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit, um trotz der schwierigen Situation unter die Leute zu kommen und aktiv zu bleiben", sagt Melanie Mix. Der Leiterin der ambulanten Pflege hatte das gefallen. Vom Engagement der jungen Frau angetan, schlug sie spontan eine Alternative vor: "Ich habe sie gefragt, ob sie eine Ausbildung in einer unserer fünf Diakoniestationen machen möchte, das wäre auch in ihrer Lebenssituation möglich", erinnert sich Balluff.

Gemeinsam wurde überlegt, wie die alleinerziehende Mutter das organisieren könnte. Herausgekommen ist folgende Mischung: Finanziert durch das Jugendamt kümmerte sich eine Tagesmutter am Nachmittag um die Tochter, und an Tagen mit Spät- oder Wochenenddienst brachte die Mutter das Mädchen zu den Großeltern. Für Melanie Mix keine einfache Zeit. Sich abwechselnd auf die Ausbildung in der Rheinberger Diakoniestation oder im Kamp-Lintforter Fachseminar für Altenpflege und auf ihr Kind zu konzentrieren, hat die nun examinierte Altenpflegerin Kraft gekostet. "Ohne meine Eltern hätte ich das nicht geschafft." Das gilt auch für ihren Partner, der sich nach der Geburt der gemeinsamen Tochter vor fünf Monaten Erziehungsurlaub nahm.

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Dass sich die Anstrengung gelohnt hat, davon ist Melanie Mix allerdings überzeugt. "Ich kann nur allen raten, sich zu trauen, das umzusetzen. Man hat einen guten Beruf und kann sich später noch weiterbilden, etwa als Pflegedienstleitung, für den medizinischen Dienst oder in der Fachpflege, etwa im dementiellen Bereich."

Die Ausbildung zur Fachkraft für Altenpflege dauert drei Jahre. Praxis und schulische Ausbildung findet in Blöcken statt. Als schulische Vorbildung benötigen Interessenten einen erweiterten Hauptschulabschluss. 18 Auszubildende zur Fachkraft für Altenpflege bereiten sich derzeit bei der Grafschafter Diakonie auf ihr Examen vor. Jede der sechs Diakoniestationen stellt pro Jahrgang mindestens einen Auszubildenden ein.

Kontakt für Interessierte: Dagmar Balluff, zentrale Pflegedienstleiterin Grafschafter Diakonie - ambulante Pflege gGmbH, s 02841/1790513

(RP)
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