Duisburg: Vier Jahre Haft für Überraschungskomplizen

Duisburg : Vier Jahre Haft für Überraschungskomplizen

Mit einer Verurteilung zu vier Jahren Gefängnis wegen schwerer räuberischer Erpressung endete gestern nach nur vier Stunden vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz der Prozess gegen einen 58-jährigen Wanheimerorter. Am Morgen des 30. Januar 2014 war er an einem Überfall auf eine Sparkassenfiliale an der Schwanstraße in Fahrn beteiligt gewesen.

Sein Komplize, maskiert mit Perücke und falschem Schnurrbart, der Zeugen an die Kultfigur Horst Schlämmer erinnerte, hatte am Personaleingang einen Angestellten nach dem anderen abgepasst. Er bedrohte sie mit einer ungeladenen Gaspistole, fesselte sie und zwang zwei Mitarbeiter, den Tresor zu öffnen. Währenddessen passte der Angeklagte draußen auf, stand per Funk in Verbindung mit dem Räuber und warnte ihn vor weiteren eintreffenden Mitarbeitern. Die Beute von 205 000 Euro hatte das Duo nach dem Überfall geteilt. Der Angeklagte bekam nur 95 000 Euro ab, weil er das geringere Risiko getragen hatte. Der 57-jährige Haupttäter war im April vom Landgericht wegen insgesamt fünf Raubüberfällen auf Geldinstitute in Duisburg und Ratingen mit einer Gesamtbeute von 565 000 Euro zu neuneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Die Polizei, die schon Anhaltspunkte dafür hatte, dass bei dem letzten Überfall in Fahrn ein zweiter Täter mit im Spiel war, hatte er zunächst mit der Behauptung in die Irre geführt, es sei ein türkischer Mitbürger gewesen, mit dem er zusammen dem Glücksspiel gefrönt und deshalb neues Geld benötigt habe. Im Laufe seines Prozesses hatte er seinen alten Sandkastenkumpel überraschend als Mittäter benannt.

Bereits am nächsten Tag war der 58-jährige städtische Angestellte festgenommen worden und in der Untersuchungshaft gelandet. Vor der Strafkammer legte der bislang unbestrafte Mann gestern ein umfassendes Geständnis ab. "Ich kann mir selbst nicht erklären, wieso ich mich dazu habe überreden lassen", so der 58-Jährige. "Ich hatte zwar ein paar Geldprobleme, aber die hätten sich auch anders lösen lassen." Im Urteil, mit dem die Kammer nur ein Jahr über der Mindeststrafe blieb, berücksichtigten die Richter, dass der Vater einer erwachsenen Tochter seine unbescholtene bürgerliche Existenz durch die Tat ruinierte. Strafmildernd wirkte sich ebenfalls aus, dass der Mann unmittelbar nach seiner Festnahme ein Geständnis ablegte. Strafschärfend wirkten sich die Folgen für die überfallenen Sparkassenangestellten aus: Zwei von ihnen mussten anschließend psychologisch betreut werden, waren längere Zeit nicht arbeitsfähig.

(RP)
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