Duisburg: Volker Pispers wird immer besser

Duisburg : Volker Pispers wird immer besser

Er ist einer der letzten Dinosaurier der politischen Kabaretts, und er füllt regelmäßig große Säle wie jetzt wieder einmal das ausverkaufte Duisburger Theater am Marientor (TaM). Volker Pispers ist nämlich einfach gut.

Seine seit langem bewährte Mischung aus scharfer Analyse, sarkastischer Überzeichnung und saukomischen Witzen zieht nach wie vor. Seit 2002 spielt er unter dem Titel "Bis neulich" seine zeitlos gültigen Texte, natürlich ständig aktualisiert und immer weiter pointiert.

Zunächst ist er ein gnadenloser und scharfzüngiger Beobachter der wirtschaftlichen, sozialen und moralischen Lage in unserem Land und auf der Welt, die er in einem Bonmot nach dem anderen auf den Punkt bringt, in der Art: "Wenn Sie nicht für gesetzliche Mindestlöhne sind, dann sind Sie eine extrem unappetitliche Körperöffnung." Die klare Ursache allen Übels sieht er im Kapitalismus: "Wenn der Kapitalismus zusammenbricht - auf seinem Grabstein wird stehen: Zuviel war nicht genug -, dann wird man Sie fragen: Welche Rolle haben Sie in diesem Schweinesystem gespielt? Und Sie können dann ihren großen Karton mit den Kabarett-Eintrittskarten hervorholen und sagen: Ich war im Widerstand!"

Wir leben in einem Land, in dem Geschlossenheit und Harmonie die höchsten Werte sind: "Wenn eine Partei diskutiert, schreibt die deutsche Presse, die Partei ist zerstritten. Wenn für einen Parteiposten zwei kandidieren, nennt die deutsche Presse das eine Kampfkandidatur. Tritt nur einer an, ist es eine Wahl."

Da hört jeder gebannt zu, auch wenn man nicht in allen Punkten, mit der Meinung von Volker Pispers übereinstimmt. Sehr oft wird sein Vortrag von donnernd zustimmendem Applaus unterbrochen. Natürlich auch von befreitem Gelächter, da dieser Kabarettist einfach saukomisch sein kann, zum Beispiel mit der Feststellung: "16 000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland durch Ärztepfusch. Statistisch gesehen, bringt also jeder Arzt in Deutschland alle acht Jahre jemanden um. Fragen Sie Ihren Arzt lieber, wann bei ihm wieder einer fällig ist!" Oder über politisch korrekte Ausdrücke: "Wir sagen heute nicht mehr Sklaven, wir sagen Hausfrauen."

Nach drei spannenden Stunden kommt Volker Pispers zum Schluss: "Ich freue mich wie ein Schneekönig über meinen derzeitigen Erfolg. Aber besuchen Sie auch mal die Auftritte der Kollegen, die Sie noch nicht aus dem Fernsehen kennen. Die Veranstalter haben die nämlich nicht gefunden, indem sie Pfeile aufs Telefonbuch geworfen haben."

(RP)