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Duisburg: Viele Auswanderer wollen zurück

Duisburg : Viele Auswanderer wollen zurück

Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen sind an einer großangelegten Studie beteiligt, bei der deutsche Auswanderer nach ihren Motiven, den Rahmenbedingungen und den Folgen ihrer Entscheidung befragt werden.

Seit Jahren wandern mehr deutsche Staatsangehörige aus, als nach Deutschland zurückkehren. Zwischen 2009 und 2013 wurden rund 710 000 Fortzüge registriert, dem standen nur etwa 580 000 Zuzüge gegenüber. Somit verliert Deutschland jährlich im Durchschnitt rund 25 000 Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Dies wirft angesichts des sich abzeichnenden demografisch bedingten Fachkräftemangels die Frage auf, welche Motive für eine Aus- und Rückwanderungsentscheidung leitend sind.

Für die Studie "International Mobil. Motive, Rahmenbedingungen und Folgen der Aus- und Rückwanderung deutscher Staatsbürger", an der - neben dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden - auch die Uni Duisburg-Essen beteiligt ist, konnten erstmals Aus- und Rückwanderer in größerem Umfang befragt werden. Die Stiftung Mercator förderte die Studie.

Für die Entscheidung zur Auswanderung ist, so ein Ergebnis der Studie, meist ein Bündel an Motiven ausschlaggebend. Am häufigsten werde neben beruflichen Gründen (66,9 Prozent) der Wunsch genannt, neue Erfahrungen zu machen (72,2 Prozent). Immerhin 41,4 Prozent der Befragten nennen Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland als Beweggrund für eine Auswanderung.

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Ein höheres Einkommen im Ausland erhoffen sich 46,9 Prozent der Befragten. Tatsächlich führt die Auswanderung für die meisten international mobilen Deutschen zu einer Erhöhung des Einkommens, und zwar unabhängig von Bildungsniveau oder Berufsqualifikation. Doch das hat seinen Preis. So gaben 43,5 Prozent an, dass sich die Auswanderung negativ auf ihren Freundes- und Bekanntenkreis ausgewirkt habe.

Die Studie hat Pilotcharakter, weil erstmals in großer Zahl Auswanderer und Rückwanderer angeschrieben und für eine Befragung erreicht werden konnten. Im Unterschied zu früheren Studien kann so die gesamte Bandbreite von international Mobilen erfasst werden. Die systematisch gezogene Stichprobe umfasste 3000 Aus- und 4500 Rückwanderer, die zur Teilnahme an der Umfrage eingeladen wurden. Für die Studie wurden Antworten von insgesamt 1700 Personen ausgewertet, darunter knapp 800 Aus- und rund 900 Rückwanderer. Die Ergebnisse liefern aussagekräftige und belastbare neue Erkenntnisse zur Frage, wer auswandert und welche Motive dabei eine Rolle spielen. Sie sind aber nicht repräsentativ für die Gesamtheit der deutschen Aus- und Rückwanderer.

Die Studie gibt auch Aufschluss über die Sozialstruktur der international Mobilen: Die befragten Aus- und Rückwanderer sind deutlich jünger als die deutsche Wohnbevölkerung, überproportional viele stammen aus einem bildungsnahen Elternhaus und haben deutlich höhere Bildungsabschlüsse. Akademiker und Führungskräfte sind unter den Auswanderern stark überrepräsentiert.

Bei den Auswanderern liegt der Anteil der Hochqualifizierten bei 70 Prozent. Aber auch bei den Rückwanderern ist ihr Anteil mit 64,1 Prozent sehr hoch. "Das weist darauf hin, dass es sich um zirkuläre Wanderungen vor allem jüngerer, qualifizierter Personen handelt", sagt Prof. Dr. Marcel Erlinghagen, Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Sozialstrukturanalyse der Universität Duisburg-Essen. Das zeige auch der hohe Anteil von Befragten, die eine Rückkehr beabsichtigen: Etwa 41 Prozent der im Ausland lebenden Deutschen geben an, dass sie nach Deutschland zurückkehren möchten. Rund ein Drittel möchte eher im Zielland bleiben. Unentschlossen ist ein Viertel der Befragten (26 Prozent). Für eine Entscheidung zur Rückkehr nach Deutschland spielen ähnliche Motive eine Rolle wie bei der Abwanderung; es zeigen sich aber deutliche Unterschiede bei der Häufigkeit der Nennung: Auch für Rückkehrer spielen berufliche Gründe mit 56,5 Prozent eine zentrale Rolle. Am häufigsten werden aber partnerschaftsbezogene und familiäre Gründe genannt (63,9 Prozent). Insgesamt zeigt die Studie, dass sich das Wanderungsverhalten nach Geschlecht unterscheidet: Sowohl bei den Auswanderern als auch bei den Rückwanderern gaben Männer als Migrationsmotiv deutlich häufiger berufliche Gründe an, Frauen dagegen häufiger partnerschaftsbezogene und familiäre Gründe.

(pk)