Sigmar Gabriel in Duisburg: "Vieles ist außer Rand und Band"

Sigmar Gabriel in Duisburg : "Vieles ist außer Rand und Band"

Bei einer Wahlkampfveranstaltung der SPD auf dem König-Heinrich-Platz hat Sigmar Gabriel nicht nur bundespolitische Fragen thematisiert. Er ist auch auf die aktuelle Situation in Hochfeld und am Problemhaus in Bergheim eingegangen.

In der Regel haben Wahlkampfveranstaltungen den Sinn, eigene Parteimitglieder zu motivieren und Präsenz zu zeigen. Für den Auftritt des SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel in Duisburg am Dienstag traf dies auch zu, doch zeigte sich Gabriel auch offen im Dialog mit Bürgern und aktuellen Problemen der Stadt Duisburg.

Bei der Veranstaltung, bei der auch Oberbürgermeister Sören Link, die Bundestagskandidaten Bärbel Bas und Mahmut Özdemir sowie Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger sprachen, spielte die prekäre finanzielle und soziale Lage in zahlreichen NRW-Kommunen eine große Rolle. Sören Link sagte dazu: "Es hat mit der Würde einer Stadt zu tun, ob sie mit eigenem Geld handeln kann oder nicht."

Während Link auf den finanziellen Spielraum der Stadt verwies, gingen Sigmar Gabriel und Ralf Jäger direkt auf aktuelle gesellschaftliche Probleme in der Stadt ein. NRW-Innenminister Jäger erinnerte an den gemeinsamen Besuch mit Gabriel in Hochfeld. Damals hatte sich der SPD-Parteivorsitzende ein Bild davon machen wollen, mit welchen Problemen Städte durch Armutszuwanderung zu kämpfen haben. Zu der Situation in Duisburg sagte Gabriel: "Ich bin ganz bestimmt kein Ausländerfeind oder Sprücheklopfer, aber auf eines müssen wir achten: Dass uns die Nachbarschaften hier nicht auseinanderbrechen."

Verständnis für die Anwohner des Problemhauses

Am Dienstag zeigte Gabriel vor allem viel Verständnis für die Bewohner in Hochfeld und auch Bergheim. "Die Nachbarn haben hier viel gelassen ertragen, aber an einem bestimmten Punkt ist es schwer zu ertragen. Es ist mittlerweile vieles außer Rand und Band.", sagte er. Es sei wichtig hier "mitteleuropäische Gepflogenheiten" zu beachten und letztendlich an die Eltern zu geraten und mit ihnen nach Lösungen zu suchen.

Als Antwort auf die Nachfrage eines kleinen Jungen sagte Gabriel aber auch, wie wichtig es sei gegen Rechtsradikale vorzugehen. Konkret warb er für ein Verbot der NPD. "Ich glaube nicht das damit alle Neonazis verschwinden, aber sie müssen auch nicht mit Steuermitteln Parole machen", erklärte er.

Duisburg als wichtiger Industriestandort

Wie auch Bundestagskandidat Mahmut Özdemir und der bisherige Bundestagsabgeordnete Johannes Pflug, betonte Gabriel, die Rolle der Industrie für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands. Er unterstrich seine Meinung, dass qualifizierte Arbeiter für den Wirtschaftsaufschwung notwendig seien. Johannes Pflug hatte zuvor betont, dass es für Duisburg deshalb auch notwendig sei, die eigene Universität stärker mit den Industrieunternehmen zu vernetzen.

Im Dialog mit den Bürgern wirkte Sigmar Gabriel souverän, ohne dabei Konflikten aus dem Weg zu gehen. Eine Bürgerin, die Kritik an Beamten- und Politikergehältern und deren Dienstwagen geäußert hatte, lud Sigmar Gabriel zu einer einwöchigen Tour mit ihm ein. Gabriel zeigte sich in der Diskussion auch nicht gehemmt, einzelnen Bürgern direkt zu sagen, dass er ihre Fragen und Vorwürfe für Unsinn hielt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wahlkampf 2013: Sigmar Gabriel besucht Duisburg

(ac)
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